Nach Ryanair-Vorfall

Protasewitsch-Festnahme in Belarus: Verdacht fällt auf Putins Geheimdienst

Regimekritiker Roman Protasewitsch soll nach seiner Festnahme in Minsk in einem Krankenhaus liegen. Die Lufthansa meidet Belarus nach dem Ryanair-Zwischenfall. Der News-Ticker.

  • Ein Ryanair-Flugzeug wird von Belarus zur Landung in Minsk gezwungen.
  • Nach der Landung wird der regierungskritische Journalist Roman Protasewitsch festgenommen.
  • Laut der Mutter soll der politische Gegner von Machthaber Alexander Lukaschenko mit Herzproblemen in einem Krankenhaus liegen (siehe Update vom 24. Mai, 21.05 Uhr).
  • Nach Meinung eines SPD-Experten könnte auch der russische Geheimdienst in die Kation involviert sein (siehe Update vom 25. Mai, 8.50 Uhr).

+++ Dieser Ticker ist beendet. Alle weiteren Informationen zur Belarus-Krise und zu Roman Protasewitsch lesen Sie fortan in diesem News-Ticker. +++

Update vom 25. Mai, 8.50 Uhr: Die erzwungene Landung einer Ryanair-Maschine in Minsk trägt nach Einschätzung des SPD-Außenpolitikers Nils Schmid (SPD) die Handschrift einer russischen Spezialoperation. Der Bundestagsabgeordnete sagte am Dienstag im Deutschlandfunk: „Ich gehe davon aus, dass eine solche Operation nur möglich war in einer engen Zusammenarbeit mit russischen Sicherheitskräften.“ Gerade der belarussische KGB und die russischen Geheimdienste arbeiteten sehr eng zusammen. „Die ganze Operation trägt die Handschrift einer russischen Spezialoperation, deshalb ist aus meiner Sicht klar, dass das Belarus nicht allein durchgeführt haben kann“, sagte Schmid. Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte bei „Markus Lanz“ härtere Konsequenzen*, wie 24hamburg.de* berichtet.

Update vom 25. Mai, 8.25 Uhr: Der Chef der Konservativen im EU-Parlament, Manfred Weber (CSU), sieht die Lage in Belarus nach der erzwungenen Landung einer Ryanair-Maschine in Minsk als „innereuropäisches Problem“. „Der Vorgang hat gezeigt, wenn wir innereuropäische Flüge durchführen, dann besteht die Gefahr, in die Fänge von Lukaschenko zu geraten“, sagte der EVP-Fraktionschef am Dienstag im RBB Inforadio.

Vor dem Zwischenfall sei die Lage in dem Land für Europäer mehr eine „abstrakte Frage“ gewesen, sagte Weber. Jetzt sei das Verhalten von Machthaber Lukaschenko „eine Gefahr für die Europäische Union“. „Wir können uns nicht mehr darauf verlassen, dass Flüge ordentlich durchgeführt werden“, so Weber.

Weber bezeichnete den EU-Sanktionsbeschluss als richtige Entscheidung und forderte, diesen jetzt mit Leben zu füllen. Er räumte aber ein: „Wir haben begrenzte Möglichkeiten, keine Frage. Wir können die innerbelarussischen Entwicklungen nicht von außen diktieren.“

Roman Protasewitsch: Lukaschenko-Kritiker in Belarus in einem Krankenhaus?

Update vom 24. Mai, 22.45 Uhr: Das belarussische Regime von Machthaber Alexander Lukaschenko hat ein Video von Roman Protasewitsch* ausgestrahlt. Es soll das erste Lebenszeichen des Regimekritikers sein.

Update vom 24. Mai, 21.05 Uhr: Große Sorgen um Roman Protasewitsch: Dieser hatte den regimekritischen Nachrichtenkanal Nexta mitbegründet. Der Chefredakteur, Tadeusz Giczan, beruft sich nun auf die Mutter des Oppositionellen, wonach der Blogger mit Herzproblemen in einem Krankenhaus liegen soll.

„Laut seiner Mutter liegt Roman Protasewitsch im Krankenhaus in kritischem Zustand – Herzkrankheit“, schrieb Giczan bei Twitter. Eine offizielle Bestätigung der Meldung gibt es nicht. Seit der Festnahme ist der Aufenthaltsort des Regimekritikers unbekannt.

Ryanair-Zwischenfall um Roman Protasewitsch in Weißrussland - Lufthansa fliegt nicht mehr nach Belarus

Update vom 24. Mai, 20.50 Uhr: Die deutsche Lufthansa hat auf die Vorfälle in Minsk reagiert und wird Weißrussland vorerst nicht mehr anfliegen und den belarussischen Luftraum umfliegen. „Aufgrund der aktuell dynamischen Lage setzen wir die Operation im weißrussischen Luftraum vorerst aus“, teilte das Unternehmen an diesem Montagabend mit.

Zuvor hatte es Irritationen um eine deutsche Lufthansa-Maschine mit Ziel Frankfurt am Main gegeben, die in Minsk starten sollte. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde das Flugzeug nach dem Boarding wegen einer angeblichen Bombendrohung untersucht. Koffer und Fracht mussten wieder ausgeladen werden. Es handelte sich um den Flug LH1487.

Eine angebliche Bombendrohung hatte auch als Vorwand gedient, um die Ryanair-Maschine am Pfingstsonntag mit einem Kampfjet abzufangen, in der der Regimekritiker Roman Protasewitsch saß. Dieser wurde nach der erzwungenen Notlandung am Flughafen in Minsk festgenommen. Auch die Ukraine und Litauen haben mittlerweile Flüge nach Belarus und Landungen von aus Weißrussland kommenden Fliegern untersagt.

Ryanair-Zwischenfall in Weißrussland (Belarus): Lufthansa-Maschine in Minsk untersucht

Update vom 24. Mai, 15.50 Uhr: Mysteriöser Vorfall im weißrussischen Minsk: Nur einen Tag nach dem Ryanair-Zwischenfall um den Oppositionellen Roman Protasewitsch, ist am Pfingstmontag am Flughafen der Hauptstadt eine Lufthansa-Maschine mit Ziel Deutschland von den Sicherheitsbehörden wegen einer angeblichen Bombendrohung durchsucht worden.

Dabei handelte es sich demnach um den Flug LH1487 nach Frankfurt am Main.  „Wir folgen den Anweisungen der lokalen Behörden, die das Flugzeug vor Abflug erneut durchsuchen und die Passagiere erneut einem Sicherheitscheck unterziehen“, erklärte das deutsche Flugunternehmen der Nachrichtenagentur AFP. Laut Lufthansa waren 51 Passagiere inklusive fünf Mitgliedern der Crew an Bord. Auch die Koffer und die Fracht seien ausgeladen worden, um diese einem Sicherheitscheck zu unterziehen, hieß es. Zur Stunde ist nicht bekannt, ob es sich um einen Fehlalarm handelt, oder ob es berechtigte Sicherheitsbedenken gibt.

Am Pfingstsonntag hatte die belarussische Luftwaffe einen Ryanair-Flug von Griechenland nach Litauen abgefangen und zur Landung in Minsk gezwungen. An Bord war der regimekritische Blogger Protasewitsch, der am Flughafen festgenommen wurde. Jetzt also der Zwischenfall mit der deutschen Lufthansa-Maschine in Belarus.

Regimekritiker in Belarus: Roman Protasewitsch(Mi.), hier bei einem Protest 2017.

Ryanair-Zwischenfall in Weißrussland: Roman Protasewitsch festgenommen - ahnte Blogger Festnahme?

Update vom 24. Mai, 15.30 Uhr: Ahnte der regimekritischen Blogger Roman Protasewitsch, dass die erzwungene Notlandung des Ryanair-Flugs in Minsk ihm galt? Das behauptet zumindest einer der Passagiere.

„Als ich hörte, dass das Flugzeug nach Weißrussland zurückkehrt, sah ich seine Reaktion. Er legte die Hände über den Kopf, als wüsste er, dass etwas Schlimmes passieren würde“, sagte der Grieche Nikos Petalis per Videoschalte aus Vilnius dem griechischen TV-Sender Mega: „Man hat ihn angesehen und gedacht, irgendetwas ist nicht in Ordnung mit ihm.“

Anschließend aber sei Protasewitsch ruhiger geworden. „Uns wurde nur gesagt, wir müssten in Minsk notlanden.“ Dann hätten die Passagiere ohne weitere Informationen eine Stunde im Flieger ausharren müssen. Er selbst habe gedacht, es handele sich womöglich um eine Art Notfall-Übung, erzählte Petalis: „Später haben wir im Wartebereich des Flughafens gesessen. Sie haben uns nicht einmal auf die Toilette gelassen. Protasewitsch saß neben mir, als ob nichts geschehen sei. Nach einer Weile kamen Polizisten und nahmen ihn fest.“

Roman Protasewitsch in Weißrussland festgesetzt - auch Freundin Sofia Sapega festgenommen

Update vom 24. Mai, 12.43 Uhr: Auch die Freundin des Oppositionellen Roman Protasewitsch ist nach der erzwungenen Zwischenlandung einer Ryanair-Maschine in Minsk festgenommen worden. Die Jurastudentin Sofia Sapega sei auf dem Weg nach Vilnius, wo sie ihre Masterarbeit verteidigen sollte, „unter haltlosen Vorwänden“ festgenommen worden, erklärte die Europäische Humanistische Universität (EHU) am Montag. Sie forderte konsularische Unterstützung sowie die sofortige Freilassung der russischen Staatsbürgerin. Auch eine Sprecherin des litauischen Außenministers bestätigte die Festnahme der Studentin.

Das Paar war auf dem Weg von Athen nach Vilnius, als der Flug wegen einer angeblichen Bombendrohung von den belarussischen Behörden umgeleitet und zur Notlandung in Minsk gezwungen wurde. Dort wurde es dann am Flughafen festgenommen. Das Vorgehen rief weltweit Entsetzen und scharfen Protest hervor. Die EU will am Montag auf ihrem Gipfeltreffen über eine Verschärfung der Sanktionen beraten. Russland hat indessen eine internationale Untersuchung der erzwungenen Flugzeug-Landung im Nachbarland Belarus gefordert. „Es gibt internationale Luftfahrtvorschriften, und es sind die internationalen Luftfahrtbehörden, die hier die Einhaltung oder Nichteinhaltung dieser internationalen Standards bewerten sollten“,
sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Peskow mahnte zugleich eine „nüchterne Bewertung“ des Vorfalls an. Russland ist der engste Verbündete von Belarus.

Belarus hat Vorwürfe des Westens zurückgewiesen, die Zwischenlandung einer Ryanair-Maschine in Minsk erzwungen zu haben, um Protasewitsch festnehmen zu können. Die Behörden hätten völlig legal auf eine Bombendrohung reagiert, erklärte das Außenministerium am Montag. „Es besteht kein Zweifel, dass die Handlungen unserer zuständigen Stellen den internationalen Regeln entsprachen.“ Das Ministerium warf dem Westen vor, den Vorfall mithilfe „unbegründeter Anschuldigungen“ politisch zu instrumentalisieren.

Auch einen Tag nach der Verhaftung - kein Hinweis auf Verbleib von Journalisten

Update vom 24. Mai, 10.51 Uhr: Noch immer fehlt jede Spur von Roman Protasewitsch. Der oppositionelle Aktivist war am Sonntag nach einer erzwungenen Landung einer Passagiermaschine in Belarus festgenommen worden. Zu seinem Verbleib gibt es auch am Montag keine Angaben. Mehrere Passagiere des Ryanair-Flugs bestätigten Medien in Litauen nach ihrer Landung die Festnahme des 26-Jährigen. Auch der belarussische Journalistenverband und die Menschenrechtsorganisation Wesna bestätigten die Verhaftung. Protasewitsch war in seiner Heimat unter anderem wegen Anstiftung zu Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko zur Fahndung ausgeschrieben.

Protasewitschs Vater Dmitri zeigte sich im Interview mit dem belarussischen Radiosender Radio Swoboda überzeugt, dass es sich um eine sorgfältige Operation „wahrscheinlich nicht nur von den Geheimdiensten von Belarus“ handelte. Russland ist enger Verbündeter von Belarus. Sein Sohn war demnach auf der Rückreise von einem Griechenland-Urlaub in die litauische Hauptstadt Vilnius, als Lukaschenko das Flugzeug zur Landung zwingen ließ. Er selbst habe nicht gewusst, wann sein Sohn fliege.

Dmitri Protasewitsch sprach von einem „Terrorakt“ des Machthabers Lukaschenko. „Die Operation hatte ein großes Ausmaß, um auf die gesamte internationale Gemeinschaft zu spucken und auf deren Meinung“. Er ist sehr besorgt um seinen Sohn. „Leider wissen wir nicht, wo er ist und was mit ihm ist. Wir hoffen auf das Beste.“

Geheimdienst-Mitarbeiter an Bord der Maschine? In Minsk verließen einige Passagiere das Flugzeug

Update vom 24. Mai, 8.47 Uhr: Bei der erzwungenen Landung einer Ryanair-Maschine in Belarus wurde ein regierungskritischer Blogger und Journalist verhaftet: Roman Protasewitsch hatte in der Vergangenheit bei dem oppositionellen Sender Nexta gearbeitet. Der Chefredakteur des Senders, Tadeusz Giczan, berichtet jetzt auf Twitter, dass nach dem Stopp in Minsk mehrere Passagiere nicht mehr an Bord der Maschine zurückkehrten. Demnach seien in Athen auch mindestens vier Personen in das Flugzeug gestiegen, die in Verbindung mit dem Geheimdienst in Belarus stehen. Nach der Verhaftung des Journalisten seien sie in Minsk geblieben und nicht weiter nach Vilnius geflogen. Protasewitsch soll schon am Gate in Athen Menschen bemerkt haben, die Fotos von ihm geschossen haben sollen.

Der Nachrichtensender Nexta, für den auch Protasewitsch arbeitete, rief nach den letzten Wahlen in Belarus immer wieder zu Protesten gegen Machthaber Lukaschenko auf. Daher wirft der Geheimdienst dem Journalisten Terrorismus vor. Ihm könnte die Todesstrafe drohen.

Nach erzwungener Landung in Belarus - Ermittlungen eingeleitet

Update vom 23. Mai, 22.57 Uhr: Nach Landung der in Belarus abgefangenen Ryanair-Maschine in Vilnius haben die litauischen Behörden Ermittlungen aufgenommen. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in Vilnius sei eine Voruntersuchung wegen der Entführung eines Flugzeugs eingeleitet worden. Durchgeführt werde sie von der Kriminalpolizei des baltischen EU- und Nato-Landes. Dazu sollen auch die Passagiere und die Besatzung des Flugzeugs befragt werden, das um 21.25 Uhr Ortszeit (20.25 Uhr MESZ) mit mehr als achtstündiger Verspätung in Vilnius gelandet war.

„Wir erwarten auch, dass sie mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten und unseren Beamten alle Informationen zur Verfügung stellen, die sie kennen“, sagte Regierungschefin Ingrida Simonyte der Agentur BNS zufolge nach einem Treffen mit den Passagieren am Flughafen in Vilnius. „Wir hoffen, dass die Leute heute Abend so bald wie möglich nach Hause gehen dürfen, weil wir verstehen, dass alle müde sind.“

Reaktionen aus Deutschland und der EU: Baerbock sieht „Staatsterrorismus“

Update vom 23. Mai, 21.07 Uhr: Nach der erzwungenen Zwischenlandung einer Passagiermaschine in Minsk und der Festnahme eines mitreisenden Exil-Oppositionellen werden die Staats- und Regierungschefs der EU auf ihrem Gipfeltreffen am Montag über eine Verschärfung der Sanktionen gegen Belarus beraten. Ein Sprecher von EU-Ratspräsident Charles Michel sagte am Sonntagabend in Brüssel, bei dem geplanten Gipfel werde es auch um die Aktion von Machthaber Alexander Lukaschenko gehen. „Bei dieser Gelegenheit werden Konsequenzen und mögliche Sanktionen diskutiert.“

Außenminister Heiko Maas hat die erzwungene Flugzeug-Landung in Minsk kritisiert und „deutliche Konsequenzen“ gefordert. „Dass ein Flug zwischen zwei EU-Staaten unter dem Vorwand einer Bombendrohung zur Zwischenlandung gezwungen wurde, ist ein gravierender Eingriff in den zivilen Luftverkehr in Europa“, sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend einer Mitteilung zufolge. „Wir sind sehr besorgt über Meldungen, dass auf diesem Weg der Journalist Roman Protasewitsch verhaftet wurde.“

Für die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock*, kommt die erzwungene Flugzeug-Landung in Minsk „einer staatlichen Entführung eines Passagierflugzeuges“ gleich. Der offenbar festgenommene Blogger Roman Protasewitsch müsse sofort freigelassen werden, schrieb sie am Sonntagabend bei Twitter. „Diese beispiellose Eskalation, Bedrohung unserer Freiheit in Europa und massive Gefährdung der europäischen zivilen Luftfahrt kann die Europäische Union nicht hinnehmen“, so Baerbock.

Belarus: Ryanair bestätigt den Zwischenfall

Update vom 23. Mai, 18.52 Uhr: Die Fluglinie Ryanair hat bestätigt, dass einer ihrer Flieger auf dem Weg von Athen in die litauische Hauptstadt Vilnius nach Belaraus umgeleitet worden ist. Die Besatzung des Fluges sei von belarussischer Seite über eine mögliche Sicherheitsbedrohung an Bord in Kenntnis gesetzt und angewiesen worden, zum nächstgelegenen Flughafen in Minsk zu fliegen, teilte die Airline am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Die Maschine sei sicher gelandet und die Passagiere seien von Bord gegangen, während die lokalen Behörden Sicherheitsüberprüfungen durchgeführt hätten. Dabei sei nichts Ungewöhnliches gefunden worden. Die Behörden hätten daraufhin genehmigt, dass das Flugzeug nach schätzungsweise fünf Stunden am Boden wieder zusammen mit Passagieren und Crew starten könne.

EU-Spitzen, Laschet, Söder und Maas verurteilen Umleitung des Passagierflugs

EU-Spitzen haben die Umleitung eines Passagierflugs scharf verurteilt und die Freilassung aller Passagiere gefordert. „Es ist absolut inakzeptabel, den Ryanair-Flug von Athen nach Vilnius zu zwingen, in Minsk zu landen“, schrieb EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen auf Twitter

CDU-Chef Armin Laschet hat gefordert, dass sich der Europäische Rat mit der Causa beschäftigen solle. „Wenn Belarus die Freiheit der zivilen Luftfahrt bei einem Flug zwischen zwei Mitgliedsstaaten der Europäische Union bedroht, muss sich der Europäische Rat mit Konsequenzen befassen“, schrieb der Kanzlerkandidat der Union bei Twitter.

„Das ist ein unglaublicher Vorgang und muss harte Konsequenzen nach sich ziehen. Die EU muss jetzt alle denkbaren Möglichkeiten von Sanktionen ausschöpfen“, sprach sich auch CSU-Chef Markus Söder bei Twitter für harte Konsequenzen aus.

Ähnlich äußerte sich auch Außenminister Heiko Maas auf Twitter: „Dass ein Flug zwischen EU-Staaten unter dem Vorwand einer Bombendrohung zur Zwischenlandung gezwungen wurde, ist ein gravierender Eingriff in den Luftverkehr. Wir sind sehr besorgt über Meldungen, dass auf dem Weg der Journalist Roman Protasewitsch verhaftet wurde.

Maas weiter: „Das kann nicht ohne deutliche Konsequenzen von Seiten der EU bleiben. Wir stehen in engem Austausch mit den EU-Partnern. In jedem Fall muss Belarus die Sicherheit, Unversehrtheit und Freiheit aller Passagiere unverzüglich gewährleisten und Roman Protasewitsch freilassen.“

Kampfjet im Einsatz: Lukaschenko zwingt offenbar RyanAir-Maschine zur Landung - Oppositioneller an Bord

Erstmeldung vom 23. Mai, 17.05 Uhr: Minsk - Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko macht in Belarus, was er will - er lässt sogar Flugzeuge landen, und Passagiere verhaften. Behörden in der autoritär regierten Republik haben nach Berichten von Staatsmedien in Minsk ein Flugzeug auf dem Weg von Athen in die litauische Hauptstadt Vilnius zur Landung gebracht. Der Grund offenbar: An Bord war auch der vom belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko international gesuchte Blogger Roman Protasewitsch, der nach Angaben des Menschenrechtszentrums Wesna in Minsk festgenommen wurde.

Oppositionelle betonten am Sonntag, es handle sich um einen beispiellosen Eingriff in den internationalen Luftraum. Auch der oppositionelle Nachrichtenkanal Nexta (gesprochen: Nechta) bestätigte die Festnahme seines Mitbegründers und früheren Redakteurs. Lukaschenko habe unter Verstoß gegen alle Gesetze ein Flugzeug „gekapert“, kritisierte der Kanal. Eine Stellungnahme der Fluggesellschaft RyanAir gab es zunächst nicht.

Angeblicher Sprengsatz: Lukaschenko gibt selbst das Kommando, die Maschine landen zu lassen

Die Behörden in Belarus hatten Nexta als extremistisch eingestuft. Der Kanal hatte nach der umstrittenen Präsidentenwahl im Jahr 2020 immer wieder zu Massenprotesten gegen den Machthaber aufgerufen. Protasewitsch gehört zu den vielen international zur Fahndung ausgeschriebenen Oppositionellen, denen Lukaschenko selbst den Kampf angesagt hat.

Der Geheimdienst KGB hatte den Journalisten auf eine Liste mit Menschen setzen lassen, denen die Beteiligung an terroristischen Handlungen vorgeworfen werde, wie das Portal tut.by bei Telegram berichtete. Nach Angaben der Staatsagentur Belta hatte Lukaschenko nach einem Alarm über einen Sprengsatz an Bord der Maschine selbst das Kommando gegeben, das Flugzeug in Minsk landen zu lassen.

Kampfjet steigt auf - Fehlalarm um mutmaßliche Bombe

Zur Begleitung sei auch ein Kampfjet vom Typ MiG-29 aufgestiegen, wie der Flughafen bestätigte. Flughafensprecher teilten in Staatsmedien mit, dass die Piloten an Bord der Passagiermaschine um die Landeerlaubnis gebeten hätten. Später habe sich die Information über die mutmaßliche Bombe als Fehlalarm herausgestellt. Der Schichtleiter des Flughafens, Maxim Kijakow, sagte im Staatsfernsehen, dass die 123 Passagiere im Transbereich auf ihren Weiterflug warteten.

Die deutsche Bundesregierung hat eine Stellungnahme von Belarus verlangt. Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Miguel Berger, schrieb bei Twitter, eine „sofortige Erklärung“ sei nötig.

Norbert Röttgen (55), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, fordert „eindeutige Konsequenzen“. Der CDU-Politiker sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Wenn sich die Informationen bestätigen, handelt es sich um einen unfassbaren Fall von Staatsterrorismus.“

„Das ist ein nie dagewesener Vorfall (...) Das Regime von Belarus steht hinter dieser abscheulichen Aktion“, schrieb der litauische Präsident Gitanas Nauseda im Kurznachrichtendienst Twitter. Der Präsident des eigentlichen Ziel-Lands des Fluges forderte die sofortige Freilassung von Protasewitsch. (cg mit dpa) *Merkur.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sergei Grits/AP/dpa

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