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Affenpocken: Zwei neue Fälle, erste Kontaktpersonen in Quarantäne - Lauterbach will „hart reagieren“

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Von: Patrick Huljina

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In Deutschland werden immer neue Affenpocken-Fälle bestätigt. Großbritannien entdeckt täglich neue Infektionen, die WHO sieht Handlungsbedarf.

Update vom 24. Mai, 12 Uhr: Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat bereits Eindämmungsmaßnahmen gegen das Affenpocken-Virus angekündigt. Bei einer Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler am Dienstag werden erste Empfehlungen zu Isolation und Quarantäne erwartet.

Update vom 23. Mai, 17.25 Uhr: Mit Sachsen-Anhalt meldet ein weiteres Bundesland einen ersten Fall der Affenpocken. Laut dem Sozialministerium handele es sich um einen Mann aus dem Jerichower Land. Dieser habe nach einer Reise über Beschwerden geklagt, die Infektion sei über einen PCR-Test nachgewiesen worden. Das zuständige Gesundheitsamt habe eine häusliche Isolierung angeordnet.

Update vom 23. Mai, 16.45 Uhr: Nach dem ersten Affenpocken-Fall in München sind dem bayerischen Gesundheitsministerium zufolge vier enge Kontaktpersonen des Patienten in Quarantäne. Weitere bestätigte Affenpocken-Fälle oder Verdachtsfälle seien dem Ministerium bislang nicht gemeldet worden, teilte ein Sprecher am Montagnachmittag mit.

Der 26 Jahre alte Patient aus Brasilien wird derzeit im Schwabinger Krankenhaus in einem isolierten Zimmer behandelt. Der Mann war zuvor in Düsseldorf und Frankfurt am Main unterwegs. Die Stadt Düsseldorf teilte mit, dass das Münchner Gesundheitsamt rekonstruiert habe, dass der Patient vor der eigentlichen Affenpocken-Ansteckung in Düsseldorf gewesen sei. Er habe sich demnach erst bei einem Zwischenstopp auf der Weiterreise nach München angesteckt.

Affenpocken in Deutschland: Erster Fall in Baden-Württemberg bestätigt

Update vom 23. Mai, 16.25 Uhr: Nun ist auch in Baden-Württemberg der erste Fall von Affenpocken nachgewiesen worden. Wie das Gesundheitsministerium in Stuttgart am Montag (23. Mai) mitteilte, wird am Universitätsklinikum Freiburg seit Sonntagabend ein Patient aus dem Ortenaukreis mit einer entsprechenden Infektion stationär versorgt. Damit steigt die Zahl der bestätigten Fälle in Deutschland auf insgesamt fünf.

Affenpocken in Deutschland: Lauterbach kündigt Quarantäne-Empfehlung an

Update vom 23. Mai, 14.26 Uhr: Laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach werden nach den ersten Affenpocken-Fällen in Deutschland Eindämmungsmaßnahmen vorbereitet. Aktuell würden gemeinsam mit dem RKI Empfehlungen zu Isolation und Quarantäne erarbeitet, sagte der Gesundheitsminister am Montag am Rande der Weltgesundheitsversammlung in Genf. Er gehe davon aus, dass sie bereits an diesem Dienstag (24. Mai) vorgelegt werden könnten.

Zudem werde darüber nachgedacht, „ob wir vielleicht Impfempfehlungen aussprechen müssen für besonders gefährdete Personen“, erläuterte Lauterbach. Dies sei noch nicht geklärt. Dazu gehöre auch zu prüfen, ob eventuell Impfstoffe beschafft werden müssten, und wenn ja wo. Er habe schon Kontakt mit einem Hersteller aufgenommen, der Impfstoffe spezifisch für die Affenpocken herstellt. Lauterbach betonte, dass eine Impfung der allgemeinen Bevölkerung hier nicht im Gespräch sei.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat eine Quarantäne-Empfehlung mit Blick auf die Affenpocken-Fälle in Deutschland angekündigt.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat eine Quarantäne-Empfehlung mit Blick auf die Affenpocken-Fälle in Deutschland angekündigt. © Bernd von Jutrczenka/CDC/Brian W.J. Mahy/dpa (Archivfoto/Montage)

Der Gesundheitsminister sprach sich für eine entschiedene internationale Eindämmung aus. Der weltweite Ausbruch sei so ungewöhnlich, dass man sich Sorgen machen müsse, ob er so ablaufe wie frühere Affenpocken-Ausbrüche. Es sei eher damit zu rechnen, dass sich Art und Weise der Verbreitung geändert haben könnten, „so dass wir jetzt schnell und hart reagieren müssen, um einen globalen Ausbruch wieder einzudämmen“, forderte Lauterbach.

Virologin Sandra Ciesek hat via Twitter ihre Einschätzungen zum aktuellen Affenpocken-Ausbruch geteilt.

Affenpocken: Großbritannien empfiehlt Quarantäne – drei Wochen Isolation

Update vom 23. Mai, 11.30 Uhr: In Großbritannien werden aktuell „täglich mehr“ Affenpocken-Fälle entdeckt. Das berichtete die Chefin der Gesundheitsbehörde UKHSA, Susan Hopkins, am Wochenende. Nun empfiehlt die Behörde für enge Kontaktpersonen von Affenpocken-Infizierten eine dreiwöchige Quarantäne.

Als hochwahrscheinlich infiziert gilt demnach, wer entweder im selben Haushalt mit einer erkrankten Person lebt, mit einer solchen Geschlechtsverkehr gehabt oder deren Bettwäsche ohne Schutzkleidung gewechselt habe, heißt es in einer UKHSA-Mitteilung am Montag (23. Mai). Diese Gruppe soll demnach neben der Empfehlung zur Quarantäne auch eine schützende Pocken-Impfung erhalten. Insbesondere der Kontakt mit Schwangeren, Kindern unter zwölf Jahren sowie Menschen mit unterdrücktem Immunsystem solle vermieden werden, schreibt die Behörde weiter.

In Deutschland gibt es noch keine allgemeinen Empfehlungen für Kontaktpersonen von Affenpocken-Fällen. Man arbeite derzeit aber daran, teilte das Robert Koch-Institut auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Gesundheitsämter könnten aber bereits jetzt jederzeit Isolierung und Quarantäne anordnen, so eine Sprecherin.

Affenpocken in Deutschland: Vierter Fall bestätigt

Update vom 23. Mai, 10.35 Uhr: Die Zahl der Affenpocken-Fälle nimmt weiter zu. Das Bundesgesundheitsministerium erwartet einen weiteren Anstieg der Infektionen in Deutschland. „Aufgrund der vielfältigen Kontakte der derzeit Infizierten ist in Europa und auch in Deutschland mit weiteren Erkrankungen zu rechnen“, heißt es in einem Bericht für den Gesundheitsausschuss des Bundestages.

Mit Stand von Sonntagnachmittag (22. Mai) gebe es inzwischen vier bestätigte Infektions- und Erkrankungsfälle in Deutschland – einen in München und drei in Berlin. Proben weiterer Personen seien in Abklärung. Kontaktpersonen würden ermittelt.

Soldaten der Bundeswehr arbeiten in einem Hochsicherheitslabor im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr. Affenpocken unter dem Elektronenmikroskop.
In Deutschland wurden inzwischen vier Affenpocken-Fälle bestätigt. © Peter Kneffel/Sanitätsdienst der Bundeswehr/Essbauer/dpa (Archivfoto/Montage)

Affenpocken-Fälle in Deutschland und Europa: „Tendenz täglich steigend“

„Es handelt sich inzwischen um ein Geschehen mit internationaler Verbreitung“, heißt es in dem Bericht des Ministeriums weiter. Dieser liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. In zahlreichen Ländern seien mehr als 130 bestätigte Fälle und Verdachtsfälle nachgewiesen, „Tendenz täglich steigend“. Bisher sei bei den in Europa festgestellten Infektionen die mildere, westafrikanische Affenpocken-Variante nachgewiesen worden, weitere Genomanalysen liefen allerdings noch.

„Eine Pockenimpfung schützt vermutlich auch vor Affenpocken“, erläutert das Gesundheitsministerium weiter und verweist auf die Risikoeinschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI). Demnach wird eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland nach aktuellem Stand als gering eingeschätzt. Affenpocken verursachen meist milde Symptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Hautausschlag. Eine Erkrankung kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen.

Affenpocken-Fälle in Deutschland und Europa: UN-Organisation fürchtet Stigmatisierung

Update vom 22. Mai, 21.40 Uhr: Die UN-Organisation Unaids hat einige Berichte und Kommentare über Affenpocken-Fälle als homophob und rassistisch kritisiert. Eine Stigmatisierung der Virus-Infektion könne den „Kampf gegen die Epidemie schnell untergraben“, warnte die Organisation deshalb am Sonntag.

Ein großer Teil der bislang bestätigten Fälle von Affenpocken betreffe zwar überwiegend Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex haben. Doch die Krankheit könne durch engen Kontakt mit einer infizierten Person übertragen werden und „somit jeden treffen“. Die UN-Organisation fürchtet, dass Stigmata und Vorwürfe schnell die auf Wissenschaft und Fakten basierenden Bemühungen zur Bekämpfung der Krankheit beeinflussen können. Rassistische oder homophobe Angriffe „schaffen einen Kreislauf der Angst“. Dieser bringe Menschen dazu, Gesundheitszentren zu meiden, womit sich die Ausbreitung schlechter einschränken lasse, erklärte Unaids.

Affenpocken in Deutschland und Europa: „Täglich mehr Fälle“ in Großbritannien

Erstmeldung vom 22. Mai: London - Die Affenpocken breiten sich offenbar immer weiter aus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtete mit Stand Samstag (21. Mai) von rund 90 bestätigten Infektionen und 30 Verdachtsfällen in Ländern, in denen das Virus normalerweise nicht auftritt. Auch in Deutschland wurden inzwischen drei Affenpocken-Fälle bestätigt: einer in München, zwei in Berlin. Experten rechnen mit weiteren Infektionen. In Großbritannien nimmt die Anzahl der Fälle bereits täglich zu.

Bisher sind 20 Affenpocken-Fälle aus Großbritannien bekannt. „Wir entdecken täglich mehr Fälle, und ich möchte all den Menschen danken, die sich zum Testen bei Kliniken für sexuelle Gesundheit, Hausärzten und Notaufnahmen melden“, sagte die Chefin der Gesundheitsbehörde UKHSA, Susan Hopkins, am Sonntag (22. Mai) der BBC. Ihre Behörde werde am Montag (23. Mai) neue Zahlen veröffentlichen, kündigte sie an.

Das Affenpocken-Virus werde vor allem in städtischen Gegenden übertragen, ohne dass die Fälle eine Verbindung zu West- oder Zentralafrika aufwiesen, wo die Infektion sonst beobachtet werde, erklärte Hopkins weiter. Betroffen sind nach Angaben der WHO derzeit überwiegend – aber nicht ausschließlich – Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex haben. „Wir empfehlen allen, die regelmäßig wechselnde Sexualpartner haben oder engen Kontakt zu Personen haben, die sie nicht kennen, sich zu melden, wenn sie einen Ausschlag bekommen“, so die Chefin der britischen Gesundheitsbehörde.

Affenpocken-News: WHO sieht „dringenden“ Handlungsbedarf – erstes EU-Land verhängt Quarantäne

Hopkins erklärte, Affenpocken-Infizierte könnten mit einem Pocken-Impfstoff geimpft werden. „Wir verwenden es bei Personen, von denen wir glauben, dass sie ein hohes Risiko haben, Symptome zu entwickeln“, sagte sie. „Wir verwenden es frühzeitig, insbesondere innerhalb von vier oder fünf Tagen, nachdem Symptome entwickelt wurden.“ Bei Kontaktpersonen werde dadurch das Risiko einer Erkrankung verhindert.

Die WHO sieht aufgrund der internationalen Ausbreitung Handlungsbedarf. Es sei „dringend notwendig“, das Bewusstsein für die Virenerkrankung zu erhöhen, hieß es in einer Mitteilung vom Samstag. Zudem müssten Fälle umfassend ausfindig gemacht und isoliert werden, sowie Infektionsketten zurückverfolgt werden. Mit Belgien hat ein erstes EU-Land hat wohl bereits eine Quarantäne für Infizierte eingeführt. Sie sollen sich für 21 Tage isolieren, wie mehrere Medien berichten. Kontaktpersonen seien demnach nicht betroffen.

Affenpocken in Deutschland: Überblick über Symptome und Varianten

Wie erkenne ich eine Affenpocken-Infektion? Zu den Symptomen zählen plötzlich einsetzendes Fieber, starke Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Halsschmerzen, Husten, häufig auch Lymphknotenschwellungen. Typisch ist zudem ein vom Gesicht auf den Körper übergreifender, pockentypischer Ausschlag. Selten treten Erblindung und entstellende Narben als Dauerschäden auf.

Die kursierende Variante des Affenpocken-Virus ruft nach Angaben von Gesundheitsbehörden meist nur milde Symptome hervor, kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen. Es sind zwei Varianten des Erregers bekannt: Die mildere, westafrikanische Variante und die laut dem Robert Koch-Institut (RKI) ansteckendere, zentralafrikanische Variante. Bei allen bisher genetisch analysierten Affenpocken-Proben handelte es sich um die westafrikanische Variante. (ph/dpa/afp)

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