Kanzlerin der Stürme

So feierte Merkel ihren 60. Geburtstag

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Happy birthday, Angela Merkel!

Berlin - Nach einem ergebnisarmen EU-Gipfel schüttelte Kanzlerin Angela Merkel an ihrem 60. Geburtstag 1000 Hände und nahm unzählige Glückwünsche entgegen. Nur Altkanzler Kohl hat eine kleine Spitze parat.

Angela Merkel hätte sich eine gemütlichere Runde um Mitternacht an ihrem 60. Geburtstag vorstellen können. Statt im trauten Heim bei Kerzenschein verhandelte sie bei grellem Licht in Brüssel über die Besetzung von Spitzenposten der neuen EU-Kommission. Immerhin: Ihrer großen Feier am Abend in Berlin mit 1000 Gästen stand nichts mehr im Wege. Der Sondergipfel der 28 EU-Staats- und Regierungschefs wurde nach wenigen Stunden vertagt. Ergebnislos.

So feierte Merkel ihren 60. Geburtstag - Bilder

So feierte Angela Merkel - Bilder

Ursprünglich hatte der irische Regierungschef Enda Kenny den 17. Juli, also direkt Merkels Geburtstag, für das Treffen ausgerufen. Das war aber wohl selbst der Europapolitikerin Merkel zu viel. Sie hatte sich für den Empfang in der CDU-Zentrale einen Vortrag des Historikers Jürgen Osterhammel gewünscht und wollte weder ihm noch der Gratulanten-Schar absagen. Und auch selbst nicht verzichten.

Promi-Band singt Seemanslied für Merkel

Unzählige Glückwünsche gingen seit Mittwoch ein. Es schrieben die katholische Kirche, die evangelische Kirche, der Zentralrat der Juden, zahlreiche Politiker der Union, aber auch der SPD, der Grünen und der Linken. Ex-Fußball-Nationaltrainer Klinsmann betitelte Merkel auf Twitter als Fußball-Bundeskanzlerin.

Ein Trikot mit allen Unterschriften bekam sie auch. Allerdings von den EU-Staats- und Regierungschefs und nicht von den deutschen Fußball-Weltmeistern.

„Bild.de“ organisierte sogar so etwas wie eine Band mit Politikern unterschiedlicher Couleur und Profi-Sängern. So stellten sich Heino, Vicky Leandros, Jürgen Drews, Andrea Nahles (SPD), Claudia Roth (Grüne), Michael Fuchs (CDU), Ilse Aigner (CSU) und andere für ein Musikvideo zur Verfügung und stimmten Merkels angebliches Lieblingslied an: „Wir lieben die Stürme“. Das Seemannslied sang Heino demnach bereits 1965.

Vettel rät Merkel „gemütliches Kaffee trinken“

Auch der viermalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel zu ihrem 60. Geburtstag gratuliert. „Ein runder Geburtstag ist immer etwas besonderes, deshalb herzliche Glückwünsche, aber ich glaube, sie macht an ihrem Geburtstag keine Ausnahme und wird fleißig sein“, sagte der Red-Bull-Pilot am Mittwochabend bei einem Fußballspiel für einen guten Zweck in Hanau.

„Vielleicht gönnt sie sich auch mal fünf oder zehn Minuten oder vielleicht auch eine Stunde für sich, um, wie es sich so in Deutschland gehört, ein Stück Kuchen zu essen und gemütlich einen Kaffee zu trinken und den Tag ein bisschen zu ehren.“

Kohls Seitenhieb auf die Kanzlerin

Und auch von Altkanzler Helmut Kohl kam eine Nachricht. Über die „Bild“-Zeitung und mit Seitenhieb: „Wenn Sie heute zurückblicken, können Sie dies in der Gewissheit tun, die Gelegenheiten genutzt zu haben, die sich Ihnen in Ihrem wechselvollen Leben boten. Sie nutzten Ihre Chance und machten sich auf den Weg, der Sie bis an die Spitze unseres Landes brachte.“

Kurz nach der Wiedervereinigung war Kohl der politische Ziehvater der unerfahrenen und zunächst eher scheuen Physikerin aus der DDR. Sie wurde erst Bundesfrauenministerin und dann Umweltministerin. 1999 leitete Merkel dann als CDU-Generalsekretärin die Loslösung der Partei von Kohl wegen der Spendenaffäre ein. Gestärkt und zupackend übernahm sie im Jahr 2000 den CDU-Vorsitz und 2005 das Kanzleramt.

Die Tochter eines Pfarrers und einer Lehrerin gewann die Bundestagswahlen gegen Alt-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und die SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück.

Blüm, Müntefering und Gysi gratulieren Merkel

Der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) glaubt nicht, dass Merkel von Anfang an das Ziel hatte zu erreichen, was sie heute ist. „Ich glaube nicht, dass sie mit einem Fahrplan in die Politik gegangen ist, eher mit der Neugier einer Naturwissenschaftlerin“, sagte er im WDR. Franz Müntefering, Vizekanzler in Merkels erstem Kabinett, äußerte einen eigenen Wunsch: „Dass sie mehr Mut hat.“ Im Moment bleibe vieles liegen in Deutschland wie Entscheidungen zum demografischen Wandel, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Aber: „Sie ist sehr klug, versteht sehr schnell, ist eine Netzwerkerin.“

Auch Linksfraktionschef Gregor Gysi gratulierte der Kanzlerin - nicht ohne ein bisschen eigene Politik unterzubringen: „In der DDR wären sie mit 60 Rentnerin geworden. Davon kann heute kein Rede mehr sein. (...) Der Weg von einer Naturwissenschaftlerin in der DDR zur Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland ist nicht nur einmalig, sondern außergewöhnlich. Übrigens: Die Angleichung der Renten und Löhne in Ost und West haben Sie bisher leider vergessen. Aber es lässt sich ja noch nachholen.“

dpa

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