1. Werra-Rundschau
  2. Panorama

RKI senkt Corona-Risikobewertung – doch Wieler relativiert: „Pandemie ist natürlich nicht vorbei“

Erstellt:

Von: Patrick Huljina

Kommentare

Das RKI hat seine Risikobewertung zur Corona-Lage in Deutschland angepasst. Laut Lothar Wieler ist das aber noch kein Grund zur vollständigen Entwarnung.

Berlin - Die Corona-Zahlen in Deutschland sinken. Lag die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz noch vor wenigen Wochen weit über 1000, gab das Robert Koch-Institut (RKI) den Wert am Freitagmorgen (6. Mai) mit 553,2 an. Die Lage scheint sich zu entspannen. In seinem neuen Wochenbericht erklärt das RKI, dass auch die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen weiter gesunken ist. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus habe ebenso abgenommen.

Das RKI hat daher seine Risikobewertung der aktuellen Corona-Lage in Deutschland gesenkt. Die derzeitige Gefährdung durch Covid-19 für die Gesundheit der Bevölkerung schätzt die Behörde nun insgesamt als „hoch“, statt wie zuvor „sehr hoch“ ein.

Corona: RKI senkt Risikobewertung – Wieler stellt klar: „Pandemie ist natürlich nicht vorbei“

„Nein, die Pandemie ist natürlich nicht vorbei“, erklärte allerdings RKI-Präsident Lothar Wieler am Freitag bei einem Kongress der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zum Thema „Sind die Gefahren der Covid-19-Pandemie gebannt?“ Auch die Autoren des RKI-Wochenberichts mahnten: „Der Infektionsdruck bleibt trotzdem mit knapp 600.000 innerhalb der letzten Woche an das RKI übermittelten Covid-19-Fällen weiterhin hoch.“

Für die neue Risikobewertung des RKI seien drei Faktoren entscheidend, erklärte Wieler: die Infektionsdynamik, die Krankheitsschwere und die Belastung des Gesundheitssystems. „Und all diese Signale sind positiv“, so der 61-Jährige. Empfehlungen müssten sich der Situation anpassen. Inzwischen sei es in Ordnung, manche Maßnahmen weniger stringent durchführen als zu Beginn der Pandemie. „Nicht nur, weil wir müde sind, sondern weil wir alle wissen, wie wir uns schützen können und mit dem Risiko besser umgehen können“, so der RKI-Chef.

RKI-Präsident Lothar Wieler bei einer Corona-PK.
„Die Pandemie ist noch nicht vorbei“, stellt RKI-Chef Lothar Wieler klar. (Archivbild) © Carsten Koall/dpa

Corona in Deutschland: Stiko-Chef empfiehlt vierte Impfung für bestimmte Gruppen

In seinem neuen Wochenbericht stellt das RKI zudem klar, die Corona-Impfung habe nach wie vor „aufgrund ihrer hohen Schutzwirkung vor einem schweren Verlauf auch bei Erkrankungen durch die Omikron-Variante nicht an Bedeutung verloren“.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) Thomas Mertens hob den Nutzen einer vierten Impfung für Menschen über 70 Jahren und andere Personen mit besonderem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf erneut hervor. „Wir müssen damit rechnen, dass das Infektionsrisiko im Herbst wieder ansteigt“, sagte Mertens den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er rief die Gruppen daher auf, nun die Zeit zu nutzen, ihren Schutz durch eine vierte Impfung zu verbessern. „Sie sollten nicht darauf warten, bis ein an die Omikron-Variante angepasster Impfstoff kommt“, mahnte er.

Corona: Omikron-Subvariante BA.2 legt weiter zu – BA4. und BA.5 noch nicht relevant

Die schon seit Wochen in Deutschland stark dominierende Omikron-Subvariante BA.2 hat nach jüngsten Daten zuletzt noch einmal zugelegt. Ihr Anteil habe nach einer Stichprobe von vorletzter Woche knapp 98 Prozent betragen, schreibt das RKI im neuen Wochenbericht. Die relativ neu aufgekommenen Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 spielen nach den Daten bisher mit weniger als einem Prozent nur eine untergeordnete Rolle.

Mit Blick auf den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie verweist der Bericht erneut darauf, dass die Entwicklung vor allem davon abhänge, ob sich weite Teile der Bevölkerung umsichtig und rücksichtsvoll verhielten und die bekannten Empfehlungen zum Infektionsschutz umsetzten. „Aktuell tragen auch saisonale Effekte dazu bei, die Übertragungen zu reduzieren“, schreiben die Autoren vor dem Hintergrund steigender Temperaturen und vermehrter Aktivität im Freien. Zudem gehen Experten auch aktuell von sehr vielen nicht erfassten Corona-Fällen aus – wegen überlasteter Gesundheitsämter und weil nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur diese zählen in der Statistik. (ph mit dpa)

Auch interessant

Kommentare