Mehr als 60 Tote bei Terrorserie im Irak

Bagdad - Die Zweifel an der Exit-Strategie der US-Regierung für den Irak und Afghanistan werden größer. Nach dem Abzug der letzten US- Kampftruppen ist der Irak von einer Terrorwelle erschüttert worden.

Nach Angaben von Augenzeugen, Ärzten und Polizisten starben am Mittwoch durch Sprengstoffanschläge und Selbstmordattentate landesweit mindestens 64 Menschen. Rund 190 Menschen wurden bei den Anschlägen verletzt. Die Polizei zählte binnen weniger Stunden über 20 Explosionen in zehn Städten. Erst am Vortag hatte die US-Armee erklärt, der Abzug ihrer Kampftruppen sei beendet.

“Diese Explosionen zeigen uns, dass die irakischen Sicherheitskräfte noch nicht fähig und richtig ausgerüstet sind, um die Verantwortung für die Sicherheit zu übernehmen, jetzt, wo die US- Truppen nicht mehr da sind“, sagte der Parlamentarier Fallah al- Luhaibi der Nachrichtenagentur dpa. Al-Luhaibi gehört der Al-Irakija- Liste an, die seit der Parlamentswahl im März die stärkste Fraktion bildet, aber wegen des seither andauernden Streits um die Schlüsselpositionen noch keine Regierung bilden konnte.

Das ist Afghanistan

Das ist Afghanistan

Das US-Außenministerium bezeichnete die Zunahme der Gewalt in jüngster Zeit als wenig überraschend. “Es war vorhersagbar, da es Fraktionen im Irak gibt, die den Fortschritt unterlaufen wollen, der dort gemacht wurde“, sagte der Sprecher des Außenamtes, Mark Toner in Washington. “Aber insgesamt lässt die Gewalt nach und die Stabilität nimmt zu.“

Die US-Armee hatte am Dienstag bekanntgegeben, die Zahl ihrer Truppen im Irak sei erstmals seit dem Einmarsch von 2003 auf weniger als 50 000 Soldaten gesunken. US-Präsident Barack Obama wird am kommenden Dienstag (31. August) eine Rede an die Nation zum Irak-Krieg halten. Es handele sich dabei um seine zweite Ansprache aus dem Oval Office, dem Arbeitszimmer des Präsidenten, teilte das Weiße Haus mit. Die Rede wird gewöhnlich von allen großen US-Fernsehsendern übertragen.

Bomben explodierten neben Polizeistationen

Die meisten Toten gab es am Mittwoch in der Stadt Al-Kut südlich von Bagdad. Nach Angaben von Augenzeugen starben hier allein 20 Menschen, als ein Selbstmordattentäter neben dem Gebäude der Provinzverwaltung eine Autobombe zündete. 90 Menschen erlitten Verletzungen. Weitere Anschläge ereigneten sich in Nord-Bagdad, in der Schiiten-Stadt Kerbela, in Basra, Ramadi, Falludscha, Dudschail, al-Makdadija, Kirkuk, Mossul und Bakuba.

Die Bomben detonierten neben Polizeistationen oder auf Hauptstraßen, wo Passanten starben. In der westlichen Stadt Falludscha traf es eine Familie, die sich neben einer Polizeipatrouille aufhielt. Zwei kleine Jungen starben. Die Angehörigen der Patrouille blieben nach Polizeiangaben unversehrt.

Keine Kampfeinsätze der US-Armee ohne die Iraker

Die Europäische Union verurteilte die Anschlagsserie. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sei “zutiefst betrübt“, teilte eine Sprecherin am Mittwoch in Brüssel mit. Ashton bekräftigte die Notwendigkeit, eine stabile Regierung im Irak zu bilden. Die Europäische Union sei zur Unterstützung einer solchen Regierung bereit.

Gemäß einem Vertrag zwischen Washington und der irakischen Regierung sollen auch die letzten US-Truppen das Land bis Ende 2011 verlassen. Bis dahin sollen sie die irakische Armee unterstützen und ihre Soldaten ausbilden. Kampfeinsätze der US-Armee ohne die Iraker soll es nicht mehr geben. Die einzige Region, die am Mittwoch von Terroranschlägen verschont blieb, war das kurdische Autonomiegebiet im Norden. Dort sorgen ehemalige Kämpfer der kurdischen Parteimilizen für Sicherheit.

dpa

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