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Ukraine-Krieg: AKW Saporischschja „nur einen Schritt von einer nuklearen Katastrophe entfernt“

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Von: Johanna Soll, Nadja Austel, Vincent Büssow, Christian Weihrauch, Stefan Krieger, Christian Stör, Alina Schröder

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Russland und die Ukraine starten massive Angriffe. Ein Spitzendiplomat sieht keine Chance auf eine diplomatische Lösung. Der News-Ticker am 6. September. 

Hinweis: Dieser Ticker ist beendet. Aktuelles zum Krieg in der Ukraine finden Sie in unserem neuen News-Ticker.

+++ 07:50 Uhr: Nach der erneuten Notabschaltung des ukrainischen Kernkraftwerks Saporischschja, das von russischen Kräften besetzt ist, bleibt die Lage dort äußerst gespannt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hielt Moskau vor, das größte AKW Europas sei wegen russischer Provokationen zum zweiten Mal „nur einen Schritt von einer nuklearen Katastrophe entfernt“ gewesen. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA will am Dienstag (06.09.) Bericht erstatten, was ihre Erkundungsmission nach Saporischschja erbracht hat.

+++ 07.15 Uhr: In der ersten Hälfte des Jahres 2022 – die vom Ukraine-Krieg geprägt war – haben offenbar zahlreiche Menschen Russland verlassen. 419.000 Personen hätten dem Land in diesem Zeitraum den Rücken gekehrt, berichtet das belarussische Oppositionsmedium Nexta bei Twitter. Das seien doppelt so viele Menschen wie im Vergleichszeitraum im Jahr 2021. Nexta beruft sich bei den Zahlen auf die russische Statistikbehörde Rosstat.

Ukraine-Krieg: Keine Chance für diplomatische Lösung

Update vom Dienstag, 6. September, 07.00 Uhr: Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, sieht derzeit keine Chance für eine diplomatische Lösung im Ukraine-Krieg. „Russland hat kein Interesse an Verhandlungen. Deswegen wird die Situation in sechs Monaten so ziemlich die gleiche sein, wie sie jetzt ist“, sagte er am Montagabend in Genf bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Geneva Center for Security Policy.

Eine Fahrzeugkolonne mit Mitgliedern der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) verlässt nach der Inspektion des Kernkraftwerks Saporischschja das Gelände.
Eine Fahrzeugkolonne mit Mitgliedern der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) verlässt nach der Inspektion des Kernkraftwerks Saporischschja das Gelände. © dpa/Russian Defense Ministry Press Service/AP

Ukraine-News: Heftige Angriffe im Donbass gemeldet

+++ 21.45 Uhr: Nach Angaben des Kiewer Generalstabs hat die russische Armee am Montag erneut Dutzende Orte im Donbass im Osten der Ukraine mit Artillerie und Kampfflugzeugen beschossen. Der Abendbericht der ukrainischen Militärführung zählte zugleich acht Orte auf, an denen Sturmangriffe der Russen abgewehrt worden seien. Dazu gehörte auch die Umgebung der Stadt Bachmut im Gebiet Donezk, vor der der russische Vormarsch seit Wochen feststeckt. Die Militärangaben waren nicht sofort unabhängig überprüfbar.

In der Nähe der Industriestadt Krywyj Rih setzte nach örtlichen Behördenangaben ein russischer Raketentreffer ein Treibstofflager in Brand. Der Beschuss traf demnach auch andere Orte des Gebiets Dnipropetrowsk in der Zentralukraine. Eine Frau sei getötet worden, außerdem habe es drei Verletzte gegeben.

Im Donbass werden massive Angriffe durch die russische Armee gemeldet.
Im Donbass werden massive Angriffe durch die russische Armee gemeldet. © Imago

+++ 20.43 Uhr: In der Ukraine hat es am Montag (05. September) massive Angriffe von beiden Seiten gegeben. Wie der ukrainische Generalstab am Abend mitteilte, hat Russland innerhalb von 24 Stunden mehr als 65 Angriffe mit Artilleriesystemen oder aus der Luft gestartet. Gleichzeitig sollen die Truppen aus der Ukraine über 15 Luftangriffe auf russische Einheiten und deren Material durchgeführt haben.

Auch wenn die Zahl russischer Angriffe wesentlich höher ist, gibt es inzwischen Zweifel an deren Effizienz. Berichten zufolge müssen die Truppen aus Russland auf veraltete Raketen zurückgreifen.

Ukraine-Krieg: „Befreiungsmaßnahmen“ in besetzten Gebieten – Kiew appelliert an Bewohner

+++ 18.45 Uhr: Kiew hat den ukrainischen Bürgern in den besetzten Gebieten Anweisungen zum Verhalten während „Befreiungsmaßnahmen“ gegeben. Mychajlo Podoljak aus dem Präsidentenbüro von Wolodymyr Selenskyj, forderte die dort lebenden Menschen dazu auf, Unterstände einzurichten, Wasservorräte zu besorgen und Batterien aufzuladen.

Er hob insbesondere hervor, dass auch die Bewohner der Halbinsel Krim angesprochen sind. Diese ist seit 2014 unter der Kontrolle Russlands. Erst vor Kurzem bestätigte Selenskyj die Rückeroberung der Krim als Ziel der Ukraine (siehe Update von 6.20 Uhr).

+++ 16.45 Uhr: Russland soll bei mehreren Angriffen am Montag (05. September) drei Zivilpersonen getötet haben. So sollen die russischen Truppen am Nachmittag ein Dorf in der Region um Charkiw beschossen haben. Dabei seien ein 39-Jähriger und ein 52-Jähriger gestorben, wie die Staatsanwaltschaft in dem Gebiet mitteilte. Bei einem weiteren Angriff in dem Gebiet Dnipropetrowsk soll außerdem eine ältere Frau getötet worden sein. Dies teilte die dortige Militärverwaltung mit.

News im Ukraine-Krieg: AKW Saporischschja nimmt Reaktor vom Netz

+++ 15.25 Uhr: Im von russischen Truppen besetzten ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja ist der letzte noch arbeitende Reaktor am Montag vom Netz genommen worden. Dies teilte der staatliche ukrainische Betreiber Energoatom im Messengerdienst Telegram mit. Grund sei ein durch Angriffe ausgelöstes Feuer, das eine Stromleitung zwischen dem Kraftwerk und dem ukrainischen Stromnetz beschädigt habe.

News zum Ukraine-Krieg: Referendum in Cherson verschoben - pro-russische Behörden nennen Details

+++ 14.23 Uhr: Die pro-russischen Behörden in der besetzten und derzeit heftig umkämpften südukrainischen Region Cherson wollen nach eigenen Angaben ihre Pläne für ein Referendum über eine Zugehörigkeit zu Russland vorerst stoppen. Die Vorbereitungen für die Abstimmung hätten bereits begonnen, sagte der Chef der pro-russischen Behörden, Kirill Stremusow, im Fernsehen. „Aber angesichts der aktuellen Entwicklungen, glaube ich, dass wir im Moment eine Pause einlegen werden.“

News zum Ukraine-Krieg: Ukrainische Armee macht Fortschritte im Süden und Osten

+++ 12.45 Uhr: Ein Bezirksgericht in Moskau hat der kremlkritischen Zeitung Nowaja Gaseta die Zulassung entzogen. „Die Registrierung als Medium wird für ungültig erklärt“, verkündete die zuständige Richterin, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete. Der Entzug erfolgte demnach auf Antrag der russischen Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor. Die Behörde begründete dies damit, dass die Zeitung trotz einer Verwarnung ihr Redaktionsstatut nicht vorgelegt habe. Chefredakteur ist Dmitri Muratow, der 2021 den Friedensnobelpreis bekam.

+++ 11.15 Uhr: Die ukrainische Armee macht derzeit wohl nachweisbare Fortschritte im Süden und im Osten der Ukraine. Das geht aus einem Bericht der Denkfabrik Institute for the Study of War hervor. Demnach sollen ukrainische Truppen im westlichen Oblast Cherson in mehrere Richtungen vordringen und das Gebiet jenseits des Flusses Siverskyi Donets im Oblast Donezk gesichert haben. Fachleuten zufolge wird sich das Tempo der Gegenoffensive täglich ändern, da die ukrainischen Streitkräfte intensiv daran arbeiten, Russlands logistische und militärische Fähigkeiten zu schwächen.

News zum Ukraine-Krieg: Russland hat auch Probleme im Osten

+++ 09.43 Uhr: Trotz der ukrainischen Gegenoffensive im Süden des Landes konzentriert sich Russland nach britischen Informationen im Ukraine-Krieg weiter auf den Vormarsch im Osten. Die Hauptachsen des russischen Vormarschs lägen bei Awdijiwka nördlich der Großstadt Donezk sowie rund um die Stadt Bachmut weiter nördlich, teilte das Verteidigungsministerium in London unter Berufung auf seine Geheimdienste mit. Zwar hätten die russischen Truppen in dieser Gegend zuletzt den meisten Erfolg gehabt. Sie stießen dennoch nur einen Kilometer pro Woche auf Bachmut vor.

Grund für die Konzentration auf die Ostukraine sei das politische Ziel, das gesamte Gebiet Donezk zu erobern. Dann könne der Kreml die „Befreiung“ der gesamten Donbass-Region verkünden, so das Ministerium. Allerdings stünden die Aussichten schlecht. „Russische Kräfte haben sehr wahrscheinlich wiederholt Fristen verpasst, um dieses Ziel zu erreichen.“

News zum Ukraine-Krieg: Selenskyj bekräftigt Ziel einer Rückeroberung der Krim

Update vom 5. September, 06.20 Uhr: Ukrainischen Medienberichten zufolge haben ukrainische Truppen eine von Russland besetzte Ortschaft im Gebiet Donezk zurückerobert. Von unabhängiger Seite waren diese Angaben nicht überprüfbar. In einem Video bekräftigte Präsident Selenskyj zudem das Ziel einer Rückeroberung der Schwarzmeer-Halbinsel Krim. „Ich glaube daran, dass die ukrainische Flagge und das freie Leben auf die Krim zurückkehren. Wir befreien unsere gesamte Erde, alle unsere Menschen“, sagte Selenskyj. 

News zum Ukraine-Krieg: Video soll Raketenabschüsse von Saporischschja zeigen

+++ 14.00 Uhr: Rund um das von Russland besetzte Atomkraftwerk Saporischschja in der Südukraine bleibt die Lage weiter unübersichtlich. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, trotz der derzeitigen Anwesenheit internationaler Atomexperten dort militärisch aktiv zu sein. Nun hat die unabhängige russische Nachrichtenseite Insider ein Video veröffentlicht, das in der Nacht zum Samstag aufgenommen worden sein soll. Dort ist zu sehen, wie Russland Raketen vom Standort des Kernkraftwerks Saporischschja abfeuert. Das Video scheint zu bestätigen, dass Russland den Ort für offensive Militärschläge über den Fluss Dnipro nutzt, wie zuvor von der Ukraine behauptet worden ist. Das Filmmaterial kann unabhängig nicht verifiziert werden.

News zum Ukraine-Krieg: Mangelnde Kampfmoral macht Russland zu schaffen

+++ 12.00 Uhr: Nach Einschätzung britischer Geheimdienste dürfte die mangelnde Moral russischer Truppen in der Ukraine auch an einer schlechten Bezahlung liegen. Neben hohen Opferzahlen und einer zunehmenden Kampfmüdigkeit gehöre die Besoldung zu den größten Missständen, hieß es in einem Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums. Üblicherweise bestehe der Lohn russischer Soldaten aus einem Grundgehalt, das nach einem komplexen System um verschiedene Zuschüsse und Bonuszahlungen aufgestockt wird.

Update vom Sonntag, 4. September, 06.15 Uhr: Das russische Verteidigungsministerium beschuldigte am Samstag die ukrainische Armee, trotz der Anwesenheit internationaler Atomexperten das AKW Saporischschja zurückerobern zu wollen. An der Aktion seien 250 Soldaten und „ausländische Söldner“ beteiligt gewesen. Die russische Armee will den Angriff abgewehrt und mehrere Boote zerstört haben. Das ukrainische Militär beschuldigte wiederum Russland, es habe in der Nacht zum Samstag Angriffe in Richtung Saporischschja vorgenommen. Einzelheiten wurden im Lagebericht nicht genannt.

News zum Ukraine-Krieg: Mychailo Podoljak spricht über Kriegsende

+++ 14.15 Uhr: Der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak äußerte sich via Twitter zum möglichen Ende des Ukraine-Kriegs. Er machte dabei klar, dass nicht Russland, sondern die Ukraine darüber bestimmen werde – und zwar dann, wenn sie die Befreiung ihrer Gebiete“ abgeschlossen und von Russland Reparationszahlungen gefordert habe.

Erstmeldung vom Samstag, 3. September, 12.30 Uhr: Die Ukraine forciert bei ihrer Gegenoffensive in der Region Cherson im Süden des Landes britischen Geheimdiensten zufolge derzeit einen breiten Vormarsch auf drei Achsen westlich des Flusses Dnipro. Russland sei von dem Angriff wahrscheinlich taktisch überrascht worden, hieß es im Geheimdienst-Update vom 3. September. Die ukrainischen Streitkräfte nutzen demnach bei ihrem anhaltenden Vormarsch, der nur begrenzt unmittelbare Ziele verfolge, die „schlechte Logistik, Verwaltung und Führung“ der russischen Armee aus. Russische Kommandeure müssten sich nun entscheiden, auf welche Region sie sich im Blick auf Nachschub und Reservetruppen konzentrieren wollten. (na/chw/cs/dpa)

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