„Verschleierter Mord“?

Belarussischer Aktivist erhängt in Kiew aufgefunden - Mitstreiter werfen Lukaschenko „geplante Operation“ vor

Der belarussische Aktivist Witali Schischow auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2020
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Der belarussische Aktivist Witali Schischow auf einem Instagram-Foto aus dem Jahr 2020

Ein belarussischer Aktivist ist in Kiew tot aufgefunden worden - die Polizei ermittelt wegen Mordverdachts. Witali Schischow hatte vor dem Lukaschenko-Regime Geflüchteten geholfen.

Kiew/Minsk - Ein bekannter belarussischer Aktivist ist tot im Nachbarland Ukraine* aufgefunden worden. Der Fall bereitet Sorgen: Witali Schischow sei „erhängt“ in einem Park in der Nähe seiner Wohnung in der ukrainischen Hauptstadt Kiew entdeckt worden, teilte die Kiewer Polizei am Dienstag mit. Die Polizei kündigte an, in alle Richtungen zu ermitteln. Auch möglichen Hinweisen darauf, dass es sich um einen „als Suizid verschleierten Mord“ handeln könne, werde nachgegangen.

Schischow war tags zuvor plötzlich verschwunden - er war am Montagmorgen nicht von einer Joggingrunde zurückgekehrt. Die Nichtregierungsorganisation Wjasna erklärte unter Berufung auf Freunde Schischows, der Aktivist sei kürzlich beim Joggen von „Fremden“ verfolgt worden. Schischow hatte Medienberichten zufolge auch darüber geklagt, sich verfolgt zu fühlen. In der Nähe der Leiche seien persönliche Gegenstände und das Mobiltelefon Schischows gefunden worden, hieß es.

Lukaschenkos Belarus: Aktivist Schischow tot aufgefunden - er half Geflüchteten in der Ukraine

Schischow hatte von Kiew aus die Organisation „Belarussisches Haus der Ukraine“ im Messengerdienst Telegram geleitet - sie hilft Exil-Belarussen beim Ankommen in der Ukraine. Schischows Organisation „Belarussisches Haus der Ukraine“ sprach von einer „geplanten Operation“ der belarussischen Führung zur „Eliminierung“ eines Regierungskritikers. Es sei offensichtlich, dass die belarussischen Geheimdienste Schischow getötet hätten, der eine „echte Bedrohung für das Regime“ in Minsk gewesen sei.

Viele Belarussen fliehen angesichts von Repression in ihrem Heimatland in die benachbarte Ukraine, nach Polen oder Litauen. Der seit fast drei Jahrzehnten regierende belarussische Präsident Alexander Lukaschenko war vor einem Jahr trotz massiver Betrugsvorwürfe zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklärt worden. In Belarus folgten Massenproteste historischen Ausmaßes - die von den Sicherheitskräften brutal niedergeschlagen wurden.

Belarus: Lukaschenko-Regime scharf in der Kritik - große Aufmerksamkeit nach Olympia-Eklat vor wenigen Tagen

In den vergangenen Tagen hatte der Fall der belarussischen Olympia-Athletin Kristina Timanowskaja international für Aufsehen gesorgt. Timanowskaja sollte nach kritischen Äußerungen über Sportfunktionäre ihres autoritär geführten Heimatlandes mutmaßlich aus Tokio entführt werden. Mittlerweile steht die 24-Jährige unter dem Schutz der japanischen Polizei und soll demnächst nach Polen ausreisen. (AFP/dpa/fn) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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