Wütender Mob verjagt Sarrazin aus Lokal

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Thilo Sarrazin ist in Kreuzberg nicht willkommen.

Berlin - Thilo Sarazzin war nach Kreuzberg gekommen, um mit Anwohnern zu diskutieren. Doch dort wollte niemand mit ihm sprechen. Eine aufgebrachte Menge vertrieb den 66-Jährigen aus ihrem Viertel.

Dass Thilo Sarrazin spätestens seit Erscheinen seines umstrittenen Buchs "Deutschland schafft sich ab" polarisiert, ist nichts Neues. Doch wie tief der Stachel besonders bei türkischen Mitbürgern sitzt, das hätte Sarrazin wohl selbst nicht gedacht. Ein Spaziergang durch das Berliner Multikulti-Viertel Kreuzberg wird für den ehemaligen Senator der Stadt  zum Spießrutenlauf. Sarrazin wird sogar aus einem Lokal verjagt.

Sehen Sie hier das Video zu Sarrazins Besuch in der alevitischen Gemeinde in Berlin-Kreuzberg auf YouTube

Die Tour durch Kreuzberg unternimmt Sarrazin gemeinsam mit der türkischstämmigen Journalistin Güner Balci für die ZDF-Sendung "Aspekte". Diskussionen mit Anwohnern sollen daraus entstehen. Doch zu Diskussionen kommt es garnicht erst. Bereits als der ehemalige Bundesbankvorstand auf dem sogenannten "Türkenmarkt" auftaucht, bildet sich ein wütender Mob. "Nazis raus!"-   und "Rassist!"-Rufe schallen Sarazzin entgegen, wie er in der Welt am Sonntag berichtet. Das Duo verlässt samt Kamerateam den Türkenmarkt.

Auf dem Weg zu einem Restaurant, in dem ein Mittagessen mit dem türkischen Eigentümer geplant ist, gehen die Schmährufe weiter. "Da kommt Sarrazin, der Rassist!", ruft ein junger Mann. Seine Frau verkündet, das Lokal sei "verpestet", wenn Sarazzin darin essen würde. Der Manager des Restaurants empfängt seinen umstrittenen Gast zunächst freundlich, hält dem Druck der mittlerweile beachtlichen Menge aber nicht stand. "Eigentlich sind Türken sehr gastfreundlich, aber ich glaube, ich kann Sie nicht bedienen", bittet er Sarazzin zu gehen. Der folgt der Aufforderung. "Wir schlichen wie die geprügelten Hunde davon", berichtet er.

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Auch an der nächsten Station ist Sarazzin nicht mehr willkommen. Vereinbart sei ein Gespräch mit dem alevitischen Gemeindevorstand gewesen. Doch auch hier wartet bereits eine Menschentraube, versperrt den Eingang zum Gemeindezentrum und ruft Sarazzin entgegen, er solle abhauen. Auch der Vorstand möchte  nicht mehr mit Sarrazin sprechen, führt dessen gesellschaftsspaltende Aussagen als Grund an.

Sarrazin selbst hatte mit solch heftigen Reaktionen gegen seine Person wohl nicht gerechnet. Er sei ein "verdienter ehemaliger Berliner Senator" und habe sich nichts zuschulden kommen lassen, außer ein Buch mit unwillkommenen Zahlen und deren Analyse zu schreiben, erklärt der 66-Jährige. Zu sehen ist der Beitrag am Freitag um 23.15 Uhr im ZDF.

mm

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