Rösler will Gesetz gegen Ärztemangel

Berlin - Auf dem Land reißen immer größere Lücken in der Medizin-Versorgung auf. In vielen Städten dagegen ballen sich die Ärzte. Per Gesetz will Gesundheitsminister Rösler Abhilfe schaffen.

Nach jahrelanger Diskussion will Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) den Ärztemangel auf dem Land nun mit einem Gesetz bekämpfen. In einer gemeinsamen Kommission mit den Ländern sollen möglichst binnen eines halben Jahres die Eckpunkte abgestimmt werden, sagte Rösler am Montag in Berlin nach einem Sondertreffen mit den Länder-Gesundheitsministern. Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Manuela Schwesig (SPD) kritisierte, mit der Kommission verliere die Politik wertvolle Zeit. “Ich bin sehr enttäuscht.“

Niedergelassene Ärzte und Kliniken sollten möglichst schnell besser zusammenarbeiten. Heute sind beide Bereiche weitgehend unabgestimmt. “Wir wollen Versorgung aus einer Hand“, sagte Schwesig. Die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer (SPD) kritisierte, Vorschläge aus dem Rösler-Ressort hätten nichts Neues gebracht. Die Länder hatten zuvor umfassende Vorschläge für die Ärzteplanung vorgelegt. Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, die niedersächsische Ressortchefin Aygül Özkan (CDU), bekräftigte: “Um die Verteilung von Ärzten in Flächenländern besser steuern zu können, muss die Bedarfsplanung neu gestaltet werden.“

Unter den 395 Bezirken für Praxisärzte gibt es viele mit insgesamt genug Medizinern - obwohl von abgelegenen Orten die Entfernung zum nächsten Arzt oft viele Kilometer beträgt. In vielen ländlichen Regionen mit vielen Älteren fehlt es bereits an Hausärzten - vor allem in Ostdeutschland. Bis 2020 wird es laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung rund 7000 Hausärzte weniger in Deutschland geben. Rösler verteidigte seine zunächst zurückhaltende Haltung zu den Ländervorschlägen. Über die Ärzte-Planung hinaus sei es zentral, dass bereits die medizinische Ausbildung stärker auf den Versorgungsmangel abziele. Wichtig sei auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Ärzte.

Anreize für Jungmediziner müssten erhöht werden, damit sie sich auf dem Land niederzulassen. Hausbesuche sollten besser bezahlt werden. Nach den Worten Özkans soll es nicht einfach mehr Ärzte geben. Ziel sei es, Mediziner stärker dorthin zu bringen, wo sie nötig seien. Heute gibt es eine starke Ungleichverteilung: Während es in wohlhabenden Stadtvierteln viele Ärzte gibt, reißen in Problem- Bezirken sowie auf dem Land in Ost und West immer mehr Lücken auf. Rösler verteidigte die geplante Erhöhung der Ärztehonorare. “Wenn wir alle älter werden, müssen wir auch zum Arzt gehen, damit wir gesünder bleiben. Und dafür braucht es Geld“, sagte er in der ARD.

Die Krankenkassen warnen vor weiteren Verteuerungen. “Wir haben so viele Ärzte wie noch nie“, sagte die Chefin des Kassen-Verbands, Doris Pfeiffer, der “Welt“. “In überversorgten Regionen haben wir 25 000 Ärzte zu viel, in unterversorgten Gegenden ­ vor allem auf dem Land ­ fehlen 800 Mediziner.“ Finanzielle Anreize bewirkten wenig, um einen Mediziner aufs Land zu locken. Angesichts des Honorarplus für die rund 150 000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten von rund einer Milliarde 2011 dürfe es keine weitere Steigerung geben.

dpa

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