PID-Gegner in CDU suchen im Bundestag Verbündete

+
In der Universitätsfrauenklinik in Leipzig injiziert eine Laboringenieurin im Biologischen Labor des Zentrums für Reproduktionsmedizin unter dem Mikroskop Spermien in Eizellen, die kurz vorher bei einer Patientin während einer Operation entnommen wurden.

Berlin - Nach der knappen Unterstützung des CDU-Parteitags für die Gegner von Gentests an Embryonen wollen diese im Bundestag Verbündete für ein Verbot suchen.

“Jetzt kommt es darauf an, Verbündete für unsere Position auch über die eigene Fraktion hinaus im Bundestag zu finden“, sagte die stellvertretende Parteivorsitzende Annette Schavan der “Rheinischen Post“ (Mittwoch). Fraktionschef Volker Kauder, der ebenfalls zu den Gegnern zählt, stellte aber klar, dass der Parteitagsbeschluss für die Abgeordneten nicht bindend ist und es eine Fraktionsentscheidung nicht gibt. “Es handelt sich um eine Gewissensfrage“, sagte Kauder dem “Kölner Stadt- Anzeiger“ (Mittwoch). In der Fraktion werde es deshalb zwei gegensätzliche Initiativen geben.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister erwartet auch im Parlament eine knappe Entscheidung, wie er der “Nordwest-Zeitung“ (Mittwoch) sagte.

Der Koalitionspartner FDP kündigte einen interfraktionellen Antrag zur gesetzlichen Regelung der sogenannten Präimplantationsdiagnostik (PID) an. “Der knappe CDU-Parteitagsbeschluss zeigt, dass es eine Gewissensentscheidung ist und es richtig war, die Entscheidung im Bundestag freizugeben“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, die PID-Befürworterin Ulrike Flach, der “Bild“- Zeitung (Mittwoch). “Wir haben eine Gruppe aus Abgeordneten aller Fraktionen gebildet, die bereits in den nächsten Wochen einen Gesetzentwurf vorstellen wird. Mit dem wollen wir die PID gesetzlich so regeln, dass wir Eltern helfen, ohne ethische Grenzen zu überschreiten.“

Auf dem CDU-Parteitag in Karlsruhe hatten am Dienstag nach stundenlanger emotionaler Debatte 51 Prozent der Delegierten für die Position von Parteichefin Angela Merkel votiert, die die Präimplantationsdiagnostik ablehnt. Das Merkel-Lager hatte lediglich einen Vorsprung von 17 Stimmen. Bei der PID können im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor der Einpflanzung in den Mutterleib auf Erbkrankheiten untersucht und aussortiert werden.

Bischofskonferenz begrüßt CDU-Entscheidung

Die katholische Bischofskonferenz begrüßte die Entscheidung des Parteitags. Er verkenne nicht die Ernsthaftigkeit, mit der in der Diskussion auch humanitäre Argumente für die PID vorgebracht würden, sagte der Bioethik-Experte der Deutschen Bischofskonferenz, der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst, in einer Erklärung am Abend. Doch könne es keine Güterabwägung geben, nach der Leben oder Tötung embryonaler Menschen zur Disposition gestellt werden dürften.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, äußerte sich abwägend. “Die EKD hat sich 2003 gegen die Zulassung der PID ausgesprochen, weil ein Embryo in seinen Entwicklungschancen nicht geachtet, sondern verbraucht wird“, sagte er der “Bild“-Zeitung (Mittwoch). In der vergangenen Woche haben Rat und Synode der EKD beschlossen, die Debatte darüber noch einmal aufzunehmen. “Ich selber bin hin- und hergerissen, weil ich einerseits die Gefahren sehe, andererseits aber auch das Leid von Eltern mit schweren Erbkrankheiten.“

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare