Politik reagiert

Pferdefleisch-Skandal: Härtere Strafen geplant

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Verschiedene Produkte aus Pferdefleisch sind im Fachgeschäft für Pferdefleisch in Bremen zu sehen (Archivbild).

Berlin - Der Pferdefleisch-Skandal wird immer undurchsichtiger. Die Lieferketten sind oft nur schwer nachzuvollziehen. Supermärkte nehmen weitere Fertiggerichte aus den Regalen. Jetzt reagiert die Politik.

Bayerns Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) fordert härtere Strafen für Etikettenschwindel bei Lebensmitteln, sieht aber auch die Verbraucher in der Pflicht. Beim Fleischkauf sollte man nicht nur auf den Preis achten, sagte Huber am Montag dem Bayerischen Rundfunk (Bayern2). „Schlussendlich hat es jeder Verbraucher selbst in der Hand, sich vor solchen Dingen zu schützen. Wer immer nur darauf achtet, das allerbilligste Schnäppchen zu kaufen, ohne darüber nachzudenken, ob das für diesen Preis überhaupt herstellbar ist, der hat seinen Beitrag auch dazu geleistet, dass es soweit kommt.“

Bund und Länder haben am Montag Konsequenzen aus dem Skandal um falsch deklariertes Pferdefleisch vereinbart. Wie es nach Beratungen der Verbraucherminister in Berlin aus Teilnehmerkreisen hieß, sollen auch höhere Strafen und schärfere Vorgaben für die Eigenkontrollen der Unternehmen geprüft werden. Geplant sind zusätzliche Tests von Fleischprodukten und eine zentrale Internetseite mit Informationen über Produktrückrufe. Deutschland will sich zudem in der EU für eine Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Fleischprodukte einsetzen. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hatte ihren Länderkollegen einen nationalen Aktionsplan vorgeschlagen.

Lebensmittelskandale in Deutschland

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Produkte von Alfons Schuhbeck sind nach Angaben des Münchner Spitzenkochs nicht vom Pferdefleisch-Rückruf des Fertigprodukte-Herstellers Schuhbecks Geniesser Service (SGS) betroffen. „Ich bin erschüttert“, sagte Schuhbeck der „Bild“-Zeitung (Montag). „Die Firma SGS hat eine Lizenz von mir, hochwertige Gericht zu produzieren - die Produkte, in denen Pferdefleisch gefunden wurde, stammen aus einer ganz anderen Linie.“

Experten des Schweriner Verbraucherministeriums begannen am Montag mit der Überprüfung von SGS. Wie das Unternehmen in Laage (Kreis Rostock) mitteilte, waren in Fertiggerichten mit Anteilen von Rindfleisch für die Supermarktkette Rewe Bestandteile von Pferdefleisch gefunden worden. Die SGS habe sofort nach Bekanntwerden des Pferdefleischskandals von allen Lieferanten schriftliche Bestätigungen erhalten, dass kein zugeliefertes Produkt Pferdefleisch enthält. Allerdings seien bei Rohware vom münsterländischen Hackfleisch-Hersteller Vossko geringe Pferdefleischanteile gefunden worden.

Danach seien die beiden betroffenen Rewe-Produkte sofort gesperrt worden, ebenso alle Lieferungen von Vossko. „Die Firma SGS fühlt sich von seinem Vorlieferanten grob getäuscht, weil sie als Rindfleisch deklarierte Ware vom Lieferanten geliefert bekommen hat, die als pferdefleischfreie Ware vom Lieferanten bestätigt wurde.“

dpa

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