Iran im Atomstreit unnachgiebig: Notfalls Krieg

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Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad

Teheran -Der Westen könne lange nach dem Atombombenprogramm suchen, denn das gebe es schlicht nicht, heißt es aus dem Iran. Und wenn der Westen deshalb einen Krieg anzetteln wolle, könne er den haben.

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„Ich sage die Kuh ist ein Ochse, der andere sagt, ich will trotzdem Milch.“ Mit diesem persischen Sprichwort versucht ein iranischer Politologe, der seinen Namen aus Sicherheitsgründen nicht nennen will, den sich immer weiter hoch schaukelnden Atomstreit mit dem Westen auf eine einfache Formel zu bringen. Die Führung in Teheran wiederholt gebetsmühlenartig, ihr Atomprogramm diene nur friedlichen Zwecken und ein geheimes Waffenprogramm sei ein reines Fantasieprodukt. Der Westen aber beharre auf seiner Forderung: Zeigt, wo ihr die Atombombe baut. „Das geht jetzt schon seit mehr als zehn Jahren so, und bisher hat keine der beiden Seiten ihre Behauptung beweisen können“, meint der Politologe. Jetzt ist wieder mal eine IAEA-Kommission im Iran. Aber die Fachleute unter Leitung von Chefinspektor Herman Nackaerts führen nur Gespräche, die Suche nach Hinweisen auf ein Atombombenprogramm steht nicht auf dem Terminplan.

Das iranische Waffenarsenal

Das iranische Waffenarsenal

Eine baldige Beilegung der Krise gilt in Teheran deshalb derzeit als ausgeschlossen. Stattdessen gefällt sich der Mullah-Staat in der Opferrolle und macht sich auf das Schlimmste gefasst. Trotzig heißt es, Zugeständnisse werde es nicht geben, auch wenn das dann eben Krieg bedeuten sollte. Zugleich aber sind in Teheran wohl doch noch nicht alle Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung verflogen. „Wir haben nichts zu verbergen, wie oft sollen wir euch (Weltmächten) das noch sagen?“, fragt Präsident Mahmud Ahmadinedschad.

Aber der Westen misstraut den Unschuldsbeteuerungen. Das liegt nicht nur an dem als Geheimniskrämerei empfundenen Verhalten der Iraner, sondern auch an den Feststellungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien. Die war im vergangenen November zu dem Schluss gekommen, dass der Iran sehr wohl mit der Entwicklung von Atomwaffen beschäftigt war. In ihrem Bericht fassten die Nuklearwächter alle ihnen vorliegenden Informationen zu Tests, Projekten und der Organisation des vermuteten geheimen iranischen Atomwaffenprogramms zusammen. „Die Informationen weisen darauf hin, dass der Iran Arbeiten zur Entwicklung eines nuklearen Sprengkörpers durchgeführt hat“, schrieb IAEA-Chef Yukiya Amano.

Streit hat Auswirkungen auf iranische Bürger

Der Iran ist sich bewusst, dass es dem Westen und vor allem Israel jetzt langsam ernst ist. Auch ein Krieg ist in Teheran denkbar, zumindest in Form von Angriffen auf iranische Atomanlagen, mit denen Israel schon gedroht hat. „Wir sind auf das schlimmste Szenario vorbereitet“, sagte der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi. Der Iran versucht in dieser Situation zugleich Stärke und Dialogbereitschaft zu demonstrieren. Das Ölministerium stoppt Lieferungen an Frankreich und Großbritannien, die aber ohnehin kaum noch Öl aus dem Iran bezogen. Zugleich versucht es Chefdiplomat Salehi mit einem Kuschelkurs und sagt, ausgezeichnete und spannungsfreie Beziehungen zur EU seien für den Iran von hoher Priorität.

Die Sanktionen seitens der USA und der EU zeigen jedoch schon Wirkung. „Aber nicht auf die Regierung, sondern auf die Menschen“, sagt ein iranischer Journalist. Die Sanktionen haben den Wert der nationalen Währung Rial stark geschwächt, und das spüren die Menschen bei ihren Einkäufen vor dem persischen Neujahr (21. März) schmerzhaft. „Die kleinen Leute müssen für die Spielchen der Großen bezahlen“, klagt der Bankangestellte Dschawad, der viele der Neujahrsgeschenke von der Liste streichen musste. Auch seine Frau ist von dem jahrelangen Atomstreit genervt, auch von der IAEA, die ihrer Auffassung nach endlich Klartext reden sollte und nicht nur Vermutungen in den Raum zu stellen. „Ich bin gegen Krieg, aber vielleicht ist das die einzige Möglichkeit, diesen Streit zu beenden.“

dpa

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