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Energiekrise: Kann Russland uns einfach so den Gashahn zudrehen?

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Von: Ares Abasi

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Putin fordert Deutschland auf, russische Gasimporte in Rubel zu zahlen. Sonst dreht er den Gashahn zu. Doch kann er die Drohung auch wahrmachen?

Moskau/Berlin – Am 11. Juli hat der russische Betreiber Gazprom mit den geplanten 10-tägigen jährlichen Wartungsarbeiten an der Gaspipeline „Nord Stream 1“ begonnen. Russlands Präsident Wladimir Putin will für russisches Erdgas nur den Rubel akzeptieren. Unmittelbar nach Bekanntgabe stieg der Rubel-Kurs wieder an. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bezeichnete Putins Wunsch als „Vertragsbruch“.

Als Zahlungsmittel seien Dollar und Euro vereinbart, heißt es im Vertrag. Bundeskanzler Olaf Scholz verweigerte die Zahlung in Rubel und verwies wie Habeck auf den Deal. „Das ist ja etwas, was dann auch gilt. Und da steht ja meistens Euro oder US-Dollar.“ Putins Forderung ist eine weitere Eskalation des Wirtschaftskrieges zwischen dem Westen und Russland. Es ist ungewiss ob die Energiezufuhr tatsächlich zum Erliegen kommt.

Nord Stream 1
Anfang der Woche kündigte der russische Gazprom-Konzern an, die Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 erneut deutlich zu drosseln. © Stefan Sauer/dpa

Russland: Finanzielles Interesse an Gaslieferungen

„Russland hat ein Interesse, seinerseits die Verträge zu bedienen, weil dort enorme Einnahmen dahinterstecken. Aber letztendlich kann man nicht in den Kopf von Herrn Putin reinschauen und deswegen denke ich, man tut schon gut daran, jetzt auch möglichst schon so weit, wie es geht, Vorsorge zu treffen“, sagte Energiewirtschaftsprofessor Dominik Möst von der TU Dresden dem MDR.

Laut Jörg Lingens, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mikroökonomik an der Uni Münster, könne „Kohle anstelle von Gas für die Stromerzeugung genutzt werden“. Deshalb wäre „ohnehin der Wegfall des Nord-Stream-1-Gases für die Stromproduktion auch deshalb weniger problematisch, da nur etwa 12 bis 13 Prozent des Erdgases verstromt wird.“

Experte: Gas aus Russland werde nicht dauerhaft abgedreht

Bei der „sogenannten Prozesswärme“ sei das jedoch viel schwieriger. „Ein Bäcker kann beispielsweise seinen gasbetriebenen Backofen nicht einfach mit einem anderen Energieträger speisen, ebenso wenig kann ein Haushalt die Gasheizung durch andere Energieträger ersetzen.“ Lingens geht jedoch nicht davon aus, dass Putin das Gas abdrehen werde: „Russland ist auf die Gaseinnahmen angewiesen.“

Lingens glaubt nicht, dass Putin das Gas dauerhaft abdrehen wird. Trotzdem ist er der Überzeugung, dass die Preise immens steigen werden, da Putin zuerst das Gas abdrehen könnte, um anschließend die Reaktionen zu beobachten. „Erkennt er hierzulande eine große Unruhe, wird er den Hahn wieder etwas aufdrehen und Gas liefern. Sein Kalkül wird dabei sein, dass die Menschen sich angesichts des Wunsches nach billigem Gas für einen Frieden in der Ukraine aussprechen und nach vorne blicken.“ (Ares Abasi)

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