Tauss, Kinderpornos und die Frage nach der Schuld

Karlsruhe - Mehr als ein Jahr nach dem Fund von Kinderpornos in seiner Wohnung hat der ehemalige SPD-Politiker Jörg Tauss vor Gericht seine Unschuld beteuert. Video zum Verhandlungstag:

Er räumte zwar den Besitz von einschlägigem Bild- und Videomaterial ein. Schuldig im Sinne der Anklage sei er aber nicht. “Ich wollte Erkenntnisse gewinnen“, sagte der ehemalige medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion am Dienstag zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Karlsruhe. “Nur weil ich wusste, wie es in der Kinderpornoszene abläuft, konnte ich bis zuletzt kompetent mitreden.“

Die Pornos waren im Frühjahr 2009 in seiner Berliner Wohnung und auf seinem Handy gefunden worden. Die Anklage wirft dem 56-Jährigen vor, das Material beschafft, weitergegeben und besessen zu haben.

Staatsanwältin Stephanie Egerer-Uhrig brauchte mehr als eine Stunde zur Verlesung der Anklage. Sie beschrieb den Inhalt jeder der bei Tauss gefundenen Dateien kurz. Der frühere Bundestagsabgeordnete folgte der Verlesung konzentriert und gefasst. In den Dateien und auf drei DVDs waren Kinder und Jugendliche zwischen etwa einem Jahr und 17 Jahren zu sehen, so die Anklage. Das Material zeigt die Kinder beim Oral- oder Analverkehr untereinander oder mit Erwachsenen. Außerdem habe Tauss mit vier Mitgliedern der Kinderporno-Szene Bilder ausgetauscht.

Staatsanwältin geht Tauss hart an

Der Verteidiger Michael Rosenthal kritisierte vor allem das Vorgehen der Staatsanwaltschaft. Tauss sei öffentlich diskreditiert und “in eine Ecke gedrängt“ worden, aus der er nur noch schwer wieder herauskomme. Zum Prozessauftakt drängten sich viele Journalisten in den Schwurgerichtssaal. Schon zuvor hatte der Anwalt Jan Mönikes von einer öffentlichen Vorverurteilung und einer “medialen Inszenierung“ gesprochen.

Egerer-Uhrig wehrte sich entschieden: “Herr Tauss ist hier nicht, weil er Abgeordneter war oder irgendeiner politischen Partei angehört oder angehört hat. Herr Tauss ist hier, weil er Kinderpornos versendet, sich verschafft und besessen hat“, sagte sie. Zeugen sollen erst zu einem späteren Zeitpunkt vernommen werden. Insgesamt sind fünf Verhandlungstage geplant.

Anika von Greve-Dierfeld

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