Gift-Briefe an Politiker: Verdächtiger angeklagt

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Erhielt Post mit giftigem Inhalt: US-Präsident Obama.

Corinth/USA - Ein Mann aus Mississippi soll Gift-Briefe an Präsident Barack Obama und einen Senator geschickt haben. Die Briefe unterzeichnete er sogar mit den Anfangsbuchstaben seines Namens.

Er sah sich als Opfer einer Verschwörung, weil er dem illegalen Handel mit menschlichen Organen auf die Spur gekommen sei.

Ein Mann aus dem US-Staat Mississippi ist als mutmaßlicher Absender der Giftbriefe an US-Präsident Barack Obama und einen Senator angeklagt worden. Die Behörden nahmen den 45-Jährigen am Mittwoch in seinem Wohnhaus in Gewahrsam, wie die Bundespolizei FBI mitteilte. Der Verdächtige glaubte offenbar, er habe eine Verschwörung um den Handel mit menschlichen Organen aufgedeckt. Ob er deswegen die Briefe an die Politiker geschickt hat, ist aber noch unklar.

Der 45-jährige Verdächtige wurde wegen Drohungen gegen Präsident Obama und andere angeklagt, wie das US-Justizministerium am Donnerstag mitteilte. Der Mann wies die Anschuldigungen nach Angaben seiner Anwältin zurück und bezeichnete sich als unschuldig. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

In den Schreiben an Obama und den Senator Roger Wicker aus Mississippi wurde in ersten Untersuchungen die hochgiftige Substanz Rizin nachgewiesen. Ein Labortest habe den Fund in dem Brief an Wicker bestätigt, sagte der für die Sicherheit im Senat zuständige Beamte Terrance Gainer am Donnerstag.

Aufgegeben wurden die Schreiben am 8. April in Memphis im Staat Tennessee, unweit des Wohnortes des festgenommenen Mannes. Mehrere Polizeiwagen standen vor dem Haus des Festgenommenen, einem unauffälligen roten Ziegelbau in der Kleinstadt Corinth im Staat Mississippi. Zudem riegelte die Polizei einen Teil eines Grundstücks in dem Ort ab.

In einer Mitteilung des FBI, die der Nachrichtenagentur AP vorlag, heißt es, den Briefen sei ein Schreiben mit demselben Inhalt zugefügt worden. In beiden Briefen heißt es demnach: „Ein Unrecht zu sehen und es nicht aufzudecken, bedeutet, zu einem stillen Teilhaber an seinem Fortbestand zu werden.“ Der Autor bezeichnete sich selbst als „KC“. Dies entspricht den Initialen des Festgenommenen.

In mehreren Online-Beiträgen erklärte ein Autor mit dem Namen des Festgenommenen, er habe in einem lokalen Krankenhaus, wo er von 1998 bis 2000 arbeitete, einen Handel mit menschlichen Organen aufgedeckt. Die Verschwörung habe begonnen, als er in einer Leichenhalle der größten Gesundheitseinrichtung der USA auf einen mit Körperteilen und Organen gefüllten Kühlschrank gestoßen sei, schrieb er.

Daraufhin habe er Probleme bekommen. Etliche Gruppen bei Regierung, FBI und Polizei hätten versucht, sein Unternehmen und seinen Ruf zu ruinieren, hieß es in den Beiträgen weiter. Zudem habe es anhaltende Bemühungen gegeben, seine Karriere in der Countrymusik-Szene zu zerstören, an der er seit mehr als 20 Jahren gearbeitet habe. In einem weiteren Online-Beitrag schrieb der Festgenommene, er habe Briefe an Senator Wicker und andere Politiker geschrieben, jedoch nie eine Antwort erhalten.

Sein Cousin zeigte sich in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AP schockiert. Er beschrieb seinen Verwandten als talentierten Entertainer, der Elvis Presley und zahlreiche andere Sänger imitieren konnte. „Ich denke, niemand hatte auch nur eine Ahnung davon, was in seinem Kopf vorging“, fügte er hinzu. Zwar habe sein Cousin von seinen Problemen mit einer Putzfirma geschrieben und dass er sich von der Regierung schlecht behandelt fühle. „Aber ich würde nicht soweit gehen, ihn als Regierungsgegner zu bezeichnen“.

Die Behörden gingen am Mittwoch auch Berichten nach, wonach mindestens drei verdächtige Postsendungen in Büros des Senats in Washington gefunden wurden. Hier gab es jedoch später Entwarnung. Man habe keine gefährlichen Substanzen gefunden, sagte eine Polizei-Sprecherin.

Das FBI erklärte, derzeit gebe es keine Hinweise auf eine Verbindung zwischen den mutmaßlichen Gift-Briefen und den Bombenexplosionen in Boston am Montag. Die entdeckten Briefe erinnern an ähnliche Fälle im Jahr 2001. Nach den Terroranschlägen vom 11. September hatten damals Briefe mit Milzbrand-Bakterien an Politiker Angst und Schrecken verbreitet. Fünf Menschen starben. Ein vermuteter Zusammenhang mit den Anschlägen auf das World Trade Center konnte auch damals nicht bewiesen werden. Stattdessen wurde ein US-Wissenschaftler als Einzeltäter verdächtigt. Der Mann nahm sich schließlich das Leben.

AP

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