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Massenhinrichtung in Saudi-Arabien: 81 zum Tode Verurteilte sterben an einem Tag

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Von: Kathrin Reikowski

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Saudi-Arabien, Dschidda: Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien
Saudi-Arabien, Dschidda: Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien - an einem Tag wurden in Saudi-Arabien mehr Menschen hingerichtet als je zuvor. © Mandel Ngan/Pool AFP/AP/dpa

In Saudi-Arabien werden am Samstag mehr Menschen hingerichtet als im Jahr 2021 zusammen. Wegen Massenhinrichtungen steht die Golfmonarchie schon lange unter internationaler Kritik.

Riad/Saudi-Arabien - Saudi-Arabien hat am Samstag 81 Menschen hingerichtet. Nach Berichten von Staatsmedien wurden damit an einem Tag mehr Menschen als im ganzen Jahr 2021 hingerichtet. Sie seien wegen Terrorismusvorwürfen verurteilt gewesen. „Erst vergangene Woche sagte Kronprinz (Mohammed bin Salman) vor Journalisten, er wolle das saudi-arabische Strafrechtssystem modernisieren, nur um dann die größte Massenhinrichtung in der Geschichte des Landes anzuordnen“, erklärte Reprieve, eine in Großbritannien ansässige Menschenrechtsgruppe.

Laut amtlicher Nachrichtenagentur SPA hatten alle 81 Hingerichteten Verbindungen zum „Islamischen Staat, Al-Kaida, den Huthis und anderen terroristischen Organisationen“. Das Vorgehen der Behörden in der Golfmonarchie wurde von Menschenrechtsorganisationen verurteilt. Saudi-Arabien steht seit langem wegen einer der höchsten Hinrichtungsraten der Welt und seines undurchsichtigen Justizsystems in der Kritik.

Nach zehn Jahren Haft war am Freitag ein saudi-arabischer Blogger freigelassen worden.

Saudi-Arabien: Höchste je gemeldete Anzahl an Hinrichtungen an einem Tag

Im gesamten vergangenen Jahr waren in Saudi-Arabien 69 Todesurteile vollstreckt worden, im Jahr 2022 waren nach AFP-Zählungen bis Freitag elf Menschen hingerichtet worden. Nach Angaben von SPA waren 73 der am Samstag hingerichteten saudi-arabische Staatsbürger, sieben waren Jemeniten und einer war Syrer. Alle 81 seien von saudi-arabischen Gerichten wegen „mehrerer abscheulicher Verbrechen“ verurteilt worden.

Demnach hätten sie Anschläge auf wichtige Einrichtungen oder Mitglieder der Sicherheitskräfte geplant und Waffen ins Land geschmuggelt. Sie seien für den Tod von Zivilisten und Sicherheitskräften verantwortlich. Saudi-Arabien führt eine Militärkoalition an, die gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen kämpft. In den vergangenen Monaten hatte es mehrfach Angriffe der Huthi-Rebellen in Saudi-Arabien gegeben.

Hinrichtungen in Saudi-Arabien: Hungerstreikender Todeskandidat mit 14 Jahren verurteilt

In den vergangenen Jahren hat Saudi-Arabien eine Reihe von Reformen im Strafvollzug angekündigt, darunter ein Moratorium für die Todesstrafe bei Drogendelikten und die Abschaffung der Auspeitschung durch Gerichte. Im April 2020 kündigte das Königreich außerdem die Abschaffung der Todesstrafe für Menschen an, die für Verbrechen verurteilt wurden, die sie im Alter von unter 18 Jahren begangen haben.

Ein hungerstreikender Todeskandidat wurde am Samstag nach Angaben von Reprieve und Verwandten nach einem Zusammenbruch ins Krankenhaus gebracht. Abdullah al-Howaiti war 14 Jahre alt, als er 2017 wegen bewaffneten Raubüberfalls und Tötung eines Polizeibeamten verhaftet wurde. 2019 wurde er zum Tode verurteilt, vergangenen Monat wurde das Urteil in einem Wiederaufnahmeverfahren bestätigt. (AFP/kat)

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