Steinbach greift Polens Deutschland-Beauftragten scharf an

+
Im ARD-Morgenmagazin griff Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach Wladyslaw Bartoszewski scharf an.

Berlin - Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach hat den Deutschland-Beauftragten der polnischen Regierung, Wladyslaw Bartoszewski, scharf angegriffen. Was Steinbach im Fernsehen sagte:

Lesen Sie auch:

Westerwelle würdigt Bartoszewski

Die CDU-Bundestagsabgeordnete sagte am Donnerstag im ARD-“Morgenmagazin“: “Bartoszewski hat einen schlechten Charakter. Das sage ich ohne Wenn und Aber.“ Sie begründete die Aussage mit “persönlichen Erfahrungen, die dahinterstecken“.

Sie habe sich mit Äußerungen zu diesem Mann “sehr lange auch wirklich zurückgehalten“. Steinbach gilt in ihrer Funktion als Vertriebenen-Präsidentin und wegen ihres Einsatzes für ein Zentrum gegen Vertreibungen seit langem als Reizfigur in Polen. Sie war zuletzt mit Äußerungen über die polnische Mobilmachung vor dem Zweiten Weltkrieg in der CDU unter Druck geraten. Steinbach hatte daraufhin angekündigt, bei der Vorstandswahl im November nicht mehr zu kandidieren.

Zur Begründung ihrer Attacke auf Bartoszewski sagte die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, sie habe den 88-jährigen früheren polnischen Außenminister zunächst sehr bewundert, sei aber nun enttäuscht, weil sie ihm viele Briefe geschrieben, aber nie Antwort erhalten habe. Sie habe viel Verständnis für die Emotionen in Polen und alle Opfer der deutschen Besatzung hätten ihr tiefes Mitgefühl, doch manche Einzelpersonen schätze sie nicht.

Der 88-jährige Bartoszewski war von den Nazis ins Konzentrationslager Auschwitz verschleppt und im April 1941 schwer krank entlassen worden. Bartoszewski soll Steinbach vor kurzem mit dem Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson verglichen haben.

Steinbach betonte, sie wolle weiter Mitglied im Vorstand der Unions-Bundestagsfraktion bleiben. Ihr Ziel sei es, in der Union Nachdenken auszulösen, denn viele Parteimitglieder hätten “Besorgnisse, Ängste und ein Gefühl der Heimatlosigkeit“. Auch sie persönlich wünsche sich ein “Gefühl der Geborgenheit“, doch sei Solidarität innerhalb der CDU leider nicht weit verbreitet.

Auf die Frage, ob sie sich einer neuen Partei mit konservativem Profil zuwenden wolle, sagte Steinbach, dies könne sie sich derzeit nicht vorstellen. Es gebe aktuell keine neue Partei, die sie locken könnte.

Steinbach hatte erst vor einer Woche einen Proteststurm entfacht. Mit dem Satz “Ich kann es auch leider nicht ändern, dass Polen bereits im März 1939 mobil gemacht hat“, sorgte die CDU-Politikerin auf einer Klausurtagung der Unions-Fraktion für Aufregung.

dpa/dapd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare