Green Deal

EU-Klimapaket: Benzin, Reisen, Heizen – das wird für Verbraucher jetzt teurer

Das Klimapaket der EU soll den Klimawandel stoppen. Für Verbraucher bedeuten die Maßnahmen, dass einige Kosten steigen werden.

Kassel - Die Europäische Union hat sich hohe Ziele für den Schutz des Klimas gesetzt. Mitte Juli hat die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, den Entwurf für das neue Klimaschutzgesetz vorgestellt. Es sieht eine Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent vor. Bis 2050 soll die EU klimaneutral werden.

Um das zu erreichen, sieht das EU-Gesetzespaket „Fit for 55“ eine Reihe von Maßnahmen vor, die sich direkt auf Bürger und Verbraucher auswirken werden. Beschlossen ist der europäische Green Deal zwar noch nicht, doch die Vorschläge der Europäischen Union zum Klimaschutz sind weitreichend. Sie werden nun zwischen den EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament verhandelt. Was der europäische Green Deal für Verbraucher bedeutet im Überblick:

Das neue Klimapaket der EU wird sich auf den Benzinpreis auswirken.

Auswirkungen des EU Green Deal: Was bedeutet das Klimapaket für Verbraucher?

Grundsätzlich ist das Ziel des Klimapakets die Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Dazu wird dem CO2-Ausstoß ein Preisschild verpasst. Der Emissionshandel ist dabei seit 2005 ein wichtiger Eckpfeiler der EU-Politik. Mit dem neuen Klimapaket soll der Emissionshandel nun auf viele bislang nicht betroffene Bereiche ausgeweitet werden.

Die EU-Kommission schlägt unter anderem vor, Teile des Seeverkehrs mit in den Emissionshandel einzubeziehen. Zudem soll ein eigenes Emissionshandelssystem für die im Straßenverkehr und zum Heizen von Gebäuden genutzten Brennstoffe geschaffen werden. Auch die Menge der verfügbaren Verschmutzungszertifikate soll schneller verkleinert werden als geplant. Dadurch soll der Treibhausgasausstoß in den betroffenen Bereichen um 61 Prozent bis 2030 verglichen mit 2005 sinken. Das sind 18 Prozentpunkte mehr als zuvor.

Klimapaket der EU: Was sich beim Auto ändern soll

Der Verkehr ist der einzige wichtige Sektor in der EU, in dem in den vergangenen Jahrzehnten kein signifikanter Rückgang der Treibhausgasemissionen verzeichnet wurde. Das neue Klimapaket sieht daher weitreichende Änderungen vor, die sich auch auf Verbraucher auswirken werden.

Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß von Neuwagen um 55 Prozent niedriger sein als 2021. Bisher war eine Verringerung von 37,5 Prozent angestrebt. Ab 2035 sollen laut dem EU-Vorschlag alle Neuwagen emissionsfrei sein. Die Vorschläge sind wie ein Verbrenner-Aus durch die Hintertür. Die Produktion klassischer Benziner und Diesel wird in Europa durch die hohen Klimaziele auch ohne ein Verbot mittelfristig faktisch auslaufen.

Wird Benzin teurer? So wirkt sich das EU-Klimapaket auf Autofahrer aus

Auch beim Benzinpreis werden Autofahrer den europäischen Green Deal merken. Denn der Emissionshandel soll ab 2026 auch im Individualverkehr greifen. Für CO2-Emissionen durch Benzin oder Diesel fallen dann ebenfalls Kosten an. In Deutschland verteuert die CO2-Abgabe seit Anfang des Jahres den Sprit* bereits merklich, bei Diesel um 8 und bei Benzin um 7 Cent pro Liter.

Die Umsetzung des EU-Konzepts könnte den Betrieb von Verbrennerautos für Verbraucher noch kostspieliger machen – ein Problem vor allem für Geringverdiener und Menschen auf dem Land. Man plane auch eine „Unterstützung für die verletzlichsten Haushalte“, sagte der EU-Kommissionsvize Frans Timmermans.

EU-Klimapaket: Wird Heizen teurer?

Auch das Heizen wird durch den C02-Aufschlag teurer. Denn für zum Heizen von Gebäuden genutzten Brennstoffe soll ab 2026 ebenfalls ein eigener Emissionshandel eingeführt werden. Dementsprechend werden auch die Kosten für Heizöl steigen.

Zudem soll der Anteil erneuerbarer Energien deutlich erhöht werden – von 32 auf 40 Prozent. Der Energieverbrauch soll gleichzeitig verringert werden, die Energieeffizienz soll von 32,5 auf 36 Prozent steigen.

Auswirkungen aufs Reisen – Flüge und Kreuzfahrten werden teurer

Auf Reisekosten wird der Emissionshandel ebenfalls einen Einfluss haben. Künftig sollen auch im Luftverkehr und in der Schifffahrt für genutzte Treibstoffe Energiesteuern fällig werden. Das EU-Klimapaket sieht zudem vor, die kostenlosen Emissionszertifikate für den Luftverkehr schrittweise abzuschaffen. Für die Schifffahrt will die EU ab 2023 den Emissionshandel einführen. Kreuzfahrten und Flüge könnten für Verbraucher also bereits in absehbarer Zeit teurer werden.

CO2-Preis für importierte Produkte – Strom, Eisen und Düngemittel werden teurer

Neben der Ausweitung des Emissionshandels will die EU mit dem CO2-Grenzausgleich einen CO2-Preis für importierte Produkte einführen. Damit will die EU-Kommission dafür sorgen, dass vergleichsweise klimaschädlich produzierte Produkte aus Drittstaaten in der EU künftig keine Wettbewerbsvorteile mehr haben.

Der anfallende CO2-Preis richtet sich danach, wie viele Treibhausgase bei der Produktion entstehen und ob dafür im Ausland bereits gezahlt wurde. So könnten Waren aus Nicht-EU-Ländern mit weniger strengen Klimaschutzauflagen deutlich teurer werden. Für Strom und Güter wie Eisen, Stahl, Aluminium, Zement oder Düngemittel müssen dann bei der Einfuhr sogenannte CO2-Zertifikate gekauft werden. (sne mit dpa) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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