Mubarak hat Kairo im Helikopter verlassen

Kairo - Präsident Husni Mubarak hat Kairo angeblich verlassen. Offenbar ist der Staatschef nach Scharm el Scheich am Roten Meer gereist. In Al-Arisch wurde unterdessen ein Demonstrant erschossen.

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Aus ägyptischen Sicherheitskreisen in Kairo verlautete am Freitag, Mubarak sei in einem Hubschrauber vom Präsidentenpalast aus gestartet. Mubarak ist einem Bericht des arabischen Nachrichtensenders al-Arabija zufolge am Freitag in Scharm el Scheich am Roten Meer eingetroffen. Der Präsident sei in Begleitung seiner Familie, berichtete der Sender. Mubarak hat dort eine Ferienvilla. Augenzeugen in Kairo berichteten, ein Hubschrauber sei am späten Mittag vom Präsidentenpalast in Kairo aus abgeflogen. Aus Scharm el Scheich, wo Mubarak eine Ferienvilla hat, berichteten ägyptische Medien über eine verstärkte Präsenz der Sicherheitskräfte am Flughafen. Eine Bestätigung über die Reise Mubarak in den Urlaubsort gab es aber nicht.

Ein Rückzug nach Scharm el Scheich war in den vergangenen Tagen mehrfach als eine gesichtswahrende Option für Mubarak genannt worden. Die Proteste in Kairo und anderen Städten gehen inzwischen unvermindert weiter. Tausende Demonstranten belagern das ägyptische Parlament, den Präsidentenpalast im Nobel-Vorort Heliopolis und das Gebäude des staatlichen Fernsehens in der Innenstadt. Das staatliche Fernsehen bedauerte in seinen Nachrichtensendungen, dass eingeladene Studiogäste das Gebäude nicht erreichen konnten.

Proteste vor dem Palast

Gegner des Regimes von Husni Mubarak haben ihren Protest am Freitag erstmals vor den Präsidentenpalast im Kairoer Stadtteil Heliopolis getragen. Augenzeugen berichteten, die Anlage werde von der ägyptischen Armee scharf bewacht. Vor dem Gebäude seien über tausend Demonstranten. Die Lage wirke gespannt.

In Alexandria, der zweitgrößten Stadt des Landes, marschierten tausende Demonstranten zu einem der Paläste Mubaraks. Hunderttausende demonstrierten auf der Halbinsel Sinai. Sie riefen: “Nieder mit Mubarak! Nieder mit Suleiman!“

Streiftkräfte stellen sich hinter Mubarak

Die ägyptischen Streitkräfte haben sich am Freitag demonstrativ hinter die Absicht von Präsident Husni Mubarak gestellt, nicht sofort zurückzutreten. In einer Erklärung unterstützten sie die Entscheidung des seit fast 30 Jahren regierenden Staatschefs, einige Vollmachten auf seinen Stellvertreter Omar Suleiman zu übertragen. Wie zuvor Mubarak am Donnerstagabend machten sie eine Aufhebung der Notstandsgesetze von einem Ende der Proteste abhängig. Es war die zweite Erklärung des Obersten Rats der Streitkräfte zur politischen Lage innerhalb von zwei Tagen. Die nicht erfüllten Erwartungen der vielen hunderttausend Demonstranten gaben den Protesten am Freitag aber erneut Auftrieb.

Demostrant erschossen

Sicherheitskräfte erschossen am Freitag in der Provinzhauptstadt Al-Arisch auf dem nördlichen Sinai einen Demonstranten. Eine aufgebrachte Menge hätte eine Polizeiwache stürmen wollen und sei dabei mit Polizeikräften zusammengestoßen, berichteten Augenzeugen. Das Opfer, ein junger Mann, sei von Scharfschützen erschossen worden, die auf Dächern postiert waren. Wenige Stunden zuvor war es in Rafah, der Grenzstadt zum Gazastreifen, zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen, als die Demonstranten aus Vorfreude über einen möglichen Rücktritt Mubaraks in die Luft geschossen hatten. Bereits in der Nacht zuvor hatten Protestierende Polizeiwachen in der Stadt angegriffen.

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dpa/dapd

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