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Energiekrise: Selenskyj-Berater fordert Weiterbetrieb deutscher Atomkraftwerke

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Von: Andreas Apetz

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Kernkraftwerk Isar 2
Das Atomkraftwerk Isar 2 im bayerischen Essenbach. © Armin Weigel/dpa

Die Verlängerung des Atomkraftwerk-Betriebs in Deutschland wird aufgrund der Energiekrise stark diskutiert. Auch die Ukraine hat eine klare Haltung dazu.

Berlin – In der Debatte um die Abschaltung der letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland wird nun auch die ukrainische Regierung aktiv. Sie appelliert an die Grünen, die letzten drei AKWs über das Jahresende hinaus weiterlaufen zu lassen. „Dieser Winter ist ein Schlüsselwinter“, sagte der engste Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj, Mychajlo Podoljak, im Interview mit dem Tagesspiegel. Angesichts der Drosselung der russischen Gaslieferungen sei es nicht sinnvoll, die drei Anlagen im Dezember abzuschalten.

Ukraine appelliert an Grüne wegen Atomkraft: „Abkehr von der Abhängigkeit von Russland“

Selenskyj-Berater Podoljak betonte, man müsse zwingend alles nutzen, um „schnellstmöglich eine neue Energielandkarte in Europa zu schaffen“. Der Westen würde den Krieg Russlands sonst weiter „finanzieren“. Es gehe in dieser Frage auch um Führungsstärke. „Wir zahlen einen hohen Preis, viele Menschen sterben. Wir hoffen, dass unsere Partner diesen Preis sehen und verstehen und ihrerseits alles tun, was möglich ist“, sagte Podoljak. „Das ist auch eine Frage der Freiheit, der Abkehr von der Abhängigkeit von Russland und einer trotzdem stabilen Energieversorgung im Winter.“

Aktuell läuft unter Führung des Wirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne) ein Stresstest, ob die Atomkraftwerke Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland noch weiter benötigt werden. Es soll geklärt werden, inwieweit die Energieversorgung im kommenden Herbst und Winter für Deutschland gesichert ist. In Kiew wird befürchtet, dass bei einer Energiekrise die Solidarität mit der Ukraine kippen könnte und fordert deshalb die Ausschöpfung aller vorhandenen Ressourcen.

Atomkraft-Verlängerung in Deutschland: Der Stand in der Politik

CDU und CSU plädieren aufgrund der angespannten Lage auf den Energiemärkten für eine Verschiebung der geplanten AKW-Abschaltung am 31. Dezember 2022. Die Union spricht sich für einen sogenannten Streckbetrieb aus, also einen möglichst langen Weiterbetrieb mit vorhandenen Brennstäben beziehungsweise neuen Brennstäben und einer Laufzeitverlängerung bis 2024.

Die Ampel-Koalition streitet um das Thema Atomkraft. Kritiker eines Weiterbetriebs der AKW führen an, dass die Kraftwerke zuletzt lediglich sechs Prozent des deutschen Strombedarfs deckten. Außerdem würde bei einer Laufzeitverlängerung zusätzlicher Atommüll entstehen. Die Kraftwerke wurden zudem wegen des beschlossenen Ausstiegs in den vergangenen Jahren nicht so eingehend auf Sicherheitsprobleme überprüft wie sonst üblich.

Die befürwortende Union prognostiziert bei einer Abschaltung der verbleibenden Atomkraftwerke eisige Wintermonate: „Putin stellt Deutschland das Gas ab und die Grünen uns die Atomkraft. Das provoziert doch geradezu den Blackout im Winter“, äußerte sich CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt gegenüber der Bild-Zeitung. CDU-Chef Friedrich Merz appelliert deshalb an die Grünen „über ihren Schatten zu springen“ und damit Gas bei der Stromerzeugung einzusparen. „Tut es für Deutschland“, schrieb Merz in einem Beitrag für die Bild-Zeitung. (aa/afp)

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