Nach Anschlägen in Boston

Tödliches Gift in Brief an Senator

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Ihn sollte das Gift erreichen: Senator Roger Wicker (m)

Washington - Kleinste Mengen des Giftes Ricin können einen Menschen töten. Nun wurde ein Brief mit der Substanz in einer Poststelle des US-Kongresses abgefangen - einen Tag nach dem Anschlag von Boston.

Nach dem Fund eines an einen US-Senator adressierten Briefs mit Gift haben Ermittler einen Verdächtigen im Visier. Der Umschlag mit dem hochgiftigen Rizin war bei einer Kontrolle in einem Postamt in Maryland nahe Washington abgefangen worden, bevor er das Hauptstadtbüro des Republikaners Roger Wicker aus dem Bundesstaat Mississippi erreichte. Schon wenig später hatte man einen Verdächtigen, wie die Senatorin Claire McCaskill erklärte. Der Brief sei von einer Person geschickt worden, die immer wieder an Abgeordnete schreibe.

Ob es bereits eine Festnahme gab, sagte sie nicht. Auch das FBI und die Kapitol-Polizei äußerten sich nicht zum Stand der Ermittlungen. Der Brief habe keinen Absender oder Markierungen außer einen Poststempel aus Memphis in Tennessee gehabt, sagte Ermittler Terrance Gainer. Allerdings wird ein Großteil des Briefverkehrs aus Nord-Mississippi in Memphis umgeschlagen, wie auch Briefe an Bewohner von West-Tennessee und Ost-Arkansas.

Rizin ist einer der giftigsten Eiweißstoffe

Auf weitere mögliche Briefe gab es bisher keine Hinweise. Rizin ist einer der giftigsten Eiweißstoffe, die in der Natur vorkommen. Schon geringste Mengen können einen Erwachsenen töten. Der Brief an Wicker konnte unschädlich gemacht werden, da er vom Personal umgehend ausgesondert wurde. „Unser Hauptanliegen ist jetzt die Sicherheit unserer Angestellten, unserer Kunden und der US-Post“, sagte eine Sprecherin des Postamts. Ob Angestellte der Substanz ausgesetzt waren, sagte sie nicht.

Wicker erklärte, er danke den Sicherheitsbehörden für ihre harte und sorgfältige Arbeit, die sicherstelle, dass die Beschäftigten im Kapitol sicher arbeiten könnten. Das FBI ermittelt.

Einen Tag nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon weckte der Brief Sorge vor einer neuen Terrorwelle in den USA. Im US-Kapitol fielen am Dienstag eine Reihe von Terminen wegen der Explosionen in Boston aus. Ein Zusammenhang zwischen den Explosionen und dem Brief wurde zunächst nicht hergestellt.

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Der Fall erinnert an das Jahr 2001. Nach den Terroranschlägen vom 11. September hatten damals Briefe mit Milzbrand-Bakterien an Politiker Angst und Schrecken verbreitet. Fünf Menschen starben. Ein vermuteter Zusammenhang mit den Anschlägen auf das World Trade Center konnte auch damals nicht bewiesen werden. Stattdessen wurde ein US-Wissenschaftler als Einzeltäter verdächtigt. Der Mann nahm sich schließlich das Leben.

dpa

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