Nigeria

Mehr als 200 Tote bei Islamistenangriff

+
Bei dem Angriff einer Islamistengruppe in Nigeria sind mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen.

Abuja - Bei einem erneuten Angriff der Islamistengruppe Boko Haram in Nigeria sind nach Angaben von Augenzeugen im Nordosten des Landes mehr als zweihundert Menschen getötet worden.

Ungeachtet des weltweiten Entsetzens über die Massenentführung von Schulmädchen in Nigeria hat die Islamistengruppe Boko Haram ein neues Blutbad mit mehr als hundert Toten angerichtet. Bei der Attacke auf die Stadt Gamboru Ngala im Nordosten habe es am Montag "etwa 300 Todesopfer" gegeben, sagte Senator Ahmed Zanna am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. US-Präsident Barack Obama forderte eine "internationale Mobilisierung gegen diese Terrororganisation".

Boko-Haram-Kämpfer hatten vor drei Wochen eine Schule in Chibok im nördlichen Bundesstaat Borno überfallen und 273 Mädchen verschleppt. Am Sonntag hatte die Gruppe elf weitere Mädchen entführt. In einem am Montag publik gewordenen Video kündigte Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau den "Verkauf", die "Versklavung" und die "Zwangsverheiratung" der Schülerinnen an.

Die USA reagieren nun auf das schockierende Verbrechen und schickten erste Polizei- und Militärexperten nach Nigeria, um die Mädchen zu finden. Auch London und Paris sagten Hilfe zu. Den nigerianischen Sicherheitskräften werde eine "mit allen Mitteln ausgerüstete Spezialeinheit" zur Verfügung gestellt, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius am Mittwoch. Die nigerianische Polizei setzte eine Belohnung in Höhe von umgerechnet 215.000 Euro für Informationen aus, die zur Befreiung der Schülerinnen führen.

Obama äußerte sich am Dienstagabend im Fernsehen. Er sprach von einem "abscheulichen" Verbrechen, das aber hoffentlich helfen werde, "die gesamte internationale Gemeinschaft dazu zu bringen, etwas gegen diese entsetzliche Organisation zu tun".

Vorerst lassen sich die Extremisten, die seit fünf Jahren im Norden Nigerias für einen islamistischen Staat kämpfen, nicht abschrecken: Augenzeugen berichteten, Boko-Haram-Kämpfer seien am Montag mit gepanzerten Wagen und Motorrädern in die Stadt Gamboru Ngala an der Grenze zu Kamerun eingedrungen und hätten auf die terrorisierten Einwohner geschossen.

"Alle Geschäfte und der Markt, zu dem Händler aus der ganzen Region kamen, wurden niedergebrannt", sagte Senator Zanna. Nach seinen Angaben nutzten die Islamisten kaltblütig aus, dass die Soldaten für die Suche nach den verschleppten Mädchen aus Gamboru Ngala abgezogen worden waren und die Bewohner schutzlos zurückgelassen hatten.

Die Islamisten, die auch als Taliban Nigerias bezeichnet werden, verüben seit 2009 immer wieder Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen. Etwa 1500 Menschen wurden bei Angriffen allein in diesem Jahr getötet.

AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare