Ermordung Rabbanis ist Rückschlag für Friedensbemühungen

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Der frühere afghanische Präsident Burhanuddin Rabbani ist am Dienstag (20.09.2011) bei einem Bombenanschlag in seiner Wohnung in Kabul getötet worden

Neu Delhi - Gespräche mit den Aufständischen sind nun unwahrscheinlicher als je zuvor - und Frieden in Afghanistan ebenso. Der ermordete Ex-Präsident Rabbani sollte die Aussöhnung mit den Taliban erreichen. Die Bombe könnte in einem Turban versteckt gewesen sein.

Als deutlich wurde, dass die Taliban nicht militärisch besiegt werden können, schwenkten die Staatengemeinschaft und die afghanische Regierung um. Mit Unterstützung des Westens rief Präsident Hamid Karsai im vergangenen Jahr nach einer Ratsversammlung in Kabul den Hohen Friedensrat (HPC) ins Leben. Zum Vorsitzenden bestimmte er Burhanuddin Rabbani. Der Ex-Präsident sollte die Aussöhnung mit den Taliban vorantreiben. Am Dienstag wurde Rabbani von einem Selbstmordattentäter getötet. Mit ihm dürfte auch die ohnehin vage Hoffnung auf baldigen Frieden gestorben sein.

Unklar blieb zunächst, wer für den Mord verantwortlich war. HPC-Mitglied Arsala Rahmai sagte, Rabbani habe sich in seiner abgeriegelten Residenz - die im schwer geschützten Diplomatenviertel Wazir Akbar Khan rund 500 Meter Luftlinie von der deutschen Botschaft entfernt liegt - mit zwei Taliban-Vertretern getroffen. “Sie könnten ihn getötet haben.“ Nach Polizeiangaben wurde Rabbani durch einen der Besucher mit einer Sprengstoffweste ermordet.

Aus Sicherheitskreisen hieß es dagegen, der Täter habe den Sprengstoff in seinem Turban versteckt gehabt - wie es zuletzt häufiger bei Anschlägen der Taliban der Fall gewesen war. Die Schutztruppe Isaf sprach von “zwei Selbstmordattentätern, die den Wunsch heuchelten, Versöhnungsgespräche zu führen“. Isaf-Kommandeur John Allen erklärte: “Das ist ein weiterer abscheulicher Indikator dafür, dass unabhängig von dem, was die Taliban-Führung außerhalb des Landes sagt, sie keinen Frieden will, sondern Krieg.“

Doch nicht nur Taliban-Hardliner haben ein Interesse daran, den Friedensprozess zu torpedieren, bevor er überhaupt Fahrt aufgenommen hat. Ungewöhnlich: Die Handys der Taliban-Sprecher - die sich sonst umgehend zu Anschlägen bekennen - waren nach der Tat ausgeschaltet.

Rabbani war eine hoch umstrittene Wahl für den Chefposten im Friedensrat. Der Angehörige der tadschikischen Bevölkerungsgruppe hatte die afghanische Regierung während des Bürgerkrieges in den 1990er Jahren angeführt. Als die paschtunischen Taliban 1996 in Kabul die Macht übernahmen, stand er der Nordallianz vor - die bis zuletzt erbittert gegen das Regime der Gotteskrieger kämpfte. Als die Amerikaner vor zehn Jahren den Angriff auf Afghanistan anführten, gelang es ihnen nur mit Hilfe der Nordallianz, die Taliban zu stürzen.

Karsai machte also einen einstmals erklärten Taliban-Feind zum Chef jenes Vorhabens, das den blutigen Konflikt mit den Aufständischen friedlich beenden sollte. Auch im Hohen Friedensrat selbst galt Rabbani manchen wegen seiner Führungsrolle in der Nordallianz eher als Hindernis für eine Aussöhnung. Und unter seinen einstigen Gefährten machte sich Rabbani ebenfalls nicht nur Freunde: Hardliner der Nordallianz lehnen Verhandlungen mit den Taliban ab.

Auch mächtige unpolitische Gruppen haben keinerlei Interesse an einem stabilen Afghanistan: Kriminellen Banden und Drogenbaronen würde das Geschäft vermiest, herrschten Recht und Gesetz am Hindukusch. Und nicht zuletzt heißt es auch in Regierungskreisen in Kabul immer wieder, der berüchtigte pakistanische Geheimdienst ISI würde Verhandlungen mit dem Führungsrat der afghanischen Taliban torpedieren, der vom Exil in Pakistan aus operiert.

“Rabbani hat sich unter den Extremisten der Nordallianz und der Taliban viele Feinde gemacht auf Grund seines sich abzeichnenden Erfolges bei Verhandlungen mit moderaten Teilen der Taliban“, sagt der Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung für Afghanistan und Pakistan, Babak Khalatbari. “Sein Tod ist ein tragischer Verlust für Afghanistan und Karsais Regierungsmannschaft - und ein herber Rückschlag für die Friedensgespräche.“

dpa

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