Obama fordert Ende der Gewalt in Libyen

Kairo - In seiner ersten Stellungnahme zur Eskalation der Gewalt in Libyen hat US-Präsident Barack Obama das Vorgehen des Regimes aufs Schärfste verurteilt. Augenzeugen berichten von schrecklichen Szenen

“Das Leiden und Blutvergießen ist abscheulich und inakzeptabel“, erklärte er am Mittwoch in Washington. Evakuierte berichteten am Donnerstag von schrecklichen Szenen in Libyen. Ein Augenzeuge in der Stadt Sawija sagte, Soldaten hätten das Minarett einer Moschee mit schweren Waffen beschossen und mehrere Demonstranten getötet oder schwer verletzt.

Mehr als 3.000 Evakuierte trafen am Donnerstag an Bord zweier türkischer Schiffe in der türkischen Hafenstadt Marmaris ein. Sie hätten Milizen in Fahrzeugen voller Leichen gesehen, außerdem habe es Plünderungen gegeben, berichteten die Geflüchteten. Zehntausende Ausländer sitzen noch immer in Libyen fest.

Blutige Proteste in Libyen

Blutige Proteste in Libyen

Der Augenzeuge aus Sawija berichtete, der Angriff auf die Moschee habe sich am Donnerstagvormittag ereignet. Die Demonstranten hätten in der Moschee und in der Nähe campiert und den Sturz von Staatschef Muammar al Gaddafi gefordert, sagte der Mann telefonisch der Nachrichtenagentur AP.

Obama erklärte, seine Regierung werde alle Optionen ausschöpfen, um auf die Gewalt in Libyen zu reagieren. Zuvor hatten die USA damit begonnen, ihre Staatsbürger aus Libyen in Sicherheit zu bringen.

Die Evakuierungen wurden in der Nacht zum Donnerstag allerdings von rauer See stark behindert. Wie ein Sprecher des US-Außenministeriums mitteilte, konnte ein Schiff mit amerikanischen Staatsbürgern an Bord den Hafen der Hauptstadt Tripolis zunächst nicht verlassen. Die Fähre werde erst in Richtung Malta aufbrechen, wenn die Wetterverhältnisse dies zuließen. Wegen bis zu fünf Meter hohen Wellen vor der Küste Libyens war das Schiff den Angaben zufolge bereits erst deutlich später als geplant in Tripolis angekommen. 

Unruhen lassen Ölpreis steigen

Die Sorge um die Zukunft des wichtigen Lieferlandes Libyen trieb den Ölpreis an den internationalen Rohstoffmärkten weiter in die Höhe. In Asien stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl am Donnerstag auf 102 Dollar. An der New Yorker Terminbörse NYMEX stieg der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zuvor um 3,5 Prozent auf 101 Dollar. In London hatte der Ölpreis die Marke von 116 Dollar übersprungen. Die Spritpreise in Deutschland erreichten ebenfalls ein Hoch. 

Ban fordert internationale Gemeinschaft zur Einheit auf

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die internationale Gemeinschaft zur Einheit auf, um einen “sofortigen und friedlichen Wandel“ in Libyen zu ermöglichen. Ban forderte zudem eine Bestrafung derer, die “auf brutale Weise das Blut Unschuldiger vergießen“. Die Vereinten Nationen gaben zudem bekannt, dass der Tochter des libyschen Staatschefs Muammar al Gaddafi der Titel einer “Ehrenbotschafterin“ entzogen worden sei. Begründet wurde der Schritt mit dem gewaltsamen Vorgehen des libyschen Regimes gegen Demonstranten. Einer UN-Mitteilung vom Mittwoch zufolge war die Juristin Aischa Gaddafi am 24. Juli 2009 beauftragt worden, sich im Namen des UN-Entwicklungsprogramms unter anderem für die Bekämpfung von Armut und von Gewalt gegen Frauen zu engagieren.

Deutsche flüchten aus Libyen

In Libyen halten sich nach Schätzungen des Auswärtigen Amts noch etwa 160 Deutsche auf, die zum Teil ausreisen wollen. Man prüfe weiter mit Hochdruck alle Möglichkeiten, sie mit Flugzeugen, Schiffen oder auf dem Landweg aus dem Land zu bringen, sagte eine Sprecherin am Donnerstag auf dpa-Anfrage.

“Die Gefährdungslage ist nach wie vor hoch“, sagte die Sprecherin. Es gebe aber auch Deutsche in Libyen, die aus familiären oder beruflichen Gründen trotz der Unruhen im Land bleiben wollten.

Die deutsche Luftwaffe hatte am Mittwoch 47 deutsche und weitere Passagiere aus 15 Nationen ausgeflogen. Die Kanzlermaschine “Konrad Adenauer“ mit 74 Menschen an Bord war am Abend auf dem Militärflughafen Köln gelandet. Die Heimkehrer berichteten von chaotischen Zuständen am Flughafen in der libyschen Hauptstadt Tripolis.

dapd/dpa

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