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„Sie haben nicht den Mumm“: Habeck nennt Russlands Turbinen-Argument eine „Farce“

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Von: Katja Thorwarth

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Wirtschaftsminister Robert Habeck betont in den ARD-„Tagesthemen“ erneut den Ernst der Lage. Deutschland müsse zwingend den Gasverbrauch reduzieren.

Berlin – Russland hat erneut angekündigt, die Gaslieferungen durch die nach Deutschland führende Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 noch einmal drastisch zurückzufahren. Ab Mittwoch (06.00 Uhr MESZ) würde wegen der Wartung einer Turbine die Liefermenge auf nur noch 33 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag reduziert, teilte der Energiekonzern Gazprom am Montag im Online-Dienst Telegram mit.

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) reagierte am Montagabend auf die Ankündigung von Gazprom. Er betonte nochmals den Ernst der Lage: „Wir sind in einer ernsten Situation. Es wird auch Zeit, dass das alle verstehen“, sagte er am Montagabend in den ARD-„Tagesthemen“. Deutschland müsse den Gasverbrauch herunterbekommen. „Daran arbeiten wir.“ Die Maßnahmen müssten konsequent weiter umgesetzt werden. Das Land müsse zusammenstehen und sagen: „Ja, Putin hat das Gas, aber wir haben die Kraft.“

Gaslieferungen über Nord Stream 1: Robert Habeck bezeichnet Turbinen-Verweis als „Farce“

Nur sechs Tage nach der Wiederaufnahme der Gasversorgung aus Russland durch die Pipeline Nord Stream 1 soll die Liefermenge halbiert werden. Der russische Konzern Gazprom will die Gasmenge am 27. Juli von 40 Prozent auf 20 Prozent der maximalen Kapazität senken. Grund sei die Reparatur einer weiteren Turbine, hieß es. Grünen-Politiker Habeck bezeichnet den Verweis auf Turbinen als „Farce-Geschichten“, die einfach nicht stimmten. Es sei außerdem „immer wieder ärgerlich, dass Gazprom andere Gründe vorschiebt. Also, dass sie noch nicht Mal den Mumm haben zu sagen: Wir sind in einer wirtschaftskriegerischen Auseinandersetzung mit euch.“

Robert Habeck
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck äußerte sich im Interview mit den „Tagesthemen“ zu Nord Stream 1 und Gazprom. (Screenshot) © ARD

Habeck verwies darauf, dass Gas nachkomme – etwa aus den Niederlanden und aus Norwegen: „Jetzt hängt es davon ab, wie sparsam wir wirtschaften“, sagte er mit Blick auf mögliche Szenarien im Winter. Die Versorgung der Industrie würde bei einem Gasmangel reduziert werden, bevor private Haushalte oder geschützte Infrastrukturen wie Krankenhäuser Gasreduktionen erleiden müssten.

Robert Habeck: Gasverbrauch in Deutschland muss um 15 bis 20 Prozent sinken

„Das ist natürlich eine große Sorge, die ich auch teile, dass das passieren kann“, räumte er ein. Dann werde es bestimmte Produktionsketten in Deutschland oder in Europa nicht mehr geben. „Das gilt es, mit allen Kräften zu vermeiden.“ Der Gasverbrauch in Deutschland müsse entsprechend um 15 bis 20 Prozent sinken. (ktho/dpa)

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