Sahelzone: Nächste Dürre gefährdet Millionen Menschen

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Die zweijährige Tsclaha aus Nigeria isst einen Mehlbrei. Sie wiegt nur sechs Kilogramm.

Dakar/Nairobi - Hilfsorganisationen schlagen Alarm: Ein halbes Jahr nach Ausrufung der Hungersnot in Teilen Ostafrikas droht im Westen des Kontinents die nächste Katastrophe.

Zum dritten Mal binnen weniger Jahre sucht Dürre die Sahelzone heim und gefährdet Millionen Menschen, besonders Kinder. Schon jetzt leiden den Angaben zufolge in Niger, Mali, Mauretanien und Tschad sechs Millionen Menschen Hunger. Die Weltgemeinschaft müsse dringend handeln, fordern die Organisationen, und dürfe nicht die gleichen Fehler machen wie am Horn von Afrika.

Dort starben den Fachleuten zufolge tausende Menschen unnötigerweise und wurden Millionensummen verschleudert, weil die Staatengemeinschaft nicht rechtzeitig auf die Warnsignale reagierte. Die meisten reichen Geberländer stellten nennenswerte Hilfsgelder erst zur Verfügung, als die Krise schon voll ausgebrochen war und Menschen verhungerten, kritisierten Oxfam und Save the Children kürzlich in einem Bericht.

Selbstkritisch merkten sie an, das auch die Hilfsorganisationen ihre Tätigkeit zu langsam aufstockten. „Wir alle tragen Verantwortung für diese gefährliche Verzögerung, die in Ostafrika Menschenleben gekostet hat, und müssen aus der verspäteten Reaktion Lehren ziehen“, erklärte Oxfam-Leiterin Barbara Stocking. Bis zu 100.000 Menschen starben vor allem in Somalia, aber auch in Äthiopien und Kenia. Und die Krise ist noch nicht vorüber: Noch immer sind nach UN-Schätzungen 250.000 Somalier vom Hungertod bedroht, und mehr als 13 Millionen Menschen brauchen Hilfe.

Dritte Trockenheit in kurzer Folge

Zugleich zeichnet sich nach ausbleibenden Regenfällen und Missernten in Westafrika eine Ernährungskrise ab, die Hilfsorganisationen zufolge über zehn Millionen Menschen in der Sahelzone gefährdet. Die Zone umfasst acht Länder: den Norden Senegals, Mauretanien, Mali, Niger, Burkina Faso, den Norden Nigerias, Kamerun und den Süden des Tschads. Dürre tritt hier immer häufiger auf; zuletzt wurde 2005, 2008 und 2010 der Notstand ausgerufen. Von der letzten verheerenden Trockenheit hat sich die Region immer noch nicht erholt. Viele Familien haben ihr Vieh verloren, ihre Ersparnisse aufgebraucht und besitzen jetzt nichts mehr, um etwas zu essen zu kaufen.

Besonders gefährdet sind die Kleinsten. Das UN-Kinderhilfswerk rechnet damit, dass über einer Million Kinder in den acht betroffenen Ländern lebensgefährliche Unterernährung bevorsteht. „Erwachsene leiden in einer Krise, aber Kinder sterben“, warnt UNICEF-Sprecher Martin Dawes. UN-Hilfswerke wie UNICEF und das Welternährungsprogramm zählen zu den Organisationen, die auf die ersten Alarmsignale aus Westafrika Ende vergangenen Jahres rasch reagierten und Nahrungsmittelhilfe anleierten.

Je später, desto teurer

Diesmal soll es besser laufen als am Horn von Afrika: „Im Rückblick erkennt jeder, dass da mit Verspätung reagiert wurde. Wegen dieser Verzögerung sind zehntausende Menschen gestorben“, sagt der Einsatzleiter Westafrika von Oxfam, Stephen Cockburn. „Aus dieser jüngsten und bitteren Erfahrung wissen wir, wo die Risiken liegen.“

Und die Nothilfe war teurer, als Vorbeugung gewesen wäre, wie die Helfer in ihrem Bericht vorrechnen: Fünf Monate lang Wasserrationen für 80.000 Menschen in Äthiopien mit Lastwagen heranzukarren, schlug mit über drei Millionen Dollar (2,2 Millionen Euro) zu Buche. Vorsorglich für den gleichen Kreis Versorgungsquellen zu erschließen, hätte nur 900.000 Dollar (680.000 Euro) gekostet. Wassserlieferungen per Lkw seien das letzte Mittel, sehr teuer und ineffektiv, erklärt Oxfam-Mitarbeiter Alun McDonald. „Es ist viel kostengünstiger, rechtzeitig zu investieren“ und beispielsweise Dämme, Brunnen und Wasserspeicher anzulegen. „Je früher Sie reagieren, desto mehr bekommen Sie für ihr Geld.“

dapd

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