Merkel will "Erklärungen" von Guttenberg

Berlin - Der wegen Plagiatsvorwürfen unter Druck geratene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg musste bei Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Rapport. Rücktrittsgerüchte erhärten sich nicht.

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Nach der Absage eines öffentlichen Auftritts wächst der Druck auf Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), sich zu den immer zahlreicheren Plagiatsvorwürfen in seiner Doktorarbeit zuäußern. Am Donnerstagabend hatte Guttenberg mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt gesprochen. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. ZDF und ARD berichteten übereinstimmend, Merkel habe "ein paar Erklärungen" von dem Minister verlangt. Spekulationen in Medien über einen Rücktritt Guttenbergs erhärteten sich in der Nacht nicht.

Die Zahl der Autoren, von denen der CSU-Politiker abgeschrieben haben soll, ist inzwischen auf 15 gestiegen - darunter mit Rupert Scholz (CDU) einer seiner Amtsvorgänger. Die Universität Bayreuth forderte eine Stellungnahme von Guttenberg innerhalb von zwei Wochen. Die möglichen Konsequenzen der Hochschule reichen von der Aufforderung, die Doktorarbeit nachzubessern, bis zur Aberkennung des Doktortitels.

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Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, legte dem Minister für den Fall, dass ihm der Titel aberkannt wird, den Rücktritt nahe. “Wenn ihm der Doktortitel abgenommen würde, dann müsste er auch das Amt verlassen“, sagte Wiefelspütz dem “Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitag). “Mit diesem Makel kann man nicht mehr Minister sein. Das würde auch für jeden anderen gelten.“

Guttenberg war am Mittwoch - also kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe - zunächst zu einem schon länger geplanten Truppenbesuch nach Afghanistan gereist. Nach seiner Rückkehr sagte er am Donnerstagabend kurzfristig einen Wahlkampfauftritt für die CDU in Sachsen-Anhalt ab. Im Ministerium hieß es, Guttenberg sei “in Berlin gebunden“.

Die Doktorarbeit von Guttenberg wird nicht nur von Medien, sondern auch von Plagiatsjägern im Internet genau seziert. Mehr als 30 Fundstellen sind dort inzwischen aufgelistet. Guttenberg verwendete nach Angaben von “Spiegel Online“ auch einen Absatz von der Webseite der US-Botschaft ohne Fußnote und bediente sich aus dem Beitrag eines CDU-Europaabgeordneten sowie aus einer Rede eines Jura-Professors. Zudem findet sich in der Dissertation eine Textpassage aus einem Aufsatz des Staatsrechtlers und ehemaligen Verteidigungsministers Rupert Scholz (CDU).

dapd/dpa

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