Mann oder Frau? Wahrnehmungsphänomen geklärt

London - Kuriose Wahrnehmung: Ob man ein Gesicht als männlich oder weiblich einstuft, hängt nicht allein von dessen Aussehen ab, sondern auch vom Blickwinkel des Betrachters.

Dieses überraschende Phänomen entdeckten Forscher des Massachusetts Institute of Technology. “So etwas würde man nicht erwarten“, sagt Erstautor Arash Afraz. “Man sieht zwei identische Gesichter und glaubt, dass sie sich unterscheiden.“ Ob ein Mensch männlich oder weiblich ist, schließt das Gehirn gewöhnlich aus einer Kombination vieler Faktoren, etwa Kleidung, Haare oder Größe.

Die US-Psychologen konfrontierten ihre Probanden nun mit am Computer erstellten Gesichtern ohne zusätzliche Merkmale. Das Spektrum der Antlitze, die nur für Sekundenbruchteile eingeblendet wurden, reichte von sehr maskulin bis sehr feminin. Ob ein schwer einschätzbares, androgynes Gesicht als männlich oder weiblich bewertet wurde, hing davon ab, wo es auf einem Computerbildschirm auftauchte.

Manche Probanden bewerteten die in der oberen rechten Monitorecke auftauchenden Gesichter eher als maskulin, andere wiederum neigten gerade an diesem Ort eher dazu, sie als feminin einzuordnen. Selbst das vermutete Alter der Personen schwankte je nach Position auf dem Monitor. Afraz vermutet in der Zeitschrift “Current Biology“, dass die Bewertung von den jeweils aktivierten Nervenzellverbänden im Sehzentrum des Gehirns abhängt. Je nach Blickwinkel verarbeite nur eine kleine Zahl von Neuronen einen visuellen Reiz, so dass die Interpretation eines Objekts stark schwanken könne.

(Quelle: “Current Biology“, Online-Vorabveröffentlichung)

dapd

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