Sommerzeit beginnt mit kurzer Nacht

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In der Nacht zum Sonntag wurden die Uhren in Europa um eine Stunde vorgestellt

Braunschweig - Mit einem Funksignal hat in der Nacht zum Sonntag die Sommerzeit begonnen. Die Russen sparen sich die Zeitumstellung künftig. Und auch die Türkei tanzt aus der Reihe.

Zweimal im Jahr fängt das große Grübeln an: In welche Richtung wird die Uhr umgestellt? In der Nacht zu diesem Sonntag beginnt wieder die Sommerzeit - die Uhren werden um 2.00 Uhr um eine Stunde auf 3.00 Uhr vorgestellt. Die Nacht ist somit um eine Stunde verkürzt. Die Nacht ist damit kürzer, abends ist es dann länger hell. Zurückgestellt werden die Uhren wieder am 30. Oktober, wenn die Sommerzeit endet.

Russland tut sich den Stress in Zukunft nicht mehr an und schafft an diesem Wochenende nach 30 Jahren die Zeitumstellung ab. Präsident Dmitri Medwedew verfügte im Februar, dass Russland noch ein einziges Mal die Sommerzeit mitmache, im Herbst dann aber nicht mehr zur Winterzeit zurückkehre. Damit ende der Stress, sagt der Kremlchef.

Auch die Türkei tanzt dieses Jahr bei der Zeitumstellung aus der Reihe. Das Land verschiebt den Start der Sommerzeit um einen Tag. Die Uhren werden also erst in der Nacht zum Montag umgestellt. Der Grund: Ein wichtiger Test für tausende Schulabgänger ist für Sonntag angesetzt. Damit niemand die Zeitumstellung verschlafen und zu spät kommen kann, hat sich die Türkei vor drei Wochen zu dieser Maßnahme entschieden.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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“Wir sind vorbereitet für die Zeitumstellung“, sagte am Freitag der Sprecher der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig, Jens Simon. Der Langwellen-Sender DCF77 in Mainflingen bei Frankfurt, der die Funkuhren steuert, sei längst programmiert. Seit der Einführung der Sommerzeit vor 31 Jahren sorgt die PTB für eine reibungslose Zeitumstellung. Mit einer Reichweite von bis zu 2500 Kilometern erreicht das Signal des Senders Funkuhren in fast ganz Europa. Alle anderen Uhren müssen per Hand umgestellt werden. Per “Gesetz über die Zeitbestimmung“ wurde die PTB 1978 als gesetzliche Hüterin der Zeit in Deutschland bestimmt und ist damit für die Umstellung der Uhren am letzten Märzwochenende (und letzten Oktoberwochenende) zuständig.

In Braunschweig bei der PTB stehen mehrere hochkomplexe Atomuhren, die eine für Laien unfassbar genaue Zeitmessung garantieren. Pannen hat es nach PTB-Angaben dabei noch nie gegeben. Die Diskussionen über den Sinn der Umstellung kochen aber regelmäßig hoch.

In Deutschland wurde 1916 während des Ersten Weltkrieges erstmals eine Sommerzeit eingeführt. Dadurch sollte die Arbeitskraft der Beschäftigten in der Rüstungsindustrie besser ausgenutzt werden. Unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 galt dann in Deutschland nach Jahrzehnten Pause wieder von 1980 an die Sommerzeit.

Die häufigsten Rücken-Irrtümer

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Energie könne durch die Sommerzeit nicht gespart werden, urteilt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): “Die Sommerzeit ist keine Energiesparzeit“, sagt eine Sprecherin des Verbandes. Die deutsche Energiewirtschaft könne seit Jahren keine messbare Sparwirkung durch das Drehen am Zeiger erkennen.

Nach Angaben des BDEW wird zwar an hellen Sommerabenden weniger Licht eingeschaltet, aber vor allem in den oftmals noch kalten Monaten März, April und Oktober wird morgens früher geheizt. Durch verändertes Freizeitverhalten am hellen Feierabend - zum Beispiel mehr Familienausflüge mit dem Auto - könne sogar mehr Energie verbraucht werden. Der Anteil des Lichts am Stromverbrauch der rund 40 Millionen deutschen Haushalte mache durchschnittlich nur rund acht Prozent aus. Durch den verstärkten Einsatz von Energiesparlampen im Haushalt sinke der ohnehin geringe Lichtspareffekt weiter.

Auch über die gesundheitlichen Auswirkungen der Uhrumstellung wird gestritten. Fast jeder zweite Mensch in Deutschland leidet nach einer Umfrage für die Krankenkasse KKH-Allianz wegen der Zeitumstellung unter Schlafschwierigkeiten. Nach Ansicht des Erfurter Schlafmediziners Bernd Mross werden die gesundheitlichen Beeinträchtungen jedoch überschätzt, denn ein Jetlag nach einem Flug sei mit Sicherheit schwerer zu verkraften.

Wer mit dem Zug reist, sollte in der Nacht zum Sonntag den Fahrplan genau studieren. Zu dieser Zeit sind etwa 50 Nachtzüge unterwegs. Weniger reibungslos könnte am Montag nach der Zeitumstellung die Fahrt zur Arbeit laufen: Durch die Umstellung am Wochenende steige die Gefahr von Wildunfällen. Denn dann fallen morgendlicher Berufsverkehr und die Dämmerung zusammen, in der vor allem Rehe auf Futtersuche sind. Autofahrer sollten deshalb besonders an Wald- und Feldrändern aufmerksam sein, rät der Deutsche Jagdschutzverband.

dpa

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