Wassermangel im Süden

SOS Wasser - Italien und Spanien sitzen auf dem Trockenen

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Blick auf das ausgetrocknete Reservoir Maria Cristina bei Castellon de la Plana in Spanien. Foto: Domenech Castello/EFE

In Italien und Spanien ist die Sonne Fluch und Segen zugleich. Zu Sommerbeginn sinken Flusspegel, vertrocknen Felder, mancherorts wird der Vorrat an Trinkwasser knapp. Auch die Tomatenernte ist bedroht. Steht jetzt die große Dürre bevor?

Rom/Madrid (dpa) - Die Italiener und Spanier sitzen auf dem Trockenen, und diesmal ist nicht die Wirtschaftskrise gemeint. Die wärmeverwöhnten und hitzegewöhnten Länder stöhnen schon kurz nach Sommerbeginn unter hohen Temperaturen und zu wenig Regen.

In einigen Regionen Italiens hat es seit Monaten nicht geregnet. "Die große Trockenheit", titelt die Zeitung "La Stampa", "Italien ohne Wasser", heißt es in "La Repubblica". Auch in Spanien wird das Wasser nach dem heißesten Frühling der Wetteraufzeichnungen knapp.

In zwei italienischen Provinzen ist die Dürre besonders schlimm. Bereits im vergangenen Herbst hatte es in den Provinzen eine lange Periode der Trockenheit gegeben, die Hitzewelle jetzt tut ihr Übriges. Um die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser zu garantieren, rief die Regierung in Rom für Parma und Piacenza den Notstand aus. Der längste Fluss des Landes, der Po, gleiche einem Bächlein, schrieb die Nachrichtenagentur Ansa. Der Pegelstand liege 65 Prozent unter dem saisonalen Normalwert.

Die italienische Umweltorganisation Legambiente spricht von einer "beunruhigenden" Lage angesichts der zusehends trockeneren Flüsse und Seen. Bauern fürchten um ihre Ernte, nach Berechnungen des Landwirtschaftsverbands Coldiretti drohen Einbußen von mehr als einer Milliarde Euro. Während in Norditalien vor allem die Tomatenernte bedroht sei, ist in Süditalien vor allem der Olivenanbau betroffen.

Einige Kommunen haben bereits Vorkehrungen getroffen und Verbote oder Rationierungen von Wasser verhängt. Weil auch in Rom das Trinkwasser knapp wird, hat Bürgermeisterin Virginia Raggi ein Verbot für das Spielen mit Wasser, das Füllen mobiler Schwimmbecken oder Swimmingpools und das Waschen von Autos und Motorrädern angeordnet. Wer dagegen verstößt, muss Strafen zwischen 25 und 500 Euro zahlen.

Und die Temperaturen steigen weiter: Am Wochenende gilt unter anderem Hitzealarm für Bologna, Brescia, Turin, Florenz und Perugia. Die Temperaturen könnten bis zu 40 Grad erreichen, teilte das Gesundheitsministerium mit. Nicht mal der Sprung ins Wasser wird einem noch ein "Brrr, ist das kalt!" entlocken. Das Meer in Ligurien ist der regionalen Umweltagentur Arpal bereits um fünf bis sechs Grad wärmer als normalerweise im Juni.

Nicht nur in Italien war der Frühling besonders warm - nach Angaben des staatlichen Wetteramts Aemet hat Spanien heißesten Frühling seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hinter sich. Der Sommer lässt sich ebenfalls mit Bullenhitze an. In weiten Landesteilen liegen die Temperaturen seit Wochen bei weit über 30 Grad, in der Hauptstadt Madrid wurden schon Mitte Juni mehrmals über 40 Grad gemessen.

Wie in Italien leiden bereits seit dem Herbst besonders der Norden und die Mitte des Landes unter mangelnden Niederschlägen. Dies habe zu einer "besorgniserregenden Dürre" geführt, der vermutlich schlimmsten seit 20 Jahren, wie die Zeitung "El Mundo" in dieser Woche berichtete. Besonders betroffen seien zwei Flüsse: Der Tajo, der längste Fluss der Iberischen Halbinsel, der 39 Prozent weniger Wasser trage als im Juni 2016, sowie der Duero, der in der Provinz Soria entspringt und in Portugal in den Atlantik fließt - und der derzeit sogar 46 Prozent weniger Wasser führe als im Vorjahr.

"Das könnte sich zu einer großen Dürre ausweiten, die das ganze Land betrifft", zitiert "El Mundo" Jorge Olcina vom Klima-Institut der Universität Alicante. Die möglichen Folgen gleichen denen in Italien: Wasserrationierungen für die Bürger einiger Gemeinden sowie massive Schäden in der Landwirtschaft - schon jetzt gehen die Verluste bei Getreide und Raps in die Millionenhöhe, wie der Landwirtschaftsverband UPA warnt.

Dürren dauerten im Schnitt bis zu drei Jahre an, warnt Olcina weiter, und sie hätten fast immer verheerende wirtschaftliche Konsequenzen. Große Dürren sind für Spanien kein Novum, aber sie liegen lange zurück. Zuletzt habe es das zwischen 1981 und 1985 und zwischen 1992 und 1995 gegeben, sagt Olcina. "Und alles deutet darauf hin, dass sich eine ähnliche Situation anbahnt."

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