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200.000 Kinder aus Ukraine nach Russland „deportiert“? US-Hinweise auf „skrupelloses“ Verhalten

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Von: Bedrettin Bölükbasi, Cindy Boden, Katharina Haase, Franziska Schwarz

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Odessa ist im Ukraine-Krieg Ziel der russischen Angriffe. Im Stahlwerk in Mariupol sollen noch immer Zivilisten eingesperrt sein. Der News-Ticker.

Update vom 10. Mai, 12.30 Uhr: Im Ukraine-Krieg gingen die militärischen Angriffe Russlands in den vergangenen Tagen weiter. Gemeldet wurden unter anderem ein Raketenangriff auf eine Schule in Luhansk sowie Explosionen in Odessa, unter anderem in einem Einkaufszentrum. Ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj warnte vor einem neuen Angriff der russischen Truppen auf die Hauptstadt Kiew. Das US-Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass Ukrainer von russischen Truppen gewaltsam nach Russland gebracht werden. Aktuelle Entwicklungen zur militärischen Lage im Ukraine-Krieg lesen Sie in unserem News-Ticker.

Update 10. Mai, 9.07 Uhr: Im Osten und im Süden der Ukraine haben sich die Kämpfe am Dienstag nach ukrainischen Angaben verstärkt. Im Donbass bereiteten sich die russischen Truppen im Ukraine-Krieg auf Vorstöße in den Regionen Lyman und Sewerodonezk vor, teilte der ukrainische Generalstab mit. Das Asow-Stahlwerk in der südukrainischen Hafenstadt Mariupol werde weiter mit Artillerie und aus der Luft angegriffen.

In der östlichen Region Luhansk gebe es sehr heftige Kämpfe rund um Rubischne und Bilohoriwka, sagte der Gouverneur Serhij Gajdaj am Freitag.

Journalisten der Nachrichtenagentur AFP sahen zahlreiche Lkw mit Soldaten und schwerer Ausrüstung, die aus der Stadt Sewerodonezk herausfuhren, einer der letzten östlichen ukrainischen Bastionen. Dies könnte auf einen Rückzug der ukrainischen Truppen aus Teilen des Frontgebiets hindeuten.

200.000 Kinder aus Ukraine nach Russland „deportiert“? US-Hinweise auf „skrupelloses“ Verhalten

Update 10. Mai, 7.05 Uhr: Das US-Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass Ukrainer von russischen Truppen gewaltsam nach Russland gebracht werden. „Ich kann nicht sagen, wie viele Lager es gibt oder wie sie aussehen“, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Montag. „Aber wir haben Hinweise darauf, dass Ukrainer gegen ihren Willen nach Russland gebracht werden“, sagte Kirby. Er nannte dieses Verhalten „skrupellos“.

Laut der Menschenrechtsbeauftragten des ukrainischen Parlaments, Ljudmila Denissowa, wurden seit Kriegsbeginn „mehr als 1,19 Millionen unserer Bürger, darunter mehr als 200.000 Kinder, in die Russische Föderation deportiert“. Die Angaben lassen sich nicht von unabhängiger Seite verifizieren.

Laut den jüngsten UN-Schätzungen sind mittlerweile mehr als 5,4 Millionen Ukrainer - vor allem Frauen und Kinder - aus dem Land geflohen. Dazu kommen demnach 7,7 Millionen Binnenflüchtlinge.

Update vom 10. Mai, 6.30 Uhr: Bei russischen Raketenangriffen auf die ukrainische Hafenstadt Odessa sind in der Nacht zum Dienstag mindestens ein Mensch getötet und fünf weitere verletzt worden. Das berichtete die Agentur Unian unter Berufung auf die örtliche Militärführung. „Der Feind hält seinen psychologischen Druck aufrecht und setzt seine hysterischen Attacken gegen friedliche Zivilisten und die zivile Infrastruktur fort“, hieß es.

Ukraine-Krieg: Zahlreiche Explosionen in Odessa - „touristische Objekte“ getroffen

Die Stadt wurde am Abend von zahlreichen Explosionen erschüttert. Nach Medienberichten wurden unter anderem ein Einkaufszentrum und ein Warenlager getroffen. Kurz zuvor hatte die russische Luftwaffe nach Darstellung des ukrainischen Militärs mehrere Hyperschallraketen vom Typ Kinschal auf Odessa abgefeuert. Dabei seien „touristische Objekte“ getroffen und mindestens fünf Gebäude zerstört worden, berichtete die „Ukrajinska Prawda“.

Die Hafenstadt im Süden der Ukraine ist seit Sonntagabend Ziel verstärkter russischer Raketenangriffe. Am Montagnachmittag schlugen während eines Besuchs von EU-Ratspräsident Charles Michel mehrere Raketen in der Region ein. Michel und der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal mussten deswegen Schutz suchen. Damit zeige Russland seine wahre Haltung gegenüber Europa, kommentierte am Abend Präsident Selenskyj.

Ukraine-Krieg: Angeblich noch Zivilisten im Werk Azovstal in Mariupol

Entgegen Berichten über die vollständige Evakuierung aller Zivilisten aus dem von russischen Truppen belagerten Werk Azovstal in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol sollen sich dort immer noch rund 100 Zivilpersonen aufhalten. Zudem hielten sich immer noch rund 100 000 Menschen in der schwer zerstörten Stadt auf, sagte der regionale Verwaltungschef Pawlo Kyrylenko am Montagabend. „Schwer zu sagen, wer von ihnen die Stadt verlassen will“, wurde er von der „Ukrajinska Prawda“ zitiert.

Ukrainische Truppen haben sich im Stahlwerk verschanzt, der letzten Bastion in Mariupol. In den vergangenen Tagen wurden von dort mit Hilfe der Vereinten Nationen und des Roten Kreuzes mehrere hundert Frauen, Kinder und ältere Menschen evakuiert. Die Verteidiger von Azovstal wollten aber nicht ausschließen, dass sich noch Zivilisten in einigen Kellern des weitläufigen Geländes aufhielten.

Update vom 9. Mai, 23.45 Uhr: Warum droht der russische Präsident Wladimir Putin im Ukraine-Krieg mit dem Einsatz von Atomwaffen? Meint es der Moskau-Machthaber ernst damit? Eine Militärexpertin ordnet bei „Hart aber fair“ in der ARD ein.

Update vom 9. Mai, 23.15 Uhr: Die südukrainische Stadt Odessa wurde an diesem Montagabend offenbar zum zweiten Mal mit einem Raketen-Luftschlag angegriffen. Das berichtet das Online-Medium The Kyiv Independent am späten Abend.

„Infolge des Angriffs brach in einem Einkaufszentrum ein Feuer aus. Am 9. Mai zuvor wurden sowohl Odessa als auch andere Orte im Oblast Odessa von russischen Raketen getroffen“, heißt es in einem Tweet des ukrainischen Medienprojekts, das sich in der Regel auf den ukrainischen Generalstab beruft. Über mögliche Opferzahlen war zu diesem Zeitpunkt noch nichts bekannt.

Ukraine-Krieg: Russland bombardiert offenbar Odessa mit Raketen

Update vom 9. Mai, 21.45 Uhr: Drei russische Raketen schlugen an diesem Mittwoch im Oblast Odessa in der Südukraine ein. Das berichtet das ukrainische Medienprojekt The Kyiv Independent unter Berufung auf das südliche Operationskommando des ukrainischen Militärs.

Ein russischer Tu-22-Bomber habe demnach Kinschal-Hyperschall-Raketen abgeschossen, die fünf Gebäude in der Region zerstört hätten. Zwei Personen sollen dabei verletzt worden sein.

Ukraine-Krieg: Russische Truppen in Region Charkiw offenbar weit zurückgeschlagen

Update vom 9. Mai, 20.15 Uhr: Im Osten der Ukraine versuchen die russischen Streitkräfte weiter, die Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk einzukreisen. Im Westen von Lyssytschansk seien drei Schwimmbrücken über einen Fluss errichtet worden, sagte der Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Olexander Motusjanyk, am Montag in Kiew. Dort werde intensiv Artillerie eingesetzt und aus der Luft bombardiert.

Dem Gouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, zufolge besteht die Gefahr, dass eine Straßenverbindung zwischen Lyssytschansk und Bachmut durch die Russen gekappt werde. Parallel dazu gebe es schwere Gefechte bei russischen Vorstößen südlich von Isjum in Richtung Slowjansk sowie bei Awdijiwka im Donezker Gebiet. Die auf dem Gelände des Stahlwerks Azovstal in Mariupol eingeschlossenen ukrainischen Soldaten würden weiter mittels Artillerie und Panzern beschossen.

Nördlich der ostukrainischen Metropole Charkiw versuchten ukrainische Truppen hingegen, in Richtung russischer Grenze vorzustoßen, hieß es aus Kiew. Kürzlich hatten die Ukrainer dort mehrere Ortschaften befreien können. Die ukrainischen Streitkräfte hatten von massenhaften Verlusten der russischen Seite in der Region Charkiw berichtet.

Martialisch: ein ukrainischer Soldat an einem Kontrollpunkt bei Charkiw.
Martialisch: ein ukrainischer Soldat an einem Kontrollpunkt bei Charkiw. © IMAGO / NurPhoto

Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. In verschiedenen Medienberichten war die Rede davon, das ukrainische Militär habe nach dem Rückzug der Invasionstruppen in der Region Charkiw die Leichen Hunderter toter russischer Soldaten gefunden. So erklärt etwa ein ukrainischer Soldat im Gespräch mit dem „heute journal“ des ZDF, dass er und seine Einheit etwa 40 Leichen russischer Soldaten in Eisenbahnwagons gebracht hätten. In dem Beitrag waren auch Videosequenzen zu sehen, wie mutmaßlich tote russische Soldaten geborgen werden.

Ukraine-Krieg: Wie viele russische Soldaten sind in Transnistrien stationiert?

Update vom 9. Mai, 19.15 Uhr: UN-Generalsekretär António Guterres hat bei einem Besuch Moldawiens (rund 2,6 Millionen Einwohner) von allen UN-Mitgliedern gefordert, die Integrität, Souveränität und Unabhängigkeit der Republik Moldau zu respektieren. Russland ist nach wie vor Teil der Vereinten Nationen (UN).

In Moldawien gibt es direkt an der Grenze zur Ukraine die abtrünnige Region Transnistrien, die international nicht anerkannt wird und in der ein prorussisches Regime an der Macht ist. Dort leben nicht nur 500.000 Menschen, sondern auch die 14. russische Gardearmee ist im Norden von Transnistrien stationiert. Frühere Schätzungen gingen von 1200 bis 1500 russischen Soldaten aus. Wie viele Truppen Moskaus dort aber tatsächlich stationiert sind, lässt sich nicht unabhängig überprüfen.

Russland-Ukraine-Krieg: Offenbar wieder Leichen ukrainischer Zivilisten gefunden

Update vom 9. Mai, 17.15 Uhr: Nahe Kiew sind offenbar Leichen von ukrainischen Zivilisten gefunden worden. Das teilte die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft am Montagnachmittag mit. Im Ort Makariw in der Oblast Kiew seien drei tote Menschen gefunden worden. Es handle sich um drei Männer, die von russischen Truppen getötet worden sein sollen.

Der Kyiv Independent zitiert die Generalstaatsanwaltschaft wie folgt: „Nach vorläufigen Informationen schossen russische Soldaten den drei Männern während der Besetzung der Stadt in den Kopf.“ Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Das Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Von russischer Seite gab es zunächst keine Äußerungen zu dem mutmaßlichen Kriegsverbrechen. Moskau meldete am Tag der Militärparade derweil insgesamt 200 Angriffe auf die Ukraine in den vergangenen Stunden. 350 ukrainische Soldaten seien getötet worden (siehe vorheriges Update). Auch diese Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Die Spuren des Ukraine-Kriegs in der Nähe von Kiew: Eine zerstörte Straße in Makariw.
Die Spuren des Ukraine-Kriegs in der Nähe von Kiew: Eine zerstörte Straße in Makariw. © Valeria Ferraro/Imago

Ukraine-Krieg: Russland meldet 200 Angriffe mit 350 Toten

Update vom 9. Mai, 12.50 Uhr: Kurz nach der Rede von Kremlchef Wladimir Putin auf dem Roten Platz in Moskau hat Russlands Verteidigungsministerium von mehr als 200 Angriffe auf die Ukraine in den vergangenen Stunden berichtet. Mit Raketen und Artillerie seien unter anderem Kommandoposten und Lager mit militärischer Ausrüstung beschossen worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Montagmittag in der Hauptstadt. Bei den Angriffen seien insgesamt 350 ukrainische Soldaten getötet worden, sagte er weiter. Diese Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Konaschenkow sprach darüber hinaus von der Zerstörung eines Flugabwehrraketensystems vom Typ S-300 im ostukrainischen Gebiet Charkiw. Die Schwarzmeer-Region Odessa sei mit Raketen beschossen worden.

Ukraine-Russland-News: Putin spricht bei Militärparade am 9. Mai von Verlusten

Update vom 9. Mai, 11.30 Uhr: Russlands Präsident Wladimir Putin hat bei der großen Militärparade in Moskau Verluste seiner Truppen beim Angriff auf die Ukraine eingeräumt und den Angehörigen materielle Hilfe versprochen. „Der Tod eines jeden Soldaten und Offiziers bedeutet Leid und unwiederbringlichen Verlust für die Verwandten und Liebsten“, sagte Putin am Montag. „Der Staat, die Regionen, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen tun alles, um diesen Familien Fürsorge zukommen zu lassen und ihnen zu helfen“, sagte Putin auf dem Roten Platz.

An der Parade zum 77. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland nahmen nach Angaben von Putin auch Soldaten teil, die im Donbass in der Ostukraine kämpfen. Dort streben prorussische Separatisten mit militärischer Hilfe Moskaus die Kontrolle über die Regionen Luhansk und Donezk an. Westliche Militärbeobachter gehen davon aus, dass Tausende russische Soldaten in dem Krieg bisher getötet wurden. Nach offiziellen Angaben Moskaus sind es bislang 1351 getötete russische Soldaten.

Besondere Hilfe werde den Kindern der Gefallenen und Verwundeten geleistet, sagte Putin. „Ein entsprechendes Präsidentendekret wurde heute unterzeichnet.“ Eine Maßnahme ist eine Quotenregelung. Demnach haben Kinder von Soldaten, die in der Ukraine gekämpft haben, Anspruch auf zehn Prozent der Studienplätze an staatlichen Hochschulen. Sie müssen dabei keine Aufnahmeprüfung an der Universität ablegen. Kadetten- und Militärschulen sind ebenfalls angehalten, solche Kinder ohne Prüfung aufzunehmen.

Ukraine-Krieg: Kiew meldet 51 getötete russische Soldaten - Selenskyj-Berater warnt vor Angriff auf Hauptstadt

Update vom 9. Mai, 10 Uhr: Kremlchef Wladimir Putin hat bei der Militärparade in Moskau den Einsatz der russischen Streitkräfte in der Ukraine gewürdigt. Die Soldaten kämpften im Donbass in der Ostukraine für die Sicherheit Russlands, sagte Putin am Montag auf dem Roten Platz in Moskau. Die Ukraine habe sich aufgerüstet mit Waffen der Nato und so eine Gefahr dargestellt für das Land, so die russische Propaganda.

Update vom 9. Mai, 6.15 Uhr: Die Kämpfe in verschiedenen Teilen der Ukraine gehen weiter. Im Süden gab das ukrainische Militär an, am Sonntag 51 russische Soldaten getötet sowie zwei Raketenwerfer und einen Hubschrauber zerstört zu haben. Die ukrainische Luftabwehr schoss nach eigenen Angaben fünf unbemannte Flugapparate und drei russische Marschflugkörper ab. Die Informationen konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Außerdem warnte ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor einem neuen Angriff der russischen Truppen auf die Hauptstadt Kiew, wenn der Westen die Waffenlieferungen an sein Land nicht beschleunige. Dies könne Russland Zeit für eine Mobilmachung und eine erneute Offensive auf Kiew und andere Städte im Norden der Ukraine lassen, argumentierte Präsidenten-Berater Olexij Arestowytsch in einem Videointerview. Russland hatte seine Truppen nach dem Scheitern eines Versuchs, Kiew einzunehmen, von der ukrainischen Hauptstadt abgezogen und konzentriert sich nun stattdessen auf den Osten des Landes. Angesichts der hohen Verluste halten Experten zumindest eine teilweise Mobilmachung für möglich, der Kreml wies das bisher zurück. Eine Rede des russischen Präsidenten bei der traditionellen Militärparade zum 9. Mai wird mit Spannung erwartet.

Ukraine-Krieg: Bombenabwurf auf Schule - Selenskyj bestätigt Tod mehrerer Zivilisten

Update vom 8. Mai, 23.00 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Tod von 60 Zivilisten bei einem russischen Bombenabwurf auf eine Schule in Bilogoriwka im Osten der Ukraine bestätigt, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. In dem Schulgebäude hatten ukrainischen Behörden zufolge 90 Personen Schutz gesucht.

Reaktionen aus Deutschland auf den Ukraine-Krieg lesen Sie in diesem News-Ticker.

Ukraine-Krieg: Mächtige Verluste Russlands um Schlangeninsel - ukrainische Drohnen schlagen zu

Update vom 8. Mai, 17.20 Uhr: Die militärische Situation um die Schlangeninsel im Schwarzen Meer wird für russische Truppen immer düsterer. Zu Beginn der von Wladimir Putin angeordneten Invasion der Ukraine konnte die russische Marine die strategisch wichtige Insel zwar relativ leicht einnehmen, doch besonders in den letzten Tagen setzt die ukrainische Luftwaffe den russischen Truppen auf der Insel mächtig zu. In den vergangenen Tagen zerstörten ukrainische Bayraktar TB2-Drohnen nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew zwei russische Patrouillenboote des Typs „Raptor“ sowie ein Landungsschiff des Typs „Serna“. Bei der Zerstörung des Landungsschiffes seien auch zwei „Tor“-Luftabwehrsysteme ausgeschaltet worden, hieß es. Die Behauptungen wurden mit Aufnahmen der Drohnenkamera untermauert.

Darüber hinaus veröffentlichte die Ukraine Aufnahmen von Drohnenangriffen gegen russische Positionen und Kommandozentralen in der Nähe des Leuchtturms der Insel. Auch heute setzte die ukrainische Armee Luftschläge gegen russische Truppen auf der Schlangeninsel fort. Die ukrainische Marine veröffentlichte etwa Aufnahmen der Zerstörung von zwei weiteren Patrouillenbooten des Typs „Raptor“. Darüber hinaus teilte das Operationale Südkommando der ukrainischen Streitkräfte die Zerstörung eines russischen Transporthelikopters auf der Insel mit. Der Helikopter sei dabei gewesen, neue Truppen auf die Insel zu verlegen. Auch dazu wurden Aufnahmen veröffentlicht.

Mit den Schlägen der ukrainischen Armee hat das russische Militär somit innerhalb weniger Tage mehrere Patrouillenboote, Luftverteidigungssysteme, ein Landungsschiff sowie ein Helikopter verloren. Die ukrainische Armee hat diese Verluste der russischen Truppen visuell bestätigt. Auch von Planet Labs aufgenommene aktuelle Satellitenbilder der Insel scheinen die schweren Angriffe auf russische Stellungen und die Zerstörung zu bestätigen.

Ukraine-Krieg: Lageberichte legen schwere Kämpfe um strategische Schlangeninsel nahe

Update vom 8. Mai, 14.58 Uhr: Das russische Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht mehrere Flugzeuge und Hubschrauber über der ukrainischen Schlangeninsel abgeschossen. „Während der Nacht haben russische Luftabwehreinheiten über der Schlangeninsel zwei weitere ukrainische Bomber vom Typ Su-24 und einen Hubschrauber vom Typ Mi-24 vernichtet und vor der Stadt Odessa eine Bayraktar-Drohne abgeschossen“, teilte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Sonntag mit. Darüber hinaus sei eine ukrainische Korvette versenkt worden. Die Angaben sind schwer unabhängig zu prüfen.

Meldungen beider Seiten zeugen von heftigen Kämpfen um das strategisch wichtige Eiland, das 35 Kilometer von der Küste entfernt direkt vor dem Donaudelta im Gebiet Odessa gelegen ist. Die russischen Streitkräfte hatten gleich zu Beginn des Krieges den ukrainischen Stützpunkt dort eingenommen, dessen Funkspruch an ein russisches Kriegsschiff weltweit berühmt wurde. In dem Gebiet soll aber später auch das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, der Panzerkreuzer „Moskwa“, nach ukrainischem Beschuss gesunken sein.

CIA-Chef urteilt im Ukraine-Krieg über Putins Gemütszustand

Update vom 8. Mai, 10.05 Uhr: Russlands Invasion in die Ukraine prägt dieses Jahr den Jahrestag des Weltkriegsendes: Präsident Wladimir Putin versucht, die Erinnerung für seine Expansionsziele zu missbrauchen. Ein CIA-Experte präsentierte nun diese Einschätzung zu Putins aktueller Gemütsverfassung (Artikel hinter dem Link).

Ukraine-Krieg-News: Luftangriff auf Schule – etliche Tote befürchtet

Erstmeldung vom 8. Mai: Kiew - In der Nacht auf Sonntag gab es in weiten Teile des Landes Luftalarm. Aus den Städten Odessa und Mykolajiw im Süden wurden Explosionen gemeldet.

Nach einem russischen Luftangriff auf eine Schule im Gebiet Luhansk sprechen die ukrainischen Behörden von möglicherweise bis zu 60 Toten. Nach einem Luftschlag auf die Schule in Bilogoriwka seien bisher zwei Leichen geborgen worden, teilte der Gouverneur der Region Serhij Hajdaj am Sonntag auf seinem Telegram-Kanal mit. „Wahrscheinlich sind alle 60 Menschen, die noch unter den Trümmern des Gebäudes liegen, tot“, fügte er hinzu.

Der Luftangriff ereignete sich seinen Angaben nach bereits am Samstagnachmittag. In dem Schulgebäude hatten 90 Personen vor den Angriffen Schutz gesucht. Durch den Bombenabwurf brach ein Feuer in der Schule aus und das Gebäude stürzte zusammen. 30 Menschen konnten die Einsatzkräfte retten - 7 davon waren verletzt, so der Gouverneur.

Bilogoriwka ist eine städtische Siedlung etwa zehn Kilometer westlich von Lyssytschansk. Die Ortschaft ist schwer umkämpft.

Ukraine-Krieg-News: Dramatische Lage in Azovstal

In einer Feuerpause im Kampf um Azovstal am Samstag gelang es nach übereinstimmenden ukrainischen und russischen Angaben, die letzten Zivilisten aus ihren Verstecken zu bergen. Für die verbleibenden Soldaten ist die Lage aber verzweifelt.

Ukraine-Krieg: Rauch steigt über einer Stadt in Donezk auf, im Vordergrund ist ein Kreuz zu sehen.
Aufnahme vom 7. Mai: Szene aus dem Ort Paraskoviivka in Donezk © Yasuyoshi Chiba/AFP

Ukraine-Krieg: Selenskyj beklagt Kulturgüter-Vernichtung

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Zerstörung von Kulturgütern in der Ukraine durch russische Truppen beklagt. In dem seit zweieinhalb Monaten dauernden Angriffskrieg seien 200 Kulturerbestätten getroffen worden, sagte Selenskyj in einer Videoansprache vom Samstagabend in Kiew. Als ein Beispiel nannte er den Raketentreffer auf das Museum des bedeutenden ukrainischen Dichters und Philosophen Hryhorij Skoworoda (1722-94) im Gebiet Charkiw in der Nacht zuvor.

„Leider kehrt das Böse zurück, wenn Menschen die Rechte anderer Menschen missachten, das Gesetz missachten und die Kultur zerstören“, sagte Selenskyj. Deshalb verteidige die Ukraine ihr Volk, ihre Städte und ihre Museen gegen Russland. Am Sonntag und Montag gedenke die Welt des Sieges über den Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg. Doch das russische Vorgehen zeige, „dass es unmöglich ist, das Böse ein für alle Mal zu besiegen“. (dpa/AFP/frs)

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