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WHO erklärt Affenpocken-Ausbruch zu „Notlage von internationaler Tragweite“

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Von: Bettina Menzel

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Affenpocken
Eine elektronenmikroskopische Aufnahme von Affenpockenviren. © Cynthia S. Goldsmith/Russell Regner/CDC/AP/dpa

Die Weltgesundheitsorganisation erklärte den Affenpocken-Ausbruch am Samstag zu einer „Notlage von internationaler Tragweite“ - es ist die höchste Alarmstufe.

Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Affenpocken-Ausbruch in mehr als 70 Ländern weltweit zu einer „Notlage von internationaler Tragweite“ erklärt. Das gab WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Samstag bei einer Pressekonferenz bekannt.

17.000 Affenpocken-Fälle in 75 Ländern bekannt: Ansteckungsrisiko in Europa „hoch“

Das Affenpockenvirus ist eine seit Langem bekannte Krankheit, die 1970 erstmals in der Demokratischen Republik Kongo festgestellt wurde. Doch das Virus verhält sich aktuell anders als früher. In west- und zentralafrikanischen Ländern ist die Krankheit endemisch, außerhalb davon kam sie vor 2021 nur vereinzelt vor. Derzeit sind bereits rund 17.000 Affenpocken-Krankheitsfälle in 75 Ländern weltweit registriert.

Dass sich die Krankheit also in anderen Teilen der Welt ausbreitet, ist neu. Ebenso wie die Tatsache, dass die Übertragung offenbar ausschließlich von Mensch zu Mensch erfolgt. In Deutschland gibt es laut Robert Koch-Institut (RKI) derzeit rund 2200 Affenpocken-Fälle (Stand: 21. Juli 2022). Europa ist derzeit weltweit das einzige Gebiet, in dem das Risiko einer Ansteckung aus WHO-Sicht als hoch bewertet wird.

WHO-Entscheidung: Was bedeutet „Notlage von internationaler Tragweite“ konkret?

Während der Coronavirus-Pandemie, aber auch beim Ebola-Ausbruch in Westafrika im Jahr 2013 musste sich die WHO den Vorwurf gefallen lassen, zu spät reagiert zu haben. Nun rief die WHO am Samstag die „Notlage von internationaler Tragweite“ aus. Die Einstufung soll die Aufmerksamkeit der Mitgliedsländer erhöhen, hat aber keine direkten praktischen Folgen, denn die Regierungen entscheiden selbst über etwaige Maßnahmen in ihren Ländern. Es handelt sich allerdings um die höchste Alarmstufe der Behörde bei einer Gesundheitsbedrohung.

Die Weltgesundheitsorganisation hatte Ende Juni ein Expertengremium zusammengestellt, das die Gefahr einschätzen sollte, die vom Affenpocken-Virus ausgeht. Noch im Juni hatten die Experten davon abgeraten, die Notlage auszurufen. Das WHO-Notfallkomitee hatte am Donnerstag erneut getagt. Zur Begründung der jetzigen Entscheidung hieß es in einer WHO-Mitteilung, es gebe „ein klares Risiko“ einer weiteren internationalen Ausbreitung. WHO-Chef Tedros zeigte sich „besorgt“ über die weltweite Zunahme der Fälle. Gegen Pocken gibt es bereits eine Impfung. Derzeitigen Erkenntnissen zufolge ist diese jedoch nur für besonders gefährdete Personen sinnvoll oder für Kontaktpersonen von Affenpocken-Infizierten - nicht aber flächendeckend wie beim Coronavirus (AFP/dpa/bme).

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