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„Vor uns liegen sehr schwere Wochen“: Spahn schlägt Corona-Alarm und will jetzt verschärfen

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Von: Marc Dimitriu

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Booster-Impfungen und Lockdown: Das plant Jens Spahn.
Booster-Impfungen und Lockdown: Das plant Jens Spahn. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Jens Spahn schlägt Alarm wegen der vierten Corona-Welle. Nach der Konferenz der Gesundheitsminister warnt er vor schweren Wochen. Diese Pläne sollen jetzt die Wende bringen:

Update vom 5. November, 14.13 Uhr: Angesichts der verschärften Corona-Lage in vielen Regionen Deutschlands wollen Bund und Länder Auffrischimpfungen für alle Geimpften nach sechs Monaten ermöglichen. Dafür sähen die Bundesländer unter anderem Impfbusse und Impfzentren vor, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nach einem Treffen der Fachminister von Bund und Ländern am Freitag in Lindau. Auch die niedergelassenen Ärzte würden sich für die Auffrischimpfungen engagieren. „Boostern nach sechs Monaten sollte die Regel werden - nicht die Ausnahme.“ Insbesondere gelte dies für Ältere und das Personal von Pflege- und Gesundheitseinrichtungen.

Außerdem sollen nach dem Willen von Bund und Länder strenge 3G-Regeln für Veranstaltungen in Innenräumen zur Eindämmung des Coronavirus in Deutschland beitragen. Die vierte Welle rolle mit voller Wucht durchs Land und 3G sei in Innenräumen daher „noch wichtiger“ geworden, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag nach einem Treffen der Gesundheitsminister in Lindau. Mit 3G ist gemeint, dass nur Geimpfte, Genesene oder Getestete Zugang erhalten. Konsens sei, „dass wir mehr Kontrolle brauchen von 3G im Alltag“, sagte Spahn. Zudem solle 2G - also Zugang nur für Geimpfte und Genesene - als Option für Regionen mit sehr hohem Infektionsgeschehen bestehen. Es sei zum ersten Mal Konsens zwischen Bund und allen Ländern, dass es solche 2G-Regelungen geben müsse.

Auch finanziell sollen die Krankenhäuser und das Pflegepersonal entlastet werden. Hier seien Zuschüsse geplant.

„Vor uns liegen sehr schwere Wochen“: Spahn schlägt Corona-Alarm will jetzt verschärfen

Update vom 5. November, 13.55 Uhr: Die Pressekonferenz ist beendet.

Update vom 5. November, 13.42 Uhr: Spahn finde es „gut“, dass über eine mögliche Impfpflicht diskutiert werde. Es gebe Argumente dafür und dagegen. Weiter erklärt er: „Wer mit alten oder verwundbaren Menschen arbeitet, hat eine moralische Verpflichtung sich zu impfen.“

Update vom 5. November, 13.37 Uhr: Auf Nachfrage eines Journalisten erklärt Holetschek, dass die nun beschlossenen Themen mit den Innenministern der Länder in die Tat umgesetzt werden müssen. Er erklärt, dass die Impfzentren, zum Beispiel in Bayern „auf Standby“ gestellt seien. „Das ist gut, dass sie noch da sind“. Man können sie relativ schnell wieder hochfahren. Aber auch die Arzt-Praxen werden ihren Teil leisten.

Professor Janssen: Krankenhäuser sind an „kritische Grenze gestoßen“

Update vom 5. November, 13.31 Uhr: Professor Janssens erzählt von einer Krankenschwester, die er vor kurzem nach 45 Jahren im gleichen Krankenhaus in den Ruhestand verabschiedet habe. Sie habe jetzt 19 Monate auf der Covid-Station gearbeitet: „Das waren die schlimmsten Monate ihres Lebens.“ Dank der Impfungen haben wir „Gott sei Dank“ noch nicht so viele Covid-Patienten auf den Stationen. „Aber wir haben volle Intensivstationen“, denn es gebe nicht nur Corona-Patienten, sondern viel mehr ohne Covid-19. Die müssten mit derselben Sorgfalt behandelt werden. Dort seien wir nun wegen dem Personalmangel an eine „kritische Grenze gestoßen“.

„Die Konzepte, die heute beschlossen worden sind, sind sinnvoll und wichtig“, sagt der Professor. „Mit den Impfungen haben wir jetzt zumindest eine Waffe in der Hand.“ Aber: „Die nächsten Monate werden hart, da bin ich mir sicher.“

Update vom 5. November, 13.23 Uhr: „Wir haben nicht nur eine harte Zeit vor uns, sondern auch zwei harte Jahre hinter uns“, erklärt Monika Bachmann aus dem Saarland. Sie bedankt sich, dass der Vorsitzende der Konferenz Holetschek heute auch Professor Janssens und eine Pflegekraft eingeladen hatte, die die Lage vor Ort geschildert haben. Die Pflegekräfte seien „am Ende und kaputt.“ Sie können nicht einfach fünf Tage Urlaub nehmen.

Update vom 5. November, 13.19 Uhr: Ministerin Petra Grimm-Benne aus Sachsen-Anhalt kündigt finanzielle Unterstützungen für die Krankenhäuser an. Das wolle sie rückwirkend zum 1. November machen. Sie betont nochmal, dass die Tests in den Heimen bis in den Winter hinein kostenlos bleiben, um die Schwachen nicht wieder zu benachteiligen. So sollen einsame Weihnachten, wie im letzten Jahr verhindert werden.

Spahn verkündet Booster-Impfungen für alle - „Vor uns liegen sehr schwere Wochen“

Update vom 5. November, 13.17 Uhr: Auf den Intensivstationen gebe es viel Frust, weil „viel Stress hätte verhindert werden können“ - mit mehr Impfungen. „Jeder der Corona leugnet, der sagt, dieses Virus ist nicht so schlimm, jeder der zögert, überlegt, ob er sich impfen lassen soll oder nicht, jeder der glaubt, er ist jung, gesund, unverwundbar, sollte vielleicht einfach mal mit Pflegekräften, vor allem mit Intensivpflegekräften, -medizinern sprechen. Es liegt am Ende an jedem Einzelnen“, so Spahn.

Update vom 5. November, 13.10 Uhr: Jens Spahn spricht von einer „Wucht“ die die vierte Welle aufgenommen habe. „Vor uns liegen sehr schwere Wochen. Das zeichnet sich durch die hohen Infektionen ab.“ Umso wichtiger sei es jetzt diese Welle jetzt zu brechen. Man habe die Werkzeuge in der Hand, wie etwa die Auffrischimpfungen. Ärzteschaft sowie Bund und Länder seien sich einig, dass diese Auffrischimpfung für alle kommen soll. Außerdem müsse man die Orte zu schützen, die besonders verwundbar sind, wie die Alten und Pflegeheime. Bei den Booster-Impfungen brauche es jetzt mehr Tempo. „Boostern nach sechs Monaten sollte die Regel werden.“ Dabei werden nicht nur die Arztpraxen eingespannt, sondern auch die Impfzentren und Angebote wie Impfbusse.

Auch 3G sei in Innenräumen „noch wichtiger“ geworden, sagt Spahn. Konsens sei, „dass wir mehr Kontrolle brauchen von 3G im
Alltag“, sagte Spahn. Zudem solle 2G - also Zugang nur für Geimpfte und Genesene - als Option für Regionen mit sehr hohem Infektionsgeschehen bestehen.

Gesundheitsminister Holetschek warnt: „Die Situation ist ernst“

Update vom 5. November, 13.03 Uhr: Der bayerische Gesundheitsminister Holetschek spricht von einer dramatischen und besorgniserregenden Lage. „Die Situation ist ernst und wird noch ernster. Wir haben einige Beschlüsse in großer Einigkeit gefasst.“ Auffrischungsimpfungen sollen vom Grundsatz nach sechs Monaten für alle möglich sein. Vor allem aber für Ältere, Vorerkrankte und medizinisches Personal.

Eine Pflegekraft, die an der Konferenz teilgenommen hat, habe allen die schlimme Situation nochmal deutlich gemacht. „Pflege ist das Mega-Thema bei der künftigen Bewertung.“ Holetschek will auch finanziellen Anreizen für Pflegekräfte, etwa eine Zulage oder steuerliche Entlastungen. Besucher in Pflegeheimen sollen wieder Gratis-Tests erhalten.

Update vom 5. November, 12.27 Uhr: Im Moment beraten die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und die Gesundheitsminister der Länder über den weiteren Weg in der Corona-Pandemie mit Blick auf den Winter. Um 13 Uhr wollen sie dann vor die Presse treten und ihre Pläne vorstellen.

Corona-Zahlen, Booster-Impfungen und Lockdown - das sind die neuen Pläne der Gesundheitsminister

Erstmeldung vom 5. November 2021:

Lindau - Die vierte Corona*-Welle nimmt immer mehr Fahrt auf. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Robert-Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages den neuen Rekordwert von 37.120 Corona-Neuinfektionen. Das RKI änderte sogar seine Risikobewertung für unvollständig oder nicht Geimpfte von „hoch“ auf „sehr hoch“, wie aus dem am Donnerstagabend veröffentlichten Wochenbericht hervorgeht. „Für vollständig Geimpfte wird die Gefährdung als moderat, aber aufgrund der steigenden Infektionszahlen ansteigend eingeschätzt“, hieß es. Noch vor einer Woche war das Risiko für Geimpfte im Bericht als „moderat“ beschrieben worden.

Corona: Gesundheitsminister beraten über Booster-Impfungen

Vor diesem Hintergrund tagen die Gesundheitsminister der Länder in Lindau am Bodensee. Die wichtigen Themen dabei: Booster-Impfungen*, Schutz von Pflegeheim-Bewohnern und Unterstützung von Krankenhäusern. Um 13 Uhr ist dann eine Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU*), und seinen Länderkollegen Klaus Holetschek (CSU*) aus Bayern, Monika Bachmann (CDU, Saarland) und Petra Grimm-Benne (SPD, Sachsen-Anhalt) anberaumt.

Der Vorsitzende der Konferenz, Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), sprach am Donnerstag von einem „großen Programm“. Zu manchen Fragen gab es aber schon zu Beginn richtungsweisende Aussagen.

Video: Spahn über neue Maßnahmen im Winter

Spahn und seine Kollegen wollen Booster-Impfungen für alle nach sechs Monaten

Die Gesundheitsminister sind sich laut Spahn darüber einig, dass eine Auffrischungsimpfung sechs Monate nach der Zweitimpfung mit Blick auf Herbst und Winter für alle sinnvoll sei. „Boostern sollte die Regel werden, nicht die Ausnahme.“ Wegen ihrer Priorisierung bei Erst- und Zweitimpfungen seien dabei zunächst vor allem Ältere, Vorerkrankte und medizinisches Personal an der Reihe. „Gerade dort macht das Boostern jetzt Sinn“, sagte der Gesundheitsminister. Die Ständige Impfkommission empfiehlt derzeit auch nur Booster-Impfungen für über 70-Jährige und Vorerkrankte.

Etwa 2,4 Millionen Menschen haben bisher eine solche Auffrischimpfung erhalten. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, verspricht sich ebenfalls viel davon. „Die Menschen bekommen sozusagen eine Art Superschutz und können das Coronavirus* kaum noch weitergeben“, sagte er der Augsburger Allgemeinen am Freitag. „Wenn das Virus auf so jemanden trifft, dann ist für den Erreger Endstation und die Verbreitung wird unterbunden“, fügte der Immunologe hinzu. 

Corona: Gesundheitsminister beraten über Schutz in Pflegeheimen

Außerdem besprechen die Gesundheitsminister auch eine Ausweitung der Testpflicht in Pflegeheimen. Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne*) hatte am Donnerstag sogar eine Impfpflicht für Mitarbeiter in Pflegeheimen gefordert. Dies lehnte Holetschek vor Beginn des Treffens ab: „Wir haben uns im Moment noch darauf verständigt, gerade in Bayern, dass es keine Impfpflicht gibt - und dabei bleibt es jetzt auch.“ Die Minister wollen sich stattdessen darauf einigen, dass in den Einrichtungen auch Geimpfte und Genesene getestet werden. Wie engmaschig die Tests erfolgen sollten, war vor der Konferenz allerdings umstritten.

Finanzielle Ausgleiche für Kliniken und Pflegekräften sollen beschlossen werden

Auch die finanzielle Unterstützung von Krankenhäusern ist ein Thema. Sollten Kliniken zur Versorgung von Corona-Patienten wieder Eingriffe verschieben müssen, sei „eine gezielte finanzielle Ausgleichsregelung“ nötig, hieß es in einem Beschlussentwurf mehrerer Länder für die Konferenz, der der dpa vorliegt. Das Bundesgesundheitsministerium solle deshalb Ausgleichszahlungen aus dem Gesundheitsfonds ermöglichen. Zunächst hatte der Business Insider darüber berichtet. Ein Auslaufen der epidemischen Notlage von nationaler Tragweite, wie Jens Spahn es fordert, hält Holetschek in der derzeitigen Lage für falsch.

Er betonte, es sei auch darüber hinaus an der Zeit, Kliniken und Pflegekräften finanziell zu helfen - zum Beispiel durch steuerfreie Zuschläge für Mitarbeiter. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich zuletzt nahezu wöchentlich in Videoschalten ausgetauscht. Dass in Lindau nun vor Ort beraten wird, sei „sehr wichtig im Moment“, so der bayerische Gesundheitsminister. (md mit dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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