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„Das ist Putins Krieg“: Russische TV-Journalistin ruft zum Protest auf ‒ und bangt jetzt um ihr Leben

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Von: Nico Scheck

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Marina Owsjannikowa ruft weiter zum Protest auf.
Marina Owsjannikowa ruft weiter zum Protest auf. © AFP

Die russische TV-Journalistin Marina Owsjannikowa ruft ihre Landsleute zum Protest gegen den Ukraine-Krieg auf. Sie gibt tiefe Einblicke in die Propaganda Russlands.

Moskau - Es ist eine der Szenen der vergangenen Woche im Ukraine-Konflikt*. Marina Owsjannikowa, russische TV-Journalistin, hatte am Montagabend während einer Live-Nachrichtensendung in Russland beim Sender Perwy Kanal ein Protestplakat gegen den Ukraine-Krieg* in die Kamera gehalten. Darauf stand: „Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen.“

Die Protest-Aktion von Owsjannikowa im Ukraine-Krieg erzielte große Wirkung. Von „Schockwellen durch die russische Gesellschaft“ war bei CNN die Rede. Nun verschafft sich die russische TV-Journalistin erneut Gehör.

„Das ist Putins Krieg“: Russische TV-Journalistin ruft zu Protest gegen Ukraine-Krieg auf

Denn: Owsjannikowa hat ihre russischen Landsleute dazu aufgerufen, sich gegen den Krieg in der Ukraine* zu positionieren. „Die Zeiten sind sehr finster und sehr schwierig und jeder, der eine staatsbürgerliche Haltung hat und der will, dass diese Haltung zur Kenntnis genommen wird, muss seiner Stimme Gehör verschaffen“, betonte Owsjannikowa am Sonntag beim US-TV-Sender ABC. „Das ist sehr wichtig.“

Der Einmarsch in die Ukraine sei nicht Russlands Krieg, sondern der Krieg von Präsident Wladimir Putin*. „Das russische Volk ist wirklich gegen den Krieg, das ist Putins Krieg, nicht der Krieg des russischen Volkes“, erklärte Owsjannikowa. Derzeit gerät Russlands Vormarsch im Ukraine-Krieg ins Stocken. Doch immer wieder gibt es russische Angriffe auf ukrainische Großstädte - etwa auf Kiew* und Mariupol.

Marina Owsjannikowa
„Es liegt nur an uns, diesen ganzen Wahnsinn zu beenden. Geht demonstrieren. Fürchtet nichts. Sie können uns nicht alle einsperren“, sagt Marina Owsjannikowa im Video. © Twitter/dpa

Owsjannikowa über Ukraine-Krieg: „Konnte sehen, was dort wirklich passiert“

Owsjannikowa hofft auf ein baldiges Ende des Ukraine-Kriegs. Mit ihrer Protestaktion im russischen Fernsehen habe sie etwas tun wollen mit „mehr Wirkung und das mehr Aufmerksamkeit erregt“, als Straßenproteste gegen den Ukraine-Krieg, gegen welche die russische Polizei massiv vorgeht.

„Ich konnte sehen, was in Wirklichkeit in der Ukraine passierte, und was die Programme meines Senders zeigten war ganz anders“, berichtete Owsjannikowa bei ABC. Mit ihrer „spontan“ gestarteten Protestaktion habe sie diese „Propaganda“ der russischen Regierung enttarnen wollen und „vielleicht Menschen ermutigen, dass sie den Krieg verurteilen“.

Nach Protestaktion gegen Ukraine-Krieg: Russische TV-Journalistin bangt um ihr Leben

Für die zweifache Mutter (Owsjannikowa hat einen 17-jährigen Sohn und eine 11-Jährige Tochter) hatte die Protestaktion Konsequenzen in Russland*. Zunächst war sie festgenommen worden. Kurz darauf erhielt sie eine Geldstrafe von 30.000 Rubel (rund 250 Euro). Nach dem Urteil teilte ihr Anwalt jedoch mit, dass der TV-Journalistin weiterhin ein Strafverfahren und eine lange Haftstrafe droht.

Mehr noch, Owsjannikowa bangt aktuell um ihr Leben und das ihrer Familie. „Ich bin jetzt der Feind Nummer eins hier“, hatte sie im Interview mit dem Spiegel erklärt. „Mein Leben hat sich für immer verändert, das begreife ich erst langsam. Ich kann nicht mehr zurück in mein altes Leben.“

Ukraine-Krieg: Ausreisen keine Option - Owsjannikowa will in Russland bleiben

Ausreisen aus Russland will die TV-Journalistin aber nicht. Frankreich hatte der 43-Jährigen Asyl angeboten. Aber Owsjannikowa ist fest entschlossen: „Wir werden in Russland bleiben. Ich bin Patriotin, mein Sohn ein noch viel größerer. Wir wollen auf keinen Fall weg, nirgendwo hin auswandern.“

Anfang März hatte Putin ein Gesetz unterzeichnet, das drakonische Haftstrafen bei „Falschinformationen“ über die russische Armee vorsieht. Außerdem haben die russischen Behörden seit Beginn des russischen Einmarschs in die Ukraine den Zugang zu Onlinemedien und Onlinenetzwerken massiv eingeschränkt. (nc mit afp) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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