1. Werra-Rundschau
  2. Politik

„Das Undenkbare ist passiert“: Lawrow wütet nach Luftraum-Sperre für Serbien-Trip

Erstellt:

Von: Stephanie Munk

Kommentare

Russlands Außenminister Lawrow musste eine Reise nach Serbien abblasen, wegen des Ukraine-Kriegs wurde der Luftraum für ihn gesperrt. Nun ist der Zorn in Moskau groß.

Moskau - Ein geplanter zweitägiger Besuch des russischen Außenministers Sergej Lawrow in Belgrad ist am Montag (6. Juni) geplatzt: Die Nachbarländer Serbiens weigerten sich, dem Regierungsflieger von Lawrow den Überflug zu erlauben.

Laut der serbischen Tageszeitung Vecernje Novosti sperrten Serbiens Nachbarländer Bulgarien, Nordmazedonien und Montenegro ihren Luftraum für die Maschine. Lawrows Besuch in Belgrad sei daher abgesagt worden, meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf eine diplomatischen Quelle. Grund für die Sperre des Luftraums sind die Sanktionen, die die EU einen Tag nach Beginn des Ukraine-Kriegs gegen Lawrow und den russischen Präsidenten Wladimir Putin verhängt hat.

Ukraine-News: Russland verurteilt Sperre für Lawrow-Flug - „Äußerst harte“ Reaktion gefordert

Am Montag (6. Juni) kam aus Russland scharfe Kritik an der Blockade von Lawrows Regierungsmaschine. Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Oberhauses, Konstantin Kossatschew, verurteilte die Schließung des Luftraums als einen Schritt, der sich „gegen Russland als Staat und Serbien als Staat“ richte. Er hoffe auf eine gemeinsame und „äußerst harte“ Reaktion, die sich nicht nur in Form von diplomatischen Protesten, sondern auch in „konkreten Maßnahmen niederschlagen“ werde, schrieb Kossatschew im Onlinedienst Telegram.

Sergej Lawrow selbst kritisierte die Blockade seiner Reise durch einige „Nato-Mitglieder“ in einer Video-Konferenz mit ausländischen Journalisten später als „ungeheuerlich“. Die Sperrung des Luftraums sei eine „schändliche Bestrafung“ für ein Land, das gemäß seinen nationalen Interessen eigenständig seine Außenpolitik bestimmen wolle, sagte Lawrow.

Ukraine-News: Lawrow kann nicht nach Serbien fliegen - und wütet über „Puppenspieler in Brüssel“

„Das Undenkbare ist passiert“, soll er laut focus.de außerdem gesagt haben. Man habe einem souveränen Staat das Recht entzogen, Außenpolitik zu betreiben, schimpfte Lawrow. Die EU und die Nato versuchten, Serbien in der freien Wahl seiner Partner zu behindern. Der Westen wolle den Balkan für sich, so wie er die Ukraine beanspruche, kritisierte Lawrow weiter. Die EU setze auf jene Kräfte, die „allem Russischen den Krieg“ erklärt hätten. „Die Puppenspieler in Brüssel wollen den Balkan in ihr Projekt eines geschlossenen Balkans verwandeln.“

Der russische Außenminister Sergej Lawrow (l.) und der russische Präsident Wladimir Putin.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow (l.) und der russische Präsident Wladimir Putin. © Sergei Fadeiche/Imago

„Unsere Beziehungen mit Serbien wird niemand zerstören können“, betonte Lawrow außerdem. Er wolle seinen serbischen Kollegen Nikola Selakovic bald in Moskau treffen. Serbien hat den Ukraine-Krieg zwar verurteilt, zugleich will Belgrad jedoch nicht mit seinem Verbündeten brechen und lehnt es ab, sich den EU-Sanktionen gegen Russland anzuschließen. Kürzlich verlängerte Serbien einen Vertrag über Gaslieferungen aus Russland um drei Jahre.

Lawrows Serbien-Reise wegen Ukraine-Krieg geplatzt: Russland prangert „feindliche Handlung“ an

Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow äußerte sich zu der Sache: „Zweifellos können solche feindlichen Handlungen gegenüber unserem Land, gegenüber hochrangigen Vertretern unseres Landes gewisse Probleme verursachen und dazu führen, dass der Zeitplan dieser Kontakte um einige Zeit verschoben wird“, sagte er laut der Nachrichtenagentur Interfax. Diese Maßnahmen könnten aber prinzipiell Russlands gute Beziehungen zu freundschaftlich gesinnten Staaten wie Serbien nicht zerstören, fügte er hinzu.

Mit dem Verlauf des Ukraine-Kriegs selbst zeigte sich Moskau derweil zufrieden. Der Kreml sehe „optimistisch“ auf die Entwicklung der „militärischen Spezialoperation in der Ukraine“, sagte Peskow. Alle Informationen zum Ukraine-Konflikt lesen Sie hier. dpa/smu

Auch interessant

Kommentare