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Ukraine-Konflikt: Warum die verbale Kriegstreiberei brandgefährlich ist

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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In der Ukraine-Krise wird militärisch und rhetorisch aufgerüstet. So überbieten sich Boris Johnson und Wladimir Putin. Steht am Ende ein Krieg, den keiner wollte?

London – In der Ukraine-Krise wird aufgerüstet, auch verbal. Während die Nato eine Großübung in der Slowakei vorbereitet* und Russland riesige Truppenkontingente an der ukrainischen Grenze zusammenzieht, üben sich beide Seiten in Kriegsrhetorik. Beispiele hierfür liefern derzeit Wladimir Putin und Boris Johnson. Alle Konfliktparteien betonen ihren Willen zum Frieden, doch das Kriegsgeschrei ist laut – und die Rhetorik eskaliert zunehmend. Für den Frieden könnte das fatal sein.

Boris Johnson sieht in der Ukraine-Krise drohenden „größten Krieg in Europa seit 1945“

In der Ukraine-Krise* hat sich jetzt auch Großbritanniens Regierungschef Boris Johnson* erneut geäußert. Der BBC sagte er: „Ich muss leider sagen, dass der Plan, den wir sehen, vom Ausmaß her etwas ist, das wirklich der größte Krieg in Europa seit 1945 sein könnte.“ Johnson bezog sich damit auf wiederkehrende Berichte westlicher Geheimdienste über einen angeblich unmittelbar bevorstehenden Einmarsch des russischen Militärs in die Ukraine. Wladimir Putin und die russische Seite dementieren diese Meldungen derweil weiterhin.

Wladimir Putin und Boris Johnson im Gespräch. In der Ukraine-Krise zeigen die beiden Politiker, wie ein Konflikt auch rhetorisch zugespitzt werden kann. (Symbolbild)
Ukraine-Krise: Boris Johnson und Wladimir Putin liefern derzeit gute Beispiele, wie ein Konflikt auch rhetorisch zugespitzt werden kann. (Symbolbild) © Pippa Fowles/dpa

Der britische Premierminister warnte gegenüber der BBC auch vor sogenannten „false-flag-Aktionen“. Immer wieder äußert der Westen die Sorge, Russland könnte Eskalationen inszenieren, um so einen Einmarsch in die Ukraine zu begründen. Derweil blickt die Welt hoffnungsvoll auf neue Berichte, nach denen direkte Gespräche zwischen Putin und Biden in Aussicht stehen*. Die größte Auseinandersetzung seit Ende des Zweiten Weltkriegs zu beschwören, dürfte die Lage hingegen keineswegs entschärfen.

Ukraine-Krise: Wladimir Putin spricht von „Genozid“ im Donbass

Der russische Präsident Wladimir Putin spricht in der Ukraine-Krise seinerseits derweil von einem „Genozid“ an der russischen Bevölkerung im Donbass. Bei seinem Besuch in Russland hatte Kanzler Olaf Scholz* (SPD) dieser Einschätzung deutlich widersprochen. Er sagte, „das ist ein heftiges Wort, es ist aber falsch“. Später bezeichnete Scholz Putins These von einem Genozid als „lächerlich“. Die russische Seite warnt ihrerseits immer wieder von einem drohenden Völkermord an Russen in der Ukraine. Den Begriff „Genozid“ hatte Putin in diesem Kontext bereits früher genutzt, tut dies nun jedoch vermehrt vor der Weltöffentlichkeit.

Derweil wachsen die Spannungen in der Ostukraine. Während das ukrainische Militär zwei tote Soldaten meldet, werfen die prorussischen Separatisten der Gegenseite ihrerseits den Bruch der Waffenrufe vor. In dieser Situation kann auch Putins Genozid-These wie ein Brandbeschleuniger wirken.

„Krieg“ und „Genozid“: Kriegsrhetorik steht Entspannung in der Ukraine-Krise im Weg

Verbale Aufrüstung und Eskalation sind im Rahmen zwischenstaatlicher Konfrontationen alles andere als unüblich. Auch die Ukraine-Krise ist da keine Ausnahme: Ob Boris Johnsons Ausführungen über „den größten Krieg in Europa seit 1945“, Putins These eines „Genozids“ im Donbass oder Joe Bidens Warnungen vor weltkriegsähnlichen Zuständen* – zur Entspannung dürften sie nicht beitragen. Zuletzt hatte sich auch der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, General a.D. Harald Kujat, in diesem Rahmen besorgt gezeigt. Er erklärte gegenüber hr-Info, es gäbe das Risiko „dass es durch Provokationen der einen oder der anderen Seite zu einer Situation kommen kann, dass ein Krieg entsteht, den keiner will“.

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In einer Dynamik wie der von Kujat beschriebenen, ist Kriegsgeschrei dem Frieden alles andere als zuträglich. Zwar gibt es ausreichend allseitige Friedensbekundungen, doch ebenso sehr eine zunehmende Eskalation der Kriegsrhetorik. Die Berichte über möglicherweise anstehende direkte Gespräche zwischen Joe Biden und Wladimir Putin* sind hingegen ein Hoffnungsschimmer. Es wäre im Sinne des Friedens, würden diese auch mit einer allseitigen verbalen Abrüstung einhergehen, denn einen heißen Krieg kann niemand mit kühlem Kopf wirklich wollen.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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