Russe bastelte Puppen aus Frauenleichen

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Aus toten Frauen soll ein Russe Puppen gebastelt haben.

Moskau - Russland ist entsetzt: Ein Grabschänder soll in seiner Wohnung aus den Leichen junger Frauen Puppen gemacht haben. Russland rätselt: Was hat es mit der Mumiensammlung des "verrückten Forschers" auf sich?

29 Frauenleichen soll der Russe Anatoli M. aus Gräbern geholt und in seiner Wohnung in Nischni Nowgorod an der Wolga zu Puppen verarbeitet haben. Knapp eine Woche nach der Entdeckung der ersten Mumien in Frauenkleidern veröffentlichen Medien immer mehr Details zu dem ungewöhnlichen Fall des 45 Jahre alten Historikers und Heimatkundlers.

Fotos und Videos zeigen die überall in der chaotischen Dreiraumwohnung verteilten Puppen - sie sitzen auf dem Bett, auf Bücher- und Papierstapeln, aber auch in der Garage. Laut Polizei sitzt der Mann wegen Störung der Friedhofsruhe in Untersuchungshaft.

“Ein Vandale oder ein Forscher?“, fragt die Moskauer Zeitung “Nowye Iswestija“ am Dienstag. Der absurde Fall des mutmaßlichen Grabschänders sorgt für Entsetzen und Erstaunen.

Der Mann sei ein anerkannter Wissenschaftler, ein Kelten- und Namensforscher und durchaus bekannt in Fachkreisen, Lehrer an Hochschulen und Autor zahlreicher Bücher, sagt die Polizeisprecherin Swetlana Kowylina. Die Polizei veröffentlichte Bilder vom Tatort und von dem Mann mit zerzaustem grauem Haar und Stoppelbart.

“Keiner schreibt so packend über Friedhofsthemen wie er“, sagt der Jurist Alexej Jessin, Chefredakteur der Zeitung “Nekrolog“ (Nachruf). In der Moskauer Boulevardzeitung “MK“ schildert er seinen Bekannten als Koryphäe.

Das Blatt selbst urteilt in seiner Überschrift über Anatoli: “Ein Besessener, der den Tod küsste“. Ob der Leichensammler durch die Toten sexuell erregt wurde, sagt die Polizei zunächst nicht. Zwischen 12 und 25 Jahre alt sollen die Mädchen und Frauen bei ihrem Tod gewesen sein. Aber Medien zitieren aus Interviews, die Anatoli M. als Forscher gegeben hat.

Als Schlüsselerlebnis schildert Anatoli einen Schultag 1979 - noch zu Sowjetzeiten, als er und andere Pioniere Altpapier sammelten. Dabei sei er zufällig Zeuge eines merkwürdigen Beerdigungsrituals für ein elfjähriges Mädchen geworden. Die Trauergesellschaft habe ihn damals gezwungen, das tote Mädchen auf den Mund zu küssen. Das Erlebnis habe ihn in seinen Träumen immer wieder verfolgt. In den vergangenen Jahren habe er 752 Friedhöfe besucht, dort auch in Gräbern geschlafen und Wasser aus Pfützen getrunken.

In der Wohnung fanden die Ermittler nun die Leichensammlung - angeblich auf einen Hinweis der Eltern des Mannes, wie Medien schrieben. Die Gesichter der Puppen fertigte er demnach aus Zeitungspapier, das er anstrich. Die Fahnder stellten auch Fotos, Bastelanleitungen für Puppen sowie Friedhofspläne sicher.

Angesichts der vielen Friedhofsschändungen war in Nischni Nowgorod die Sondereinheit für Extremismusbekämpfung mit dem Fall beauftragt. Besonders betroffen waren demnach muslimische Gräber. Ein wichtiger Beweis für die Fahnder: Die auf den Friedhöfen genommenen Fuß- und Fingerabdrücke stimmen mit denen des Verdächtigen überein. Die Leichen seien sichergestellt und sollten nach Untersuchungen wieder zurück in die Gräber.

Psychologen warnen indes vor voreiligen Schlüssen, den Festgenommenen als Verbrecher oder Irren abzustempeln. “Er ist ein Wissenschaftler, der bei seiner Arbeit die Grenzen überschritten hat“, sagt der Psychologe Michail Winogradow in der Zeitung “Nowye Iswestija“. Mumien- und Knochensuche seien auch bei vielen Archäologen üblich. “Dieser Mensch hat vielmehr die moralischen Normen verletzt“, sagte Winogradow. Eine harte Strafe für ihn sei aber nicht zu erwarten.

dpa

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