Land zieht Konsequenzen

Nach Entscheidung des Landes Niedersachsen: Stephan Weil verteidigt Nordsee-Verbot für Touristen aus Gütersloh

Die Westfalen müssen ihre Urlaubspläne überdenken, denn die Nordseeküste ist für sie erstmal Tabuzone. Niedersachsen verhängte jetzt ein Beherbergungsverbot.

  • Nach dem massenhaften Coronavirus-Ausbruch in Gütersloh in Nordrhein-Westfalen, zieht auch das Land Niedersachsen Konsequenzen
  • Niedersachsen verhängt ein Beherbergungsverbot für Touristen aus dem Bereich Gütersloh
  • Zudem sollen Lehrer aus dem Corona-Risiko-Gebiet erstmal nicht an niedersäschischen Schulen unterrichten

Update vom 25. Juni: Der niedersächsische Ministerpräsident, Stephan Weil (SPD), verteidigte jetzt die angeordneten Beschränkungen für Touristen aus den nordrhein-westfälischen Kreisen Gütersloh und Warendorf, in denen es kürzlich zu einem massenhaften Coronavirus-Ausbruch kam. „Das sind schon Zahlen, die sprengen die sonstigen Verhältnisse deutlich“, begründete er die Entscheidung des Landes Niedersachsen am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin. Sowohl in Gütersloh als auch in Warendorf werde der von Bund und Ländern vereinbarte Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen binnen einer Woche je 100.000 Einwohner klar überschritten. Wollen Urlauber aus dieser Region jetzt beispielsweise ihren Urlaub an der niedersächsischen Nordseeküste verbringen, ist die Voraussetzung für eine Übernachtung in Hotels, Ferienwohnungen oder Campingplätzen, ein ärztliches Attest, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa).

Mit den Beschränkungen für die beiden Kreise Gütersloh und Warendorf folge Niedersachsen der Beurteilung der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Die Umstellung von einem allgemeinen Lockdown hin zu einer konzentrierten regionalen Bekämpfung des Coronavirus habe sich aus Sicht des Regierungschefs bewährt. „Das, was bis jetzt geschieht, lässt sich aus meiner Sicht sehr sehr gut begründen“, sagte Stephan Weil. Außerdem erinnerte Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) in der Sendung NDR Info an den Schutzauftrag der Landesregierung: „Wir müssen dafür sorgen, dass das Coronavirus sich nicht verbreitet. Wir müssen weiterhin vorsichtig bleiben.“

Ursprungsmeldung: Niedersachsen - Im angrenzenden Nordrhein-Westfalen beginnen am 26. Juni die Sommerferien. Bei dem aktuellen Hammer-Wetter zieht es viele Menschen ans Wasser. Besonders beliebt ist natürlich die niedersächsische Nordseeküste mit ihren kleinen Fischerdörfern, kilometerlangen Stränden und charmanten Städtchen, wie kreiszeitung.de* berichtet Aber das können sich die Westfalen leider abschminken, denn das Land Niedersachsen hat jetzt ein Beherbergungsverbot für Touristen aus dem Bereich Gütersloh, in dem es erst kürzlich zu einem massenhaften Coronavirus-Ausbruch kam, erlassen. Zwangsläufig müssen die Westfalen jetzt wohl ihre Urlaubspläne überdenken.

mittlere Tiefe:95 Meter
Fläche:575.000 Quadratkilometer
maximale Tiefe:700 Meter
Küstenorte an der Nordsee Niedersachsens: Butjadingen, Wangerland, Otterdorf, Cuxhaven
angeschlossene Meere: via Kattegat an die Ostsee

Nordsee-Verbot für Westfalen-Touristen: Tagestouren erlaubt, Übernachtungen hingegen streng verboten

Nach dem massenhaften Coronavirus-Ausbruch in Gütersloh in Nordrhein-Westfalen, bei dem sich rund mehr als 1.500 bei der Fleischverarbeitungs-Firma Tönnies mit Sars-CoV-2 infiziert hatten, zieht das Land Niedersachsen nun Konsequenzen und erlässt Beschränkungen für Touristen aus der Region. „Das Land wird die bereits in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern geltende Regelung im Tourismusbereich anwenden auf Menschen aus dem Bereich Gütersloh“, sagt Regierungssprecherin Anke Pörksen gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Eine entsprechende Regelung werde gerade erarbeitet.

Niedersachsen erlässt Beschränkungen für Touristen aus der angrenzenden Region Westfalen.

Konkret hat sich die Regierung für ein Beherbergungsverbot entschieden. Das bedeutet also: Menschen aus dem Bereich Gütersloh dürfen zwar tagsüber am Strand der niedersäschsischen Nordseeküste spazieren, aber Übernachtungen im Nachbarbundesland Niedersachsen sind strengstens untersagt. Noch am Dienstag hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) davor gewarnt, Urlauber zu benachteiligen. „Die Botschaft an alle, die jetzt auf Gütersloh schauen: Es sind außerhalb der Beschäftigten in der Fleischindustrie so gut wie keine Fälle bisher bekannt“, sagte er am Dienstag in den ARD-Tagesthemen. Anscheinend wurde er aber jetzt doch überstimmt. Landrat des Kreises Friesland, Sven Ambrosy, war beispielsweise der Meinung, dass es unverständlich sei, örtlich die Beschränkungen zu verschärfen, aber Bewohner weiter reisen zu lassen. Er bedauere dies für die betroffenen Urlauber aus den nordrhein-westfälischen Kreisen Gütersloh und Warendorf. „Aber die Grundsatzfrage ist: Wenn es jetzt weiter solche Shutdowns gibt - wie gehen wir als Ziellandkreise damit um?“, betonte Ambrosy, der auch Vorsitzender des Tourismusverbands Niedersachsen ist.

Durch den Corona-Ausbruch bei Tönnies hieß es in Gütersloh „Alles auf Anfang“. Gerade geöffnete Kinos und Bars wurden wieder geschlossen und beim Treffen mit Freunden gelten jetzt erneut die gleichen Regeln, wie vor den Lockerungen. Auch in Geestland in Wildeshausen kam es zu einem großen Coronavirus-Ausbruch, auch wieder in einem Schlachtbetrieb. Dort sind bereits 23 von 50 Mitarbeitern infiziert (Stand: 23. Juni). Weitere Tests stehen noch aus.

Lehrer aus Corona-Risikogebieten dürfen erstmal nicht an niedersächsischen Schulen unterrichten

Bisher sei allerdings noch nicht entschieden, ob das Beherbergungsverbot generell für Regionen in Deutschland mit einer erhöhten Zahl von Corona-Neufinfektionen gelten soll. Kürzlich mussten bereits einige Touristen ihren Urlaub auf der Insel Usedom vorzeitig beenden, darunter auch ein Paar aus dem Corona-Risiko-Gebiet Gütersloh. „Wir sind wachsam und gucken, was in Nordrhein-Westfalen passiert“, sagt Anke Pörksen Anke Pörksen. Außerdem würden noch Beratungen mit Rechtsexperten der Kommunen über eine für die Dauer der Beschränkungen in den Herkunftskreisen greifende touristische Aufenthaltsperre ausstehen.

Die neue Regelung betrifft aber nicht nur Touristen, die ihren Urlaub in Niedersachsen verbringen wollen, sondern auch Lehrkräfte. Jene, die aus dem Raum Gütersloh und Warendorf kommen, aber an niedersächsischen Schulen unterrichten, sind aufgefordert in der nächsten Zeit erst einmal zu Hause zu bleiben. Und das, obwohl gerade erst alle Schüler wieder zurück in die Schulen gekehrt sind. „Es geht uns nicht um Diskriminierung oder Ausgrenzung von Menschen aus Nordrhein-Westfalen“, betonte Regierungssprecherin Anke Pörksen. „Wir versuchen angemessen zu reagieren auf die sich da abzeichnende Gefährdung“, fügt sie hinzu. Das Land wolle möglichst punktuell reagieren, um den Wirtschaftsbetrieb in Niedersachsen zu schützen.

*kreiszeitung.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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