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Klitschkos rechnen im Ukraine-Krieg „mit allem“ - und können Deutschlands Debatte „nicht verstehen“

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Von: Cindy Boden

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Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko (r.) und sein Bruder Wladimir blicken im Rathaus von Kiew auf ein Handy. (Archivbild)
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko (r.) und sein Bruder Wladimir: „Es gibt keine Regeln.“ (Archivbild) © Efrem Lukatsky/AP/dpa

Deutschland hadert wegen der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine. Dort herrscht weitgehend Unverständnis über die Diskussion. Die Klitschkos appellieren weiter.

Kiew - Die Ukraine und der Westen befürchten schon bald eine Großoffensive Russlands im Osten des Landes - doch auch im Westen der Ukraine gibt es wieder verstärkt Angriffe. Bei Raketenangriffen auf Lwiw wurden nach ukrainischen Angaben mehrere Menschen getötet.

Angesichts der Bilder und Erlebnisse sagen die Klitschko-Brüder immer wieder - auch mit Adresse an Deutschland: „Mit Fäusten kann man sich nicht schützen, man braucht dafür Waffen.“ Doch genau bei diesem Thema stockt es in Berlin, vor allem der Streit rund um schwere Waffen ist groß.

Klitschko kann Deutschlands Waffen-Debatte während Ukraine-Krieg nicht versehen

Doch der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, lässt nicht locker. „Wir brauchen die schweren Waffen aus Deutschland sofort“, sagte er am Montag (18. April) der Bild-Zeitung. „Jede Verzögerung kostet Menschenleben. Das sollte jedem klar sein. Ich kann diese Debatte nicht verstehen.“ Zu Details äußerte sich Klitschko nicht.

Die Bundesregierung liefert bislang keine schweren Waffen an die Ukraine. Zur Begründung verweist sie unter anderem auf notwendige Absprachen mit Partnerländern sowie darauf, dass ukrainische Soldaten nicht für die Geräte ausgebildet seien. Während in der Ampel-Koalition* vor allem Politikerinnen und Politiker von Grünen und FDP für die Lieferung schwerer Waffen plädieren, ist die SPD von Kanzler Olaf Scholz eher skeptisch.

Klitschko äußerte sich in dem Bild-Interview auch zur Lage in Kiew. Die Menschen sollten noch nicht in die ukrainische Hauptstadt zurückkehren, warnte er. „Kiew ist noch nicht sicher, das haben wir erst gestern bei einem Raketenangriff erlebt.“

Ukraine-News: Klitschkos bitten um Unterstützung - „Es ist schlimmer als schrecklich“

Was wird im Ukraine-Krieg noch alles kommen? Auch Einzelheiten zur erwarteten Großoffensive sind ungewiss. „Wir müssen Putin* alles zutrauen“, sagte Klitschko jedoch der Bild. In einem Interview mit den Sendern RTL und ntv stimmte sein Bruder Wladimir Klitschko ihm da zu, als er auf den möglichen Einsatz von Atomwaffen angesprochen wird: „Wir rechnen mit allem. Wir haben schon gesehen, es gibt keine Regeln*. Es ist ein krimineller Krieg.“

Was man bisher in dem Krieg gesehen habe, „ist schlimmer als schrecklich“. Man verstehe nicht, wann das Ende des Krieges sein und wie es aussehen werde, meinte Wladimir Klitschko. Entsprechend bleibt auch die Waffen-Diskussion aktuell.

Zu diesem Thema müsse laut Vitali Klitschko auch verstanden werden: „Wir verteidigen nicht nur uns und unsere Familie und unsere Kinder, wir verteidigen euch“, sagte er bei ntv und RTL. Er dankte mehrfach für die Unterstützung - so kamen zuletzt auch Löschzüge aus Deutschland an - „aber wir brauchen mehr“. Denn es sei nicht klar, wie die weiteren Pläne und Ambitionen Russlands aussähen: „Ein Teil von Deutschland war auch ein Teil des russischen und sowjetischen Reichs“. Er sei keine Fachperson bezüglich Waffen, doch es würden Panzer und Flugzeuge gebraucht.

Scholz bald in Kiew? Klitschko würde sich „riesig freuen“

Über einen Besuch von Kanzler Olaf Scholz* würden sie sich in Kiew „riesig freuen“. Zur ukrainischen Absage an einen Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte Klitschko*: „Es war ein diplomatischer Fehler. In dieser Zeit müssen wir Einigkeit demonstrieren.“ (cibo/AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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