Hochzeitspaar lebend aus Schiffswrack gerettet

Rom - Ein frisch vermähltes Paar aus Korea, das seine Flitterwochen an Bord der “Costa Concordia“ verbringt, wird bei der Havarie des Kreuzfahrtschiffs im Rumpf eingeschlossen. Nach mehr als 24 Stunden werden sie gerettet.

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Mehr als 24 Stunden nach der spektakulären Havarie des italienischen Kreuzfahrtschiffes “Costa Concordia“ vor der toskanischen Küste haben Rettungskräfte zwei Überlebende geborgen. Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, befreite ein Spezialkommando der Feuerwehr in der Nacht zum Sonntag ein koreanisches Paar aus einer Kabine im Rumpf des vor der Insel Giglio auf der Seite liegenden Schiffes. Die beiden 29-Jährigen hätten sich auf Hochzeitsreise befunden, hieß es. Es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut. An Land wurden sie mit einem Krankenwagen weggefahren.

Dritter Überlebender entdeckt

Rettungskräfte haben derweil an Bord des havarierten Kreuzfahrtschiffs vor der italienischen Küste einen dritten Überlebenden entdeckt. Die Retter hätten mit dem eingeschlossenen Mann gesprochen, ihn aber noch nicht geborgen, sagte Feuerwehrsprecher Luca Cari am Sonntag. Der Mann sei Italiener und gehöre zum Kabinenpersonal der „Costa Concordia“. Möglicherweise habe er ein gebrochenes Bein, sagte Cari.

Retter hören Geräusche im Schiff

Bei der Suche nach Überlebenden auf dem havarierten italienischen Kreuzfahrtschiff haben die Rettungsmannschaften auch am Sonntag neue Hoffnung geschöpft: Sie hörten am Morgen Geräusche in einem schwer zugänglichen Teil der auf der Seite liegenden “Costa Concordia“, teilten die Feuerwehren mit. Dort gebe es jedoch durch das Unglück versperrte Türen und andere Hindernisse auf dem Weg zu möglichen Überlebenden, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

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Die “Costa Concordia“ war am späten Freitagabend mit mehr als 4200 Menschen an Bord auf einen Felsen vor der Insel Giglio gelaufen. Nach starkem Wassereinbruch neigte sich das Schiff und kippte schließlich auf die Seite. Bei der Evakuierung spielten sich nach Angaben von Passagieren chaotische Szenen ab. Mindestens drei Menschen starben, zwei von ihnen waren französische Staatsbürger. Ein peruanischer Diplomat identifizierte das dritte Todesopfer als ein 49-jähriges, peruanisches Crewmitglied.

60 Personen wurden nach Angaben der Behörden verletzt. Auch etwa zehn deutsche Passagiere erlitten nach Angaben der Kreuzfahrtgesellschaft leichte Verletzungen.

Kapitän Francesco Schettino wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Herbeiführung eines Schiffbruchs. Der genaue Unfallhergang ist nach wie vor unklar.

War ein Stromausfall die Ursache?

Nach Meinung eines Experten könnte ein Stromausfall die Ursache des Unglücks gewesen sein. Ohne Strom könnte die Crew die Kontrolle über die Navigation des riesigen Schiffes verloren und es auf Felsen im Meer gesteuert haben, sagte der Schifffahrtsexperte Malcolm Latarche vom Magazin „IHS Fairplay Solutions“ der britischen Nachrichtenagentur PA. Passagiere hätten von einem Stromausfall berichtet, außerdem sei ein lauter Knall gehört worden. Es könnte zu einer Explosion im Maschinenraum gekommen sein, sagte Latarche.

Auf der „Costa Concordia“ könnte es zu einem ähnlichen Vorfall gekommen sein wie im September 2010 auf dem Kreuzfahrtschiff „Queen Mary 2“, als dort kurz vor Barcelona die Lichter ausgingen. Eine Störung habe zu einer Fehlfunktion bei den Generatoren geführt, die die Motoren des Schiffes versorgten.

Sollte auf der „Costa Concordia“ ähnliches passiert sein, und die Sicherheitssysteme hätten versagt, sei es möglich, dass das Schiff nicht mehr zu steuern gewesen und vom Kurs abgekommen sei. „Das System muss neu gestartet werden. Die meisten dieser Systeme haben ein automatisches Back-up, aber es braucht Zeit, bis dieses angeht. Der Grund könnte aber auch ein ganz anderer sein.“

Gerettete Passagiere kehren zurück

Die mehr als 560 deutschen Passagiere der “Costa Concordia“ kehrten nach Angaben der Kreuzfahrtgesellschaft am Samstagabend nach Deutschland zurück. Sie seien mit Linienmaschinen der Lufthansa in München oder Frankfurt gelandet und zum Teil von dort weiter in ihre Heimatorte geflogen, sagte Costa-Sprecher Werner Claasen der Deutschen Presse-Agentur. “Wir haben die Privatsphäre der Leute gewahrt und viele auf Wunsch abgeschirmt aus den Airports bringen lassen. Die wollten einfach nur nach Hause.“

Schicksal von 39 Passagieren unklar 

Weiterhin ungeklärt ist das Schicksal von 39 Menschen. Wie der Präfekt von Grosseto, Giuseppe Linardi, laut Ansa noch vor der Bergung der beiden Überlebenden mitteilte, seien 4 232 Menschen aus 62 Ländern an Bord der “Costa Concordia“ gewesen. Bisher habe man allerdings erst Erkenntnisse über den Verbleib von 4 191 Personen. “Wir sind dabei, alle Möglichkeiten zu überprüfen“, sagte Linardi.

Widersprüchliche Angaben zum Ablauf der Havarie konnte auch die Reederei Costa Crociere in Genua bislang nicht aufklären. Zu viele Fragen seien noch nicht zu beantworten, teilte sie am Abend mit.

Kapitän Schettino hatte gesagt, die “Costa Concordia“ sei auf dem Weg von Civitaveccia nach Savona über einen in nautischen Karten nicht verzeichneten Felsen geschrammt. Anschließend habe man das Schiff möglichst dicht an die Insel Giglio heranmanövriert, um die Rettungsmaßnahmen zu erleichtern.

Die Präfektur in Grosseto teilte mit, sie lasse prüfen, wie die 2400 Tonnen Treibstoff in den Tanks des Schiffes gesichert werden könnten, um eine größere Umweltverschmutzung zu vermeiden.

dpa

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