1. Werra-Rundschau
  2. Panorama

UN wollen Öltanker vor Jemen retten – „Risiko einer massiven Ölpest“

Erstellt:

Von: Patrick Huljina

Kommentare

Der verwahrloste Öltanker „Safer“ liegt seit Jahren vor der Küste des Jemen.
Der verwahrloste Öltanker „Safer“ liegt seit Jahren vor der Küste des Jemen. (Archivbild) © Umweltorganisation Holm Akhdar/dpa

Der Öltanker „Safer“ vor der Küste des Jemen ist eine schwimmende Zeitbombe. Die UN warnen vor einer Umweltkatastrophe und wollen eine Rettungsaktion starten.

Sanaa/Den Haag - Im Roten Meer vor der Küste des Jemen rostet der Öltanker „Safer“ vor sich hin. An Bord: 1,1 Millionen Barrel Rohöl. Der Tanker wurde seit den 1980er Jahren als schwimmender Ölspeicher genutzt. Im Jahr 2015 brach im Jemen ein Bürgerkrieg aus. Die staatliche Ölfirma SEPOC stellte damals die teure Wartung ein, 2016 wurde die „Safer“ außer Dienst gestellt. Nun droht eine große Umweltkatastrophe.

Jemen: Schwimmende Zeitbombe vor der Küste – „Risiko einer massiven Ölpest“

Inzwischen hat sich das 45 Jahre alte Schiff mit seiner Ladung in eine schwimmende Zeitbombe verwandelt. Bei einem Leck, einer Explosion in den Tanks oder einem Bruch könnte viermal so viel Öl austreten wie bei der Katastrophe mit dem Tanker „Exxon Valdez“ vor Alaska 1989. Das Rote Meer und seine Küsten könnten im schlimmsten Fall über Hunderte Kilometer mit schwarzem Schlick überzogen werden.

Mit einer Konferenz am Mittwoch (11. Mai) versuchten die Vereinten Nationen im Wettlauf gegen die Zeit, eine drohende Umweltkatastrophe noch zu verhindern. Das „Risiko einer massiven Ölpest“ stehe unmittelbar bevor, warnte der UN-Nothilfekoordinator für den Jemen, David Gressly. Er sagte eine „massive Katastrophe“ für Umwelt und Menschen voraus, sollte der Öltanker nicht gerettet werden.

UN wollen Öltanker vor Jemen retten: Rettung kostet insgesamt 144 Millionen Dollar

Dafür benötigen die Vereinten Nationen insgesamt 144 Millionen Dollar (136 Millionen Euro), teilte Gressly zum Auftakt der Geberkonferenz mit. Die teilnehmenden Länder sagten zunächst 33 Millionen Dollar (31 Millionen Euro) zu. Damit seien dringend noch mehr Mittel nötig, um die Rettungsaktion zu beginnen, erklärten die UN und die Niederlande als Co-Gastgeberland. Bis auf das reiche Golfemirat Katar sagten ausschließlich europäische Länder Mittel zu, darunter Deutschland, die Schweiz und Frankreich. Die UN und die Niederlande wollen diesen Monat versuchen, weitere Gelder zu sammeln.

Die Vereinten Nationen veröffentlichten am Mittwoch eine Animation dazu, wie die Rettung in etwa ablaufen könnte. Zunächst würden Experten an Bord gehen, die das Schiff samt Ankerplatz untersuchen und das Gasgemisch in den Öltanks stabilisieren. Dann würde das Öl in einen weiteren Tanker gepumpt, gesichert durch Ölsperren im Wasser. Anschließend würden die Tanks der „Safer“ noch von innen gereinigt, und das rostende Schiff könnte in eine Werft geschleppt werden.

Die Rettung würde einige Monate dauern und müsste beendet sein, bevor sich das Wetter vor der Küste des Jemen ab September verschlechtert. Starke Winde und unbeständige Strömungen ab Oktober machen die Aktion dann schwieriger und erhöhen die Gefahr, dass der rostende Tanker auseinanderbricht.

Drohende Ölpest vor Küste des Jemen: Verheerende Folgen für Menschen, Umwelt und Schifffahrt

Die UN und Umweltschützer wie Greenpeace sagen für den Fall einer Ölpest verheerende Folgen voraus. Unter anderem die Fischerei, auf die im Jemen unzählige Familien angewiesen sind, wäre stark gefährdet. Zudem wäre die Wasserversorgung in Gefahr, weil Entsalzungsanlagen durch Öl verschmutzt werden könnten. Die Säuberungsarbeiten würden nach UN-Schätzungen rund 20 Milliarden Dollar (18,9 Milliarden Euro) kosten.

Neben den verheerenden Schäden für Menschen und Umwelt in der Region, wäre auch die Schifffahrt stark beeinträchtigt. Ein Ölteppich bis hoch nach Saudi-Arabien und zur anderen Seite der Meerenge Bab al-Mandab könnte schwerwiegende Folgen haben. Die wichtige Strecke und Zufahrt zum Suezkanal müsste womöglich geschlossen werden. Für Logistik und Handel wäre es eine dramatische Neuauflage des Falls „Ever Given“. Das Containerschiff blockierte im Frühjahr 2021 tagelang den Suezkanal. Durch die Wasserstraße laufen täglich zwölf Prozent des weltweiten Handels. (ph mit dpa)

Auch interessant

Kommentare