Russland nimmt Hilfe gegen Brände an

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Verheerende Waldbrände in Russland

Moskau - Im Kampf gegen die verheerenden Wald- und Torfbrände nimmt Russland nun Hilfe aus dem Ausland an. Experten befürchten aber, dass die Lage schlimmer ist, als bekannt.

Immer neue Brände, mehr Tote und Zerstörung - unerbittlich rollt eine Feuerwalze über große Teile des größten Landes der Erde. Wie aus einem Krieg sehen die Bilder aus vielen Regionen Russlands aus - Ruinen, verzweifelte obdachlose Menschen, Tierkadaver und verbrannte Erde. Und überall Feuer. Russland steht in Flammen. Tagelang schon kämpfen Helfer gegen die schwersten Wald- und Torfbrände seit Jahrzehnten. Auch Tausende Soldaten sind im Einsatz. Doch die Behörden können kaum Erfolge vorweisen. Immerhin aber verhinderten sie das Übergreifen des Flammen auf das atomare Forschungszentrum von Sarow. Doch trotz des schweißtreibenden Einsatzes Hunderttausender, die mit von Asche verklebten und von Ruß geschwärzten Körpern am Rande der Erschöpfung sind und mit Atemnot kämpfen, steht das Land vor einer nationalen Katastrophe. In vielen Regionen gilt Ausnahmezustand.

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Nun soll das Ausland helfen. Schon vor Tagen hatten Deutschland, die Ukraine und andere Länder technische und humanitäre Hilfe angeboten. Doch erst am Dienstag unterzeichnete Kremlchef Dmitri Medwedew einen Erlass, den Menschen nun helfen zu lassen - kein Leichtes für das Riesenreich, das sich gern als selbstbewusste Rohstoffmacht in Szene setzt. Das Land stehe vor einer “Tragödie“, sagte Medwedew. Beobachter mutmaßen längst, dass die Lage schlimmer ist, als die Behörden mitteilen. Die Hilfsorganisation Caritas International begann damit, Kleidung, Lebensmittel und Hygieneartikel für die Opfer der Brände etwa in Woronesch und Saratow zu verteilen. Die Organisation mit Sitz im deutschen Freiburg vermutete nach Beobachtungen eigener Mitarbeiter auch, dass mehr Menschen gestorben sind als bisher bekannt. Offiziell nennen die Behörden mehr als 40 Tote. Doch immer wieder kommen aus den vielen betroffenen Gebieten neue Opferzahlen.

Die Feuersbrunst hat längst auch die Taiga und andere Gebiete in Sibirien und im fernen Osten des Landes erfasst. Von Hunderten Feuern, gar Tausenden Brandnestern landesweit ist die Rede. Aber die Zahlen des Zivilschutzes ändern sich fast stündlich. Der Überblick fehlt. Inzwischen ist ein Gebiet, das zweimal so groß ist wie Mallorca, ein Raub der Flammen geworden. Unmengen an Getreide sind vernichtet. Das Landwirtschaftsministerium sprach von Einbußen von mehr als 20 Millionen Tonnen, etwa ein Viertel der Vorjahresernte. In der Region Omsk sei es zu ersten massiven Panikkäufen von Mehl und des bei den Russen so beliebten Buchweizens gekommen. Die Preise für viele Lebensmittel seien in einer Woche um 15 Prozent gestiegen, berichtete die Zeitung “Nesawissimaja Gaseta“. Die Folgen der Dürre und wochenlangen Jahrhunderthitze mit Temperaturen um 35 Grad wird Russland noch lange spüren. Zwar setzt sich Regierungschef Wladimir Putin mit Besuchen in den Brandgebieten als Helfer in Szene.

Er verspricht, dass neue Wohnungen die zu Hunderten zerstörten Häuser bis spätestens November ersetzen werden. Doch die Kritik am Führungsstil wird lauter. “Der Staat hat Schuld!“, riefen viele verzweifelte Menschen Putin entgegen. Auch die Umweltorganisation World Wildlife Fund for Nature (WWF) warf der Regierung eine völlig verfehlte Waldschutz-Politik vor. Wälder bräuchten mindestens ein Jahrzehnt, um sich zu regenerieren, vielerorts seien Futtergründe für Tiere vernichtet, sagte der WWF-Experte Nikolai Schmatkow. Das Land tue zudem zu wenig gegen den Klimawandel. Auch die Probleme mit den Torfbränden, die seit Tagen die Hauptstadt Moskau mit ihren mehr als zehn Millionen Einwohnern verpesten, seien hausgemacht. So seien Sümpfe schon zu Sowjetzeiten ausgetrocknet worden, um darauf Gartenhäuser zu bauen. Der Torf entzünde sich sehr leicht, die Glut halte sich in den Schichten besonders lange, sagte Schmatkow. Vorschläge, die Torfmoore nun zu fluten, trafen nun bei Putin erstmals auf Zustimmung.

dpa

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