Institut berät Regierung - und bekommt Millionen von Atom-Konzernen

Köln - Für Atom-Gegner ist es ein Skandal: Das renommierte EWI-Institut, das der Bundesregierung ein Gutachten zur Energieversorgung vorlegt, erhält von den Konzernen RWE und Eon Millionen.

Eine Sprecherin des Energiewissenschaftlichen Instituts bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der “Süddeutschen Zeitung“, dem zufolge RWE, Eon und das Land NRW über fünf Jahre je vier Millionen Euro geben. Es handle sich um eine “zweck-ungebundene Grundsatzförderung“, die den Konzernen “überhaupt keine“ Einflussnahme auf Arbeit und Ergebnis des Instituts ermögliche. Das der Universität Köln angegliederte EWI sei unabhängig.

Laufzeitverlängerung ist Teil des Gutachtens

Brisant ist, dass in dem Gutachten für die Bundesregierung - es geht um verschiedene Szenarien zur Zukunft der Energieversorgung - auch die derzeit heftig umstrittene Laufzeitverlängerung von Atommeilern vorkommt. EWI-Sprecherin Barbara Minderjahn sagte der Nachrichtenagentur dpa, in den gemeinsam von EWI, Prognos und dem Wirtschaftsforschungsunternehmen GWS erarbeiteten “Energieszenarien“ werde bewertet, wie sich eine Laufzeitverlängerung volkswirtschaftlich auswirkt. Eon und RWE betreiben Atomkraftwerke.

Institut: "Kein Interessenkonflikt"

Das EWI sieht nach eigenen Angaben dennoch keinen Konflikt. Minderjahn sagte, die Bundesregierung wisse seit langem von den Fördermitteln der Konzerne, die in der Wissenschaft gängig seien. Die Arbeit des Kölner Instituts belege seine Unabhängigkeit, so etwa eine Studie zur negativen Entwicklung der Strompreise.

Im siebenköpfigen EWI-Verwaltungsbeirat sitze zwar je ein Vertreter von RWE, Eon und Nordrhein-Westfalen. Die Mehrheit habe aber die Wissenschaftsseite. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte in dem Zeitungsbericht: “Da haben sich die Atomkonzerne ihre Lizenz zur Laufzeitverlängerung selbst ausgestellt.“

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