Hardliner oder Neffe?

Wackelt Putins Macht? Machtverfall zeichnet sich ab - Das könnten seine Nachfolger sein

Mitglieder der russischen Nationalgarde versammeln sich auf dem Roten Platz, um eine Protestkundgebung zu verhindern.
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Macht in Russland: Das Regime Putin wackelt. (Symbolbild)

Vor über 20 Jahren wurde Putin das erste Mal zum Präsidenten von Russland gewählt. Jetzt beginnt seine Macht zu bröckeln.

  • Macht im Kreml wankt: Proteste in Russland gegen das Putin-Regime nehmen zu.
  • Der Neffe des amtierenden Präsidenten wird als Nachfolger gehandelt.
  • Die konservative Machtelite in Russland will den derzeitigen Verteidigungsminister als Präsidenten.

Kassel/Moskau - Die Vergiftung und Festnahme des Regimekritikers Alexej Nawalny lösten massive Proteste in ganz Russland aus. Nicht nur in Moskau werden diese brutal zerschlagen.

Putins Macht und die russische Regierungen werden durch die Proteste aktuell ins Wanken gebracht, wie ntv berichtet. Doch damit nicht genug, der Präsident Wladimir Putin soll bereits seit Wochen gesundheitlich stark angeschlagen sein.

Russland von Protesten erschüttert: Staaten fordern Sanktionen gegen das Putin-Regime

Diplomaten bestätigen, dass sich die aktuellen Spannungen in der Hauptstadt wohl auf die Unruhen durch Nawalny zurückführen lassen. Doch der umstrittene Rechtsanwalt wird von der Regierung Russlands nicht durch die Bank weg ernst genommen: Ein Teil des Führungskreises um Putin will den Kritiker daher systematisch ignorieren und ihn ebenso wie die Bewegung hinter ihm klein reden, wie n-tv.de berichtet.

Zwischen „Falken“ und „Tauben“

Putin umgibt sich seit seiner ersten Wahl vor über 20 Jahren mit einem Kreis an Verbündeten und Freunden im Kreml. Dieser „innere“ Machtkreis um den Ex-KGB-Agenten wird in zwei Lager unterteilt: Die „Falken“ und die „Tauben“. Diese beraten das russische Oberhaupt und nehmen starken Einfluss auf die russische Politik.

In der Fraktion der „Falken“ finden sich die Hardliner der Russischen-Elite. Sie stehen für ein hartes Vorgehen bei geopolitischen Fragen. Die sogennaten „Tauben“ sind eher in der Wirtschafts-Elite zu verorten.

Russische Sicherheitskräfte greifen bei den Protesten so hart durch, sodass die EU-Kommission die Vorgehensweise der russischen Polizei verurteilt. Länder wie Frankreich und Italien fordern sogar Sanktionen. Die konservative Fraktion der Kreml-Falken fürchtet offensichtlich, dass Alexej Nawalny ein Risiko und eine Bedrohung für das Machtsystem von Putin sei. Ein Aufstand des Volkes, wie im nahen Belarus, will der Kreml wohl um jeden Preis verhindern. Was sich auch im brutalen Vorgehen der Polizei abzeichnet, wie ntv berichtet.

Nachfolge für Putin: Bleibt die Macht in Russland in der Familie?

Durch den immer größeren Druck gegen das herrschende Putin-Regime werden die Gerüchte um mögliche Nachfolger immer lauter. Besonders ein Name kursiert derzeit als möglicher Nachfolger in Russland in den Medien: Roman Putin. Der Neffe von Wladimir Putin hätte wohl Interesse an einer Präsidentschaft. Das vermuten Kreml-Beobachter bereits seit längerem. Mittlerweile hat Roman Putin zudem den Vorsitz in der Anti-Korruptions-Partei „Das Volk gegen Korruption“.

Genau wie sein Onkel kommt dieser aus dem russischen Geheimdienst und war Offizier für den Kampf gegen Korruption und Drogen. Er hat sich bereits ein Luxus-Imperium aufgebaut. Er ist Besitzer eines Weinguts in Kalifornien, einer Luxusjacht und einer 38 Hektar große Insel auf den Bahamas, die ihn 75 Millionen Dollar kostete. Außerdem wurde Roman Putin nun zum Vorsitzenden einer Anti-Korruptions-Partei gewählt und zeigt somit auch seine politischen Ambitionen.

Putin und die Macht in Russland: Fraktion der Falken hat wohl andere Pläne

Die Fraktion der „Falken“ hat wohl andere Pläne für eine mögliche Putin-Nachfolge. Der Alt-Kommunist Sergei Kuschugetowitsch Schoigu wird als möglicher Nachfolger gehandelt. Aktuell bekleidet der 75-jährige das Amt des Verteidigungsministers. Durch seinen General-Titel ist er Teil der sogenannten „Silowiki“. Zu diesem Kreis gehören im politischen Russland quasi alle Träger einer Uniform.

Dem amtierenden Präsidenten Putin, der als Ex-KGB auch zu den „Silowiki“ gehört, steht er seit langer Zeit nahe. Gemeinsame Sommerurlaube in der Heimat des Verteidigungsministers waren in der Vergangenheit keine Seltenheit. Das Interesse für das Amt Putins wird Schoigu bereits seit längerem nachgesagt.

Ein Russland nach Putin: Wird der Hardliner die Macht an sich reißen?

Politisch ist Schoigu definitiv einer der konservativen Hardliner im Kreml. Er sieht den Westen als Bedrohung und fordert in Kalterkriegs-Manier eine starke Armee. Nur so könne eine Zerstörung Russlands abgewehrt werden, den sie wären umzingelt von Feinden. So äußerte er sich vor 1,5 Jahren gegenüber der Zeitung „Moskowski Komsomolez“.

Die deutsche Verteidigungsministerin ist den Augen des russischen Verteidigungsministers nicht mehr als eine „Grundschülerin“. Der russische Hardliner gilt auch als Haupt-Stratege hinter den Kriegen in Syrien, der Ukraine, Libyen und Armenien. Auch die Fäden hinter der Bekämpfung Nawalnys soll Schoigu gemeinsam mit dem Geheimdienstchef Sergej Naryschkin ziehen. Der Schlachtzug gegen Nawalny dürfte zumindest in Teilen auch persönlich motiviert sein. Der Kritiker enthüllte in der Vergangenheit, dass der mögliche Putin-Nachfolger sich ein Luxusanwesen für 21,7 Millionen Euro gebaut hatte.

Russland kämpft: Proteste gegen Putin trotz extremer Temperaturen

Russland erlebt aktuell eine riesige Protest-Welle im ganzen Land. Die Nawalny-Krise treibt derzeit immer wieder Menschenmassen auf die Straßen. Nicht nur Anhänger des konservativen Putin-Kritikers protestieren gegen die aktuelle Situation im Ex-Zarenreich. Sogar bei unter minus 50 Grad machen die Menschen ihrer Ablehnung des Putin-Regimes Luft und nehmen dabei massive Repressionen und Gewaltexzesse der russischen Sicherheitskräfte in Kauf.

Ein Auslöser für die aufkeimenden Unruhen dürfte auch die schlechte wirtschaftliche Verfassung Russlands sein. Nicht zuletzt deswegen, hat die letzte Nawalny-Enthüllung über einen angeblichen Palast von Putin für großes Aufsehen gesorgt.

Russland wirtschaftlich am Boden: Macht von Putin wird häufig am Rubel gemessen

Für das Jahr 2020 wird mit einem BIP-Rückgang von mindestens 5 Prozent gerechnet. Verantwortlich ist hierfür neben der Corona-Krise auch der Verfall des Ölpreises. Die Preise steigen in Russland unterdessen stärker als sonst. Im Dezember 2020 stieg die Inflationsrate auf 4,9 Prozentpunkte. Im Vergleich zum Dezember 2019 musste die Bevölkerung für Lebensmittel 6,7 Prozent mehr bezahlen.

Das sorgt für Unmut in der Bevölkerung und macht die Proteste zum Pulverfass. Auch der Wert des Rubels fällt rapide. Für viele gilt er als Machtindikator Putins. War im Jahr 2000 ein Euro noch 13 Rubel wert, sind es heute bereits 90. Alleine im vergangenen Jahr rutsche der Wert um ganze 30 Rubel ab. (Alina Schröder und Lucas Maier)

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