Lena soll erwürgt worden sein

+
Polizeitaucher suchen nach der Tatwaffe im Mordfall Lena am Ufer des Wallgrabens in Emden.

Emden - Die elfjährige Lena aus Emden ist offenbar von ihrem Mörder erwürgt worden. Der Täter habe erst auf das Mädchen eingestochen, als sie bereits tot war.

Die elfjährige Lena aus dem ostfriesischen Emden ist möglicherweise erwürgt worden. Der Täter habe erst auf das Mädchen eingestochen, als es bereits tot war, berichtete das Nachrichtenmagazin “Focus“ am Donnerstag und berief sich auf den Obduktionsbericht. Zuvor soll das Mädchen vergewaltigt worden sein. Die Polizei wollte keine Angaben dazu machen.

Emden: Menschen trauern um ermordete Elfjährige

Emden: Menschen trauern um ermordete Elfjährige

Anfang der Woche hatte die “Bild“-Zeitung noch berichtet, Messerstiche seien die Todesursache gewesen. Lena war am 24. März in einem Parkhaus in Emden tot aufgefunden worden. Sie wurde der Polizei zufolge Opfer einer Sexualstraftat. Am Sonntag wurde Haftbefehl gegen einen 18-Jährigen erlassen. Er hat die Tötung gestanden.

Unterdessen sucht die Polizei weiter einer Tatwaffe. “Wir arbeiten die eingegangenen Hinweise Stück für Stück ab“, sagte eine Polizeisprecherin in Emden. Der am Mittwoch erfolglos beendete Einsatz von Polizeitauchern sei dagegen abgeschlossen und werde nicht wieder aufgenommen.

Debatte über Pannen fortgesetzt

Parallel wird weiter über die Ermittlungspannen in dem Fall diskutiert. Die Deutsche Kinderhilfe prangerte “erhebliche Defizite“ im System der Jugendhilfe an. Wieder offenbare ein dramatischer Fall die Schwächen eines Systems, das nach wie vor auf die Autonomie der einzelnen Jugendämter und nicht auf Fachstandards setze.

Der 18-jährige Tatverdächtige hatte sich bereits im November 2011 bei der Polizei selbst angezeigt, weil er ein Jahr zuvor eine Siebenjährige in seinem Elternhaus entkleidet und nackt fotografiert hatte. Nach Angaben von Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hatte die Mutter des 18-Jährigen das Jugendamt informiert, als sie ihren Sohn mit der Siebenjährigen erwischt hatte.

Das Emder Jugendamt sei aber zu keiner Zeit vor dem Mordfall mit der Betreuung des jetzigen Tatverdächtigen befasst gewesen, teilte die Stadt Emden am Donnerstag mit. Nach einem Bericht der “Emder Zeitung“ soll es sich dabei um das Jugendamt des Landkreises Aurich gehandelt haben, in dessen Zuständigkeitsbereich der junge Mann damals lebte.

Chefarzt weist Mitschuld zurück

Eine Mitverantwortung wies auch der Chefarzt der Aschendorfer Kinder- und Jugendpsychiatrie, Filip Caby, zurück. Dort wurde der 18-Jährige vor seiner Selbstanzeige zwei Monate lang betreut. Caby sagte der “Neuen Osnabrücker Zeitung“, die Therapie sei regulär beendet worden. “Das Ziel war unter anderem, dass eine Selbstanzeige erfolgt. Zu der ist es gekommen. Ferner haben wir dringend eine weitere Therapie empfohlen“, sagte er.

Kritik gab es unterdessen an Innenminister Schünemann. Dieser hatte schwere Vorwürfe gegen die Polizisten erhoben und von “individuellem Versagen“ im Fall Lena gesprochen. Es sei das eine oder andere “Fragezeichen“ erlaubt, wenn Schünemann die Ergebnisse des Disziplinarverfahrens in einer Pressekonferenz bereits verkünde, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Die Polizisten hätten ein Anrecht auf ein faires Verfahren.

Rückhaltlose Aufklärung verlangte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Niedersachsen. Es müsse schnell Klarheit darüber geben, was zu dieser Tragödie geführt habe, sagte der GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff. Zu meinen, dass durch die Einleitung von Disziplinarverfahren alles geregelt sei, sei zu einfach. Die Staatsanwaltschaft Aurich hatte Verfahren wegen Strafvereitelung im Amt gegen zwei Polizisten eingeleitet. Zudem gibt es Disziplinarverfahren gegen weitere Beamte.

Unterdessen wächst die Solidarität mit einem zwischenzeitlich zu Unrecht Beschuldigten. Der regionale Fernsehsender “Friesischer Rundfunk“ aus Sande (Landkreis Friesland) hat dem 17-Jährigen einen Ausbildungsplatz zum Mediengestalter angeboten. “Viele unserer Zuschauer fragen uns, wie man ihm helfen kann. Wir wollen vorangehen“, sagte Senderchef Karl-Heinz Sünkenberg am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd. Am Mittwochabend hatten sich bereits etwa 200 Menschen vor dem Emder Bahnhof öffentlich bei dem Jugendlichen und seiner Familie für Lynchaufrufe entschuldigt.

dapd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion