Oslo

Friedensnobelpreis 2021: Maria Ressa und Dmitri Muratow - Seitenhieb gegen Donald Trump

Der Friedensnobelpreis 2021 geht an das Journalisten-Duo Maria Ressa und Dmitri Muratow, die gegen Fake News und für die Demokratie kämpfen.

+++ 11.45 Uhr: Nur zu gerne würde Donald Trump einmal in seinem Leben den Friedensnobelpreis gewinnen. Die Chancen dafür stehen aber nicht allzu gut. Denn mit der Auszeichnung für Maria Ressa und Dmitri Muratow ist im Grunde auch ein Seitenhieb auf Donald Trump verbunden. In der Pressekonferenz nach Bekanntgabe der beiden Namen ging Berit Reiss-Andersen noch einmal auf dieses Thema ein.

Auf die Frage, wie wichtig Pressefreiheit gerade jetzt in den Zeiten eines ehemaligen US-Präsidenten sei, der das Ergebnis der US-Wahl 2020 nicht akzeptiere und munter immer weiter Fake News verbreite, sprach die Vorsitzende des Nobelkomitees explizit von Fake News und Manipulationen als Gefahr für die Menschheit: „Freier, unabhängiger und faktenbasierter Journalismus dient dem Schutz vor Machtmissbrauch, Lügen und Kriegspropaganda.“

Als Journalistin und Leiterin von Rappler, einem digitalen Medium für investigativen Journalismus, habe sich Ressa als unerschrockene Verteidigerin der Meinungsfreiheit erwiesen. Sie nutze die Pressefreiheit, um „Machtmissbrauch, Gewaltanwendung und wachsenden Autoritarismus“ auf den Philippinen aufzudecken. Dmitri Muratow habe sich trotz Morden und Drohungen geweigert, die Unabhängigkeit seiner Zeitung aufzugeben und „sich konsequent für die Rechte von Journalisten eingesetzt“, so Reiss-Andersen.

Friedensnobelpreis 2021: Komitee gibt Preis an Journalistenduo

+++ 11.15 Uhr: Erneut hat das das norwegische Nobelkomitee für eine Überraschung gesorgt. Zwar wurde das Thema Journalismus schon vorher gehandelt, aber die beiden Namen hatte dann doch niemand auf der Liste. Maria Ressa von den Philippinen und Dmitri Muratow aus Russland erhalten den Friedensnobelpreis 2021. Sie bekommen den Preis für ihre Bemühungen um die Wahrung der Meinungsfreiheit, die eine Voraussetzung für Demokratie und dauerhaften Frieden sei, sagte die Vorsitzende des Komitees, Berit Reiss-Andersen, bei der Bekanntgabe in Oslo. Mit ihrer Auszeichnung solle die Bedeutung des Schutzes der Meinungs- und Pressefreiheit unterstrichen werden.

Die philippinische Journalistin Maria Ressa erhält den Friedensnobelpreis 2021.

+++ 11.05 Uhr: Maria Angelita Ressa ist eine philippinische Journalistin, die fast zwei Jahrzehnte lang als leitende Investigativreporterin für CNN International in Südostasien tätig war. Dmitri Andrejewitsch Muratow ist Chefredakteur der russischen Novaya Ggazeta. Der Journalist hat im September 2020 einen Brief zur Unterstützung von Protestaktionen in Weißrussland unterzeichnet.

+++ 11.00 Uhr: Der Friedensnobelpreis 2021 geht an Maria Ressa and Dmitri Muratow.

+++ 10.58 Uhr: Nun ist es gleich soweit. In knapp zwei Minuten gibt das norwegische Nobelkomitee in Oslo bekannt, wer den Friedensnobelpreis 2021 erhält. Noch können letzte Wetten abgeschlossen werden.

Dmitri Muratow, Friedensnobelpreisträger 2021.

+++ 10.52 Uhr: Vielerorts wird vermutet, dass der Friedensnobelpreis 2021 an eine Organisation gehen könnte, die sich für die Pressefreiheit einsetzt, etwa an Reporter ohne Grenzen oder das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ). Die jeweiligen Nobelkomitees sind jedoch immer für eine Überraschung gut. Dass der Friedensnobelpreis 2020 an das Welternährungsprogramm ging, hatten so vorab die wenigsten vermutet.

Friedensnobelpreis 2021: Bisher wurden 17 Frauen geehrt

+++ 10.45 Uhr: Auch zum Friedensnobelpreis gibt es natürlich ein paar harte Zahlen und Daten. Seit 1901 hat das Nobelkomitee 101 Ehrungen vorgenommen. In der Regel werden Personen ausgezeichnet, doch in gut einem Viertel der Fälle erhielt eine Organisation den Friedensnobelpreis. Bisher war das 25 Mal der Fall.

Auch wenn die Zahl in den vergangenen Jahren gewachsen ist, bleibt festzuhalten, dass bisher erst 17 Frauen den Nobelpreis erhalten haben. Ein Geehrter lehnte die Auszeichnung ab. Das war der vietnamesische Politiker Le Duc Tho, der 1973 gemeinsam mit dem US-Außenminister Henry Kissinger den Nobelpreis für den Friedensvertrag von Vietnam zugesprochen bekam – eine damals wie heute höchst umstrittene Entscheidung des Nobelkomitees.

+++ 10.35 Uhr: Manchmal scheint es etwas schwierig, die Übersicht bei den Nobelpreisen zu behalten. Das musste jetzt auch Marjorie Taylor Greene erfahren. Die 47-jährige US-Kongressabgeordnete, die Donald Trump nahesteht, wirbt gerade vehement für das Medikament Ivermectin – das ihrer Ansicht nach sogar schon mal den Friedensnobelpreis gewonnen hat*. Da aber hat sie was verwechselt.

Friedensnobelpreis 2021: Welche Chancen haben Trump und Putin?

+++ 10.15 Uhr: Vorhersagen sind bei allen Nobelpreisen traditionell so gut wie unmöglich. Die diesjährigen Preisträger in Medizin, Physik und Chemie hatte kaum jemand auf der Rechnung. Und der Literatur-Nobelpreisträger Abdulrazak Gurnah* glaubte zunächst selbst an einen Streich. Könnte das Nobelkomitee also erneut für eine Überraschung sorgen?

Es kann also gut sein, dass niemand aus der unten aufgeführten Liste (s. Update 9.45 Uhr) heute um 11 Uhr verkündet wird. Vielleicht lohnt sich ein Blick auf die anderen Namen, die von Wettbüros genannt werden. Unter ferner liefen taucht da der Name von Donald Trump* auf, den seine Fans im Grunde als den einzig ernsthaften Kandidaten ansehen. Auch Jared Kushner*, Wladimir Putin*, Recep Tayyip Erdogan* oder Boris Johnson werden gewisse Chancen eingeräumt. Weit besser im Kurs liegt Joe Biden*, aber auch ein Friedensnobelpreis für den amtierenden US-Präsidenten erscheint äußerst fraglich. Auch Bill Gates* wird gehandelt. Der Microsoft-Gründer versucht ja offenbar schon seit langem, den Friedensnobelpreis zu ergattern*.

Die Verleihung des Friedensnobelpreises findet im Rathaus von Oslo statt (Archivbild 2018).

Friedensnobelpreis 2021: Greta Thunberg oder WHO?

Update, 9.45 Uhr: Seit 2019 gilt Greta Thunberg als Anwärterin auf den Friedensnobelpreis. Ist es in diesem Jahr nun so weit? Die jungte schwedische Klimaaktivistin wird auch diesmal wieder hoch gehandelt. Außer der Klimakrise stehen für viele Fachleute auch Corona und das Thema „verlässliche Informationen“ im Fokus.

Gute Chancen haben deshalb außer Thunberg und dem Sekretariat der Klimarahmenkonvention UNFCCC mit dessen Leiterin Patricia Espinosa auch die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Journalistenorganisation „Reporter ohne Grenzen“.

Friedensnobelpreis 2021: Die Favorit:innen

  • Journalistenorganisation „Reporter ohne Grenzen“ 
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO)
  • B’Tselem, israelische Menschenrechtsorganisation
  • UN-Rahmenübereinkommen über Klimaänderungen (UNFCCC) 
  • Palestinian Center for Human Rights
  • Alexej Nawalny, russischer Oppositioneller
  • Greta Thunberg, schwedische Klimaaktivistin
  • Swetlana Tichanowskaja, belarussische Oppositionsführerin
  • Ilham Tohti, uigurischer Wissenschaftler
  • Nathan Law Kwun-chung, Aktivist aus Hongkong

Friedensnobelpreis 2021: WHO ist bei den Wettbüros vorne

Oslo - Das Nobelkomitee in Oslo gibt am Freitag (11.00 Uhr) bekannt, wer den diesjährigen Friedensnobelpreis erhält. Für die renommierteste politische Auszeichnung der Welt gibt es in diesem Jahr keinen klaren Favoriten. Bekannt ist lediglich die Zahl der Kandidaten: 329, davon 234 Personen und 95 Organisationen. Das ist die drittgrößte Zahl an Nominierten überhaupt.

Wie immer wird aber auch diesmal viel spekuliert, wer den Nobelpreis erhalten könnte. Während die Wettbüros wie im Vorjahr die in der Corona-Pandemie sehr präsente Weltgesundheitsorganisation WHO favorisieren, nennt Henrik Urdal in seiner jährlichen Liste andere Namen. Der Direktor des Friedensforschungsinstituts Oslo (PRIO) sieht die Organisation Reporter ohne Grenzen ganz vorne, an zweiter Stelle folgt die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja vor der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) mit dessen Leiterin Patricia Espinosa.

Greta Thunberg spricht bei einer Demonstration von „Fridays for Future“ vor dem Bundestag.

Friedensnobelpreis 2021: Greta Thunberg wird hoch gehandelt

Auch das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri hält einen Preis für den Kampf gegen die Klimakrise für angebracht. „Dieses Jahr könnte der Klimawandel an der Reihe sein“, schätzt Sipri-Direktor Dan Smith ein. Das Thema habe höchste Aktualität, andere klare, starke Kandidatinnen und Kandidaten scheine es zudem nicht zu geben. „Dieses Jahr ist ein schlechtes Jahr für den Frieden gewesen“, sagt Smith mit Blick auf die Lage etwa in Afghanistan und Äthiopien.

Wird es also einen Nobelpreis für Klimaaktivistin Greta Thunberg geben? Smith warnt, die Auswahl einer einzelnen Person könne problematisch sein. „Greta Thunberg ist eine herausragende junge Aktivistin. Aber es gibt natürlich noch viele andere junge Aktivisten, und sie selbst weist darauf hin, dass man auch an die anderen denken sollte“, sagt der Friedensforscher. Er hat deshalb eine Idee: „Es wäre wirklich großartig, eine Liste mit 10 bis 20 genannten jungen Klimaaktivisten aus aller Welt zu sehen.“ Dabei würde man unterstreichen, dass es sich um eine soziale Bewegung handelt.

Friedensnobelpreis 2021 für Angela Merkel?

Auch der Name von Bundeskanzlerin Angela Merkel* wird immer wieder genannt. Vor genau 50 Jahren wurde der frühere Bundeskanzler Willy Brandt als letzter deutscher Preisträger für seine Ostpolitik ausgezeichnet, die zur Entspannung im Kalten Krieg beigetragen hatte. 2020 war das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

Der Friedensnobelpreis wurde erstmals im Jahr 1901 vergeben. Manche Auszeichnungen lösten Kontroversen aus, darunter besonders die Verleihung an den damaligen US-Präsidenten Barack Obama im Jahr 2009. In den vergangenen zehn Jahren gab es diese Preisträgerinnen und Preisträger:

Die Verleihung des Friedensnobelpreises findet im Rathaus von Oslo statt (Archivbild 2018).

Friedensnobelpreis: Die Gewinner und Gewinnerinnen der letzten zehn Jahre

2020: Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen für seine Bemühungen zur Bekämpfung von Hunger, seinen Beitrag zur Verbesserung der Bedingungen für den Frieden in Konfliktgebieten und als treibende Kraft bei den Bemühungen, den Einsatz von Hunger als Waffe in Kriegen und Konflikten zu verhindern.

2019: Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed für seine Bemühungen für Frieden und internationale Zusammenarbeit und vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Eritrea.

2018: Denis Mukwege (Kongo) und Nadia Murad (Irak) für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und bewaffneten Konflikten.

2017: Die Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) für ihre Bemühungen, die Aufmerksamkeit auf die katastrophalen Folgen des Gebrauchs von Atomwaffen zu richten sowie ihren bahnbrechenden Einsatz für einen Vertrag zum Verbot von Atomwaffen.

2016: Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos für seine entschlossenen Bemühungen, den mehr als 50 Jahre währenden Bürgerkrieg in seinem Land zu beenden.

2015: Das Quartett für den nationalen Dialog in Tunesien für seinen entscheidenden Beitrag zum Aufbau einer pluralistischen Demokratie in Tunesien nach der sogenannten Jasmin-Revolution 2011.

2014: Malala Yousafzai (Pakistan) und Kailash Satyarthi (Indien) für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Kindern und jungen Leuten sowie für das Recht aller Kinder auf Bildung.

2013: Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) für ihren Einsatz gegen die weltweit geächteten Massenvernichtungswaffen.

2012: Die Europäische Union (EU) für ihren mehr als sechs Jahrzehnte währenden Beitrag für Frieden, Demokratie und Menschenrechte in Europa.

2011: Ellen Johnson-Sirleaf und Leymah Gbowee (beide Liberia) sowie Tawakkul Karman (Jemen) für den gewaltfreien Kampf zur Stärkung der Rechte von Frauen. (Red/dpa/afp) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.


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