Pflegerin ließ 93-Jährige einfach sterben

Hagen - Der dramatische Tod einer pflegebedürftigen 93-Jährigen aus Lüdenscheid beschäftigt seit Donnerstag das Hagener Landgericht. Warum die Pflegerin der Rentnerin tagelang nichts unternahm:

Die Rentnerin starb im April auf dem Fußboden neben ihrem Bett. Ihre private Altenpflegerin (54) hatte sie beim Umbetten fallen und dann vier Tage lang einfach liegen lassen. Sie hatte ihr keine Nahrung und Medikamente mehr gegeben und auch keinen Arzt alarmiert. “Eigentlich habe ich immer geholfen, aber diesmal habe ich einfach an nichts gedacht“, sagte die 54-Jährige zu Prozessbeginn. Die Staatsanwaltschaft hat die Frau wegen Totschlags durch Unterlassen angeklagt.

Die Angeklagte hatte die 93-Jährige und deren an Demenz erkrankte Schwester schon seit Monaten gepflegt. Die Kinder der Seniorinnen hatten die Frau über eine polnische Agentur beauftragt. Während der Arbeitszeiten schlief die 54-Jährige in der Wohnung der Frauen. Hatte sie frei, fuhr sie nach Polen zurück. “Die Familie war mit meiner Arbeit immer zufrieden“, beteuerte die Angeklagte. Vor allem mit der 93-Jährigen sei sie stets hervorragend zurecht gekommen. “Sie war eine ganz liebe Frau.“

Am Abend des 9. April habe sie die Seniorin schließlich wie üblich vom Rollstuhl ins Bett heben wollen. Dabei sei ihr der Körper aus der Hand geglitten. “Ich habe um Hilfe gerufen, aber niemand kam“, sagte die Angeklagte. Die Schwester der 93-Jährigen habe den Unfall gar nicht registriert. “Dann habe ich nur noch geweint und Alkohol getrunken.“ Vier Tage lang habe sie der alten Dame jede Hilfe verweigert, dann sei diese an den Folgen einer Herzerkrankung verstorben.

Das Hagener Landgericht hat für den Prozess zunächst noch vier Verhandlungstage bis zum 28. September angesetzt.

dpa

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