Türkei: Heftiges Nachbeben erschüttert Van

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Aufräumarbeiten in der Katastrophenregion

Ercis - Eine Woche nach dem schweren Erdbeben im Südosten der Türkei hat ein weiteres Nachbeben der Stärke 5,3 am Sonntagmorgen das Katastrophengebiet erschüttert.

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Wohnhäuser in der Stadt Van schwankten und die Menschen gerieten in Panik, wie ein Fotoreporter der Nachrichtenagentur AP berichtete. Tausende Menschen harren bei Regen und Schnee in der Region in Zelten aus. Etwa 1.400 Nachbeben wurden seit vergangenem Sonntag registriert. Noch am Samstag suchten Rettungskräfte in vier eingestürzten Häusern der Stadt Ercis nach Überlebenden. Sie bargen die Leiche einer 27-jährigen Lehrerin und versuchten, zwei weitere Vermisste zu finden. Die Hoffnungen, noch Überlebende zu finden, waren allerdings gering.

In dem Gebiet haben unterdessen die Aufräumarbeiten begonnen. In der am schwersten verwüsteten Stadt Ercis trugen Arbeiter mit schwerem Gerät Reste eingestürzter Gebäude ab. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde vom Sonntag kamen 596 Menschen ums Leben, weitere 4.152 wurden verletzt. Das Schicksal vieler Vermisster ist weiterhin ungeklärt. 

Feiern zum Nationalfeiertag abgesagt

Aus Respekt vor den Opfern wurden in der Türkei alle Feiern zum 88. Jahrestag der Gründung der Republik am Samstag abgesagt. Überlebende im Katastrophengebiet erklärten, sie hätten gar nicht bemerkt, dass Feiertag sei. “Für uns fühlt es sich nicht wie ein Feiertag an“, sagte Bayram Ala. “Wir sind in einem Erdbebengebiet. Es gibt jede Nacht Nachbeben.“

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Einige im Katastrophengebiet beklagten unterdessen mangelnde Hilfe durch die Behörden, selbst nachdem ausländische Unterstützung eingetroffen war. So reiste der 73-jährige Ishak Kartal nach Ercis, um Zelte für sein Dorf zu finden. “Wir haben vier Tote“, erklärte er. “Es ist nicht genug Hilfe eingetroffen.“ Innenminister Idris Naim Sahin erklärte, die Regierung plane, die Obdachlosen innerhalb von zwei Monaten in Fertighäusern oder Containern unterzubringen.

Hilfe aus Deutschland

Bereits am Freitagnachmittag startete ein Hilfsflug des Deutschen Roten Kreuzes mit 30 Tonnen Gütern von Berlin in das Erdbebengebiet. 500 Zelte, 2.500 Decken sowie Zeltheizungen seien verschickt worden, und es werde alles dafür getan, damit die Menschen gut und sicher über den Winter kämen, sagte der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, Markus Löning. Das Auswärtige Amt stellte 360.000 Euro als humanitäre Soforthilfe für die Erdbebenopfer zur Verfügung. Damit werden die auf den Weg gebrachten Hilfsgüter, der Transport und die Abwicklung vor Ort vollständig finanziert.

Israel schickte am Samstag nach Angaben eines Sprechers der israelischen Streitkräfte zwei Flugzeuge mit Notunterkünften und Winterkleidung. Auch Großbritannien, Irland, Russland und Japan schickten Hilfe.

dapd

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