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„Hochkant rausschmeißen“: NS-Zeitzeugin hat klare Haltung zu AfD-Bundespräsidentenkandidat

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Von: Karolin Schäfer

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Karla Spagerer ist mit 92 das älteste Mitglied der Bundesversammlung bei der Wahl des Bundespräsidenten als Wahlfrau dabei.
Karla Spagerer ist mit 92 das älteste Mitglied der Bundesversammlung bei der Wahl des Bundespräsidenten als Wahlfrau dabei. © Uwe Anspach/dpa

Die 92-jährige Karla Spagerer wird das älteste Mitglied der Bundesversammlung bei der Bundespräsidentenwahl sein. Zu den Kandidaten hat sie eine klare Meinung.

Mannheim – Sie ist eine wichtige Entscheidung für Deutschlands Demokratie: die Bundespräsidentenwahl*. Am 13. Februar 2022 entscheidet ein Gremium darüber, wer das Amt des Staatsoberhaupts bekleiden soll. Zur Wahl steht unter anderem Frank-Walter Steinmeier* (SPD).

Karla Spagerer, Zeitzeugin der Nazi-Zeit, wird als ältestes Mitglied der Bundesversammlung* bei der Wahl des Bundespräsidenten teilnehmen. Die Freude der 92-Jährigen war groß, als das Tagungsbüro des Bundestags der SPD* ihr die Botschaft mitteilte. „Da ist mir die Spucke weggeblieben, das passiert mir nicht oft“, erzählte die überzeugte Sozialdemokratin aus dem Mannheimer Arbeiterviertel der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Mit der Teilnahme an der Bundesversammlung habe ihr die SPD offenbar würdigen wollen, dass Spagerer in ihrem Alter noch immer Schulen besucht und dort über die Schrecken der Nazi-Zeit berichtet.

Bundespräsidentenwahl: NS-Zeitzeugin wird durch Erstarken der AfD politisch aktiv

In der Bundesversammlung sitzen neben den Abgeordneten des Bundestags auch Abgesandte der 16 Landtage. Das können neben Parlamentarier:innen auch Prominente oder andere Menschen mit besonderen Verdiensten sein.

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Karla Spagerer erzählte, dass sie sich erst seit dem Tod ihres Mannes vor sechs Jahren in die Politik einmischte. Sie war 68 Jahre lang mit Walter Spagerer verheiratet, der sich bei der IG Metall, der SPD und für den Fußballclub Waldhof Mannheim engagierte. Die Motivation für ihr spätes Eingreifen sei das Erstarken der AfD* gewesen, so die NS-Zeitzeugin. Dagegen habe sie kämpfen wollen.

NS-Zeitzeugin über AfD-Kandidat: „Die CDU müsste den hochkant rausschmeißen“

Zu den aktuellen Spitzenpolitikern hat die 92-Jährige eine klare Haltung – auch zum derzeitigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Dem SPD-Politiker will sie ihre Stimme geben. „Das ist ein sehr angenehmer Mann“, sagte Spagerer gegenüber der dpa.

Dass das CDU-Mitglied* Max Otte als AfD-Kandidat antritt, findet sie unerhört. „Die CDU müsste den hochkant rausschmeißen“, mahnte die Wahlfrau. Die Union hatte Otte als Konsequenz für die AfD-Kandidatur die Mitgliedsrechte entzogen und ein Verfahren zum Ausschluss aus der Partei eingeleitet. Zu Otte gab der Vorsitzende der Union, Friedrich Merz, nur eine kurze Stellungnahme während einer Pressekonferenz ab. Er betonte, dass der Politiker für die Partei keine Rolle mehr spiele.

Auch zu Kanzler Olaf Scholz* (SPD) hat Karla Spagerer eine Meinung. Sie befürwortet, dass er „ruhig bleibt und nicht so aufgeregt ist.“ Dass Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) sich hingegen in den Ukraine-Konflikt mit Russland* einmischt, geht ihr mächtig auf den Geist. „Der soll seinen Mund halten, der hat seine Zeit gehabt“, kritisierte die 92-Jährige. (kas mit dpa-Material) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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