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Gift in der Oder: Ursache für Fischsterben unklar – Polen setzt hohe Belohnung aus

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Von: Lucas Maier

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Seit mehreren Tagen kommt es in der Oder zu massivem Fischsterben. Jetzt wird davor gewarnt, dass sich die Umweltkatastrophe auf die Ostsee ausbreitet.

Frankfurt (Oder) – Massenhaftes Fischsterben in der Oder wirft weiter Rätsel auf. Erste Laboranalysen haben bisher noch zu keinem endgültigen Ergebnis geführt.

Tausende tote Fische beunruhigen seit Tagen die Menschen in Deutschland und Polen. Am Samstagabend (13. August) reist Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) an die Oder, um sich ein Bild von der Lage zu machen, berichtet die Deutsche Presse Agentur (dpa). Die Frau der Grünen wird dort freiwillige Helferinnen und Helfer treffen, die bei der Beseitigung der Fischkadaver helfen.

Polen zieht Konsequenzen aus Umweltkatastrophe: Zwei Beamte entlassen

„Tatsächlich wissen wir, dass diese Meldekette, die für solche Fälle vorgesehen ist, nicht funktioniert hat“, kritisierte das Umweltministerium erst am Freitag (12. August) den Umgang Polens mit der Katastrophe. Aufgrund des langsamen Umgangs mit der Situation sind in Polen zwei Spitzenbeamte am Freitag entlassen worden.

Tausende tote Fische in der Oder: Umweltkatastrophe könnte sich auf Ostsee ausbreiten.
Tausende tote Fische in der Oder: Umweltkatastrophe könnte sich auf Ostsee ausbreiten. © Patrick Pleul/dpa

„Ich teile die Ängste und die Empörung über die Vergiftung der Oder. Diese Situation konnte man auf keine Weise vorhersehen, aber die Reaktion der zuständigen Behörden hätte schneller kommen müssen“, schrieb der Regierungschef Polens, Mateusz Morawiecki, nach der Entlassung des Chefs der Wasserbehörde und des Leiters der Umweltbehörde auf Twitter.

Quelle unklar: Um den Verursacher zu finden hat Polen eine hohe Belohnung ausgesetzt

Bei der Suche nach der Ursache des Fischsterbens ist auf der deutschen Seite der Oder ein erhöhter Quecksilbergehalt festgestellt worden, wie die dpa berichtet. Die polnische Regierung sprach am Freitag davon, dass wohl riesige Mengen an chemischem Abfall in die Oder geschüttet worden sein müssen. „Die wichtigste Aufgabe ist es aber jetzt, den Täter, den Giftmischer zu finden“, sagte Morawiecki dazu.

Für die Ergreifung der Täter wurde am Samstag in Polen eine Prämie von umgerechnet 210.000 Euro ausgesetzt. Die Opposition in Polen forderte die Regierung auf, in den Ortschaften an der Oder den Ausnahmezustand in Folge der Naturkatastrophe auszurufen. Das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern warnte bereits am Freitag davor, dass sich das Fischsterben auf die Ostsee ausdehnen könnte.

Sterben in der Oder: In Polen müssten extreme Mengen in die Oder gelangt sein

Sollte das Quecksilber wirklich ein zentraler Auslöser für das Sterben von Tausenden Fischen in der Oder sein, müsste die Substanz in großen Mengen in den Fluss gelangt sein, sagte der Chemiker Wolf von Tümpling im Interview mit dem Spiegel.

Dafür müsste es einen richtig großen Industrieunfall oder eine gezielte Einleitung gegeben haben.

Chemiker Wolf von Tümpling im Interview mit dem Spiegel

Allerdings könnte, zumindest ein Teil des Giftstoffes, auch aus sogenannten Altlasten stammen, wie der Chemiker zu bedenken gibt. Durch Baggerarbeiten in der Oder könnten Ablagerungen, die aus quecksilberhaltigem Saatgut stammen, freigesetzt worden sein. Die Altlasten hält der Experte als alleinige Ursache allerdings für sehr unwahrscheinlich.

Polen hat wohl erste Ergebnisse: Quecksilber nicht der Auslöser

Die polnische Seite schließt Quecksilber mittlerweile als Ursache aus. Das hätten Untersuchungen von toten Fischen ergeben, wie die Regierung am Samstag laut der dpa mitteilte.

Am Freitag wies Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) daraufhin, dass sich in Deutschland noch Proben zur Untersuchung im Labor befänden. Hier würde auch dem Quecksilbergehalt auf den nachgegangen werden.

Dürre befeuert Katastrophe: Niedrig Wasser und hohe Temperatur könnten Sterben verstärken

Die aktuell extremen Wetterbedingungen könnten die Auswirkungen einer Verunreinigung noch verstärken. „Die heutigen Daten weisen auf multikausale Zusammenhänge hin, zu denen auch die derzeit sehr niedrigen Abflussmengen und hohen Wassertemperaturen gehören“, sagte Vogel zu ersten Auswertungen am Freitag.

Die bisher noch ungeklärte Kontaminierung nannte der Minister „eine tödliche Fracht“. Auf die Frage, ob Grundwasser oder Trinkwasser kontaminiert sein könnten, antwortete Vogel laut der dpa: „Das wollen wir nicht hoffen.“ In der Oder seien bislang „sehr stark erhöhte Salzfrachten“ festgestellt worden, so der Minister weiter. Um die endgültige Ursache für Umweltkatastrophe festzustellen, müssen weitere Laborergebnisse abgewartet werden. Es ist zu hoffen, dass Umweltminister Vogel mit seiner Hoffnung für das Trinkwasser recht behalten wird. (Lucas Maier)

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